Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

T7

überwölbt, je circa 2 m lang (die Breite habe ich
nicht genau ermitteln können, doch konnte ich sie
approximativ auf 1 m schätzen). Der Länge nach
war das erste (I) vom zweiten (II) 1:5 m und dieses
vom dritten (III) 2 m entfernt angelegt. Von ihnen
rühren die folgenden Fundobjecte her:
1. Eine Henkelschale aus gelbbraunem Thon (Fig. 31), von
Aussen und von Innen aber schwarz und geglättet, 41 mm
hoch. Die Mündung hat 98 mm Durchmesser; die Wände
sind 4 mm stark. ;
2. Eine Henkelschale von grösserer Bauchung (Fig. 32)
aus gleicher Masse, jedoch nur auf der Aussenseite schwarz

Fig. 31

33.
‘ge,

Fig. 32.

1 natürl. Gr.

geglättet, 34 mm hoch, 64 mm Durchmesser und der Boden
ist in der Mitte nach Innen eingedrückt.
3. Henkelbecher (Fig. 33) aus gelblich grauem Thon, gut
gebrannt, mit 2:5 mm breiten verticalen Riffen; derselbe ist
50 mm hoch, in der Ausbauchung 65 mm breit. Es ist das
>ben erwähnte Töpfchen, welches mir Herr Muzıra geschenkt
ınd das bei dem Kopfe eines Skelettes gefunden wurde.
4. Ein 9 cm hohes Thongefäss (Fig. 34) von graugelblicher
Tarbe und von einer groben Handarbeit (das einzige dieser

Yig, 34 2 nat. Gr.

Art hier eruirte Exemplar), in Folge welcher seine Dicke sehr
ungleich erscheint. Selbes ist mit 8 ungleichförmigen Henkeln
versehen, die an dem Halse ebenfalls in ungleicher Entfernung
von einander angebracht sind, so dass das Ganze den Ein-Iruck
 von auffallender Primitivität macht.
5. Ein runder, glatter Bronze-Armring ‚mit hakenförmigem
 Schluss, von 3 mm Stärke, die jedoch an den Enden
um einen halben Millimeter abnimmt. Beim Ausgraben ward
er von den Arbeitern absichtlich zerbrochen und theilweise
zerbröckelt.

6. Ein Bruchstück eines anderen Armringes von Bronze,
3'5 mm stark, aber in Absätzen von 20 zu 20 cm mit feinen
Riffeln versehen !).
Das Grab Nr. IV war unter allen an Inhalt
las reichste. Als ich die Stätte besuchte, war es
lurch die Anlage des Bahngrabens zur Hälfte herıbgerutscht,
 da der sandige Boden keinen Halt bot.
Von den mit herabgerutschten 6 Gefässen waren
nur noch Scherben, wie es sich erwies, von längst
zerquetschten Gefässen vorhanden. Auch die übrigen
5, die ich nachher aus dem Grabe gehoben habe,
waren von der Last des auf ihnen liegenden Gesteines
 längst zerdrückt. Ueberdies waren sie noch
mit vermoderten Knochensplittern vermischt. Dieses
Grab bestand aus einer Steinkammer, ‚die den Leichnam
 und die Beigaben vollkommen deckte. Es hatte
im Lichten eine Länge von 18 m, eine Breite von
L m und war an 60 cm hoch. Die umschliessende
Steinlage betrug circa 20 cm. (Siehe den Grundriss
und den Durchschnitt Fig. 30.)
An der Kopfseite und an der linken Hand fanden
ıich Spuren von Feuer, das oberhalb der Steinwölyung
 angemacht worden sein musste, denn nicht
los die Steine waren von der Feuergluth zersprengt
ind war ein hier befindlicher Conglomeratblock völlig
‚erbröckelt, sondern auch die Masse von Asche
>berhalb und die vom Feuer ergriffene linke Hand
ım Inneren des Grabes deuteten auf das Todtenfeuer.
welches auf dem frischen Grabe gebrannt hatte.
Trotz meiner sorgfältigsten Anstrengung, den Schädel
ınd andere Gebeine unversehrt zu heben, ist mir
weder das eine noch das andere gelungen; die
Knochen zerfielen unter der Hand in förmlichen
Staub und nur mit knapper Noth habe ich ein
Stück der Kinnlade, welches ganz von KEdelrost
angelaufen war, sowie auch einige andere Stücke
vom Schädel und anderem Gebein heben und conserviren
 können. — Es dürfte wohl der lockere

1) Von den hier angeführten Gegenständen sind mir Nr. 1,
2, 5 und 6 vom Herrn Ingenieur Jos. Muzıza durch die Güte
les Herrn SıGMUND GRAFEN V. PoTuLICcKı übermittelt worden.
Nr. 4 befindet sich in den Sammlungen der böhm. Töchterchule
 am Smichow und wurde mir vom Herrn J. KonensKr
ur Zeichnung überlassen, wofür ich allen diesen Herren so
vie auch dem Herrn Em. Muzıra hierarts den pflichtschulligen
 Dank erstatte.
Ausser diesen Gegenständen wurden hier noch andere
tefässe, wie Schüsseln, Töpfe u, dgl. ausgegraben, aber sofort
‚erschlagen. Auch soll hier ein goldener Gegenstand aufge-‘unden
 worden sein; allein trotz meines Bemühens ist es mir
ıicht gelungen, desselben ansichtig zu werden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.