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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

+ 4]

liesem. jedoch fehlt ‚der: Pfeil-Zack, es ist blos durch. fünf
Strahlen in ebenso viele Felder getheilt.,Daselbst wurde
.‘4. noch ein einfaches Gefäss, ähnlich dem sub Fig, 51
ıbgebildeten gefunden. Dasselbe ist aber von geringerer Ausbauchung,
 12 cm hoch und hat an der Mündung 8:8 cm
Durchmesser.
. 5; Fragmente einer Schüssel. (Fig. 63), deren Mündung
19 cm; Durchmesser hatte.. Selbe — das einzige hier gefundene
Exemplar —, war an ‚der Aussenseite bemalt, wie die
Scherben ‚noch deutlich ausweisen, u. z. ist der Hals schwarz,
die Ausbauchung oben (unterhalb des Halses) mit rothen und
unten (am Bodenstück) mit schwarzen Dreiecken verziert.
Die Farben’ rühren ‚einestheils von dem roth (durch Bolus?)
gefärbten Lehmüberzuge und anderntheils von dem üblichen
Graphitüberzuge: her. Dieses Fundobject unterscheidet sich
nicht blos durch seine Malerei, sondern auch durch die Form
von den hierortigen Thongefässen und nimmt den Charakter
anderer: in Böhmen genug selten vorkommender bemalter
Schüsseln dieser Art "an ?), was allerdings auf-eine. hierher
;mportirte Waare schliessen lässt.
6. Das Fragment einer glatten Schüssel, Fig. 64, deren
Mündung an 25 cm Durchmesser hatte. Das Material, aus dem
je verfertigt ist, ähnelt den hierortigen Gefässen vollkommen.

Ueber die Cranien von Bechlin..
Von nicht geringer Bedeutung für die Grabstätte
von Bechlin- erscheinen die: daselbst "aufgefundenen
Cranien. Ihr ausgesprochen dolichocephaler
Typus bewog mich, selbe einer genaueren Prüfung
anterziehen zu lassen, welcher Aufgabe sich mein
hochschätzbarster Freund, Herr Dr. J. Korzrnickt,
bereitwilligst unterzog. und mir; über dieselben folzende
 Mittheilung zukommen liess, die ich dankfüllt
 publieire:
Der Schädel Nr. I.
Von dem diesem Schädel zugehörigen Skelette, welches in
lem Grabe I ganz intact aufgefunden wurde, wurden nachstehende
 Stücke aufgehoben und untersucht:
a) von der Wirbelsäule: 6 Hals-, 9 Rücken-, alle
Lendenwirbel und der erste, noch nicht zusammengewachszene
 Kreuzwirbel.. Von dem fünften Lendenwirb el
iehlt der Bogen mit den beiden unteren Gelenkfortsätzen.
Dieses verloren gegangene Stück wurde gar nicht abgebrochen,
wohl aber im Grabe von den oberen Gelenkfortsätzen abgelöst.

{

Wie

{10

io. 62 «

Fig. 62 db. Fig. 65
/; natürlicher Grösse

Fig, 64

7. Ein Napf — Fig. 65 — von rohem grauen Thon. Seine
Höhe beträgt 4 cm; die Ausbauchung hat 6 und der Boden
53 cm Durchmesser.
. Ausser diesen: Fundobjecten fand man noch eine Masse
von verschiedenen Scherben, theils von feineren, mitunter
auch von schwarzgeglätteten Thongefässen, theils von groben
zrösseren Gefässen, von denen manche eine auffallende Achnlichkeit
 mit den Branik-Hodkovicker Urnen haben. Nicht ungerührt
 darf ich auch die in der nächsten Nachbarschaft
lieser Todtenstätte vorkommenden Steinhäm mer und
Steinmeissel lassen, die in und um Bechlin des Oefteren
zefunden werden; es scheint, dass diese mit der hier zu Tage
geförderten Cultur im Zusammenhange stehen. ;

mit welchen es durch eine anomale Symphyse verbunden
war, Was sich an den höckerigen und mit unversehrter Knochensubstanz
 überzogenen Oberflächen der Trennungsstellen deutich
 wahrnehmen lässt. — Die Knochensche iben auf den
Nirbelkörpern mussten unlängst erst mit dem Hauptstück
‚erwachsen gewesen sein.
b) Von den Beckenknochen ist der rechte intact, vom
inken jedoch ist das Schambein abgebrochen.
c) Von den langen Knochen der einzelnen Gliedmassen
ınd vorhanden: ;
1. Die beiden Schenkelbeine, von denen das linke
zanz ist (41°5 cm lang); am rechten fehlen die Condyli. An
len äusseren Knerren des linken Schenkelbeines sind noch
lie Spuren einer unlängst stattgefundenen Verwachsung mit
lem Mittelstück wahrnehmbar. Die auf den beiden Schenkel-‚einen
 überaus entwickelten Lineae asperae, Höcker
Rollhügel?) und andere Muskelansätzstellen beweisen
inen männlichen Körperbau,
' 2, Die beiden Schienbeine (jedes 34 cm lang), ebenfalls
mit unlängst verwachsenen Epiphysen, sind merklich platyknemisch
 (an dem Foramen nutritium das rechte
48/29 mm = 0:62, das linke !7/so mm = 0:56 messend). -
3, Die beiden Wadenbeine sind von gewöhnlicher
Gestalt (33 cm).

1) Einige wenige solcher ähnlicher Schüsseln, die in Böhmen
gefunden wurden, befinden sichim Böhm. Nationalmuseum
in Prag, eine andere aus dem Grabhügel von Lichuceves (bei
Prag) herrührende befindet sich im Eigenthume des Herrn v.
STRASSERN in Ruzin. Sonst kommen ähnliche auch in Böhmens
Nachbarländern gar selten vor, auch weichen sie in Malerei
and Form von einander ab, ohne jedoch ihren Hauptcharakter
zu verlieren. Mir sind selbe bis dato nur aus Brandgräbern
bekannt und kommen dieselben — so weit mein Gedächtniss
‚eicht — immer mit Asche gefüllt vor.
            
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