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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

n seiner Abhandlung „über Art und Race des
zahmen Rindes“ (Archiv f. Anthrop. 2. Heft,
Braunschweig 1866, S. 247): „Es frägt sich, ob
nicht das in Bezug auf seine früheren Bewohner uns
so fremde Land, das noch heutzutage das Brachycerosvieh
 in charakteristischeren Individuen als irgend ein
anderes beherbergt, Afrika, dereinst auch als
Heimat der ältesten europäischen Culturform
 des Rindes sich herausstellen möchte“;
dann ein zweites Mal (S. 163 der II. Abthl. seines
berühmten Buches über „die natürliche Geschichte
 des Rindes“ (Basel 1867): „Ich weiss
heute keine Stelle zu nennen, wo das Braunvieh
seinen Vorfahren des‘ Steinalters treuer geblieben
wäre als Nordafrika“ und er schliesst dieses vorzügliche
 Werk (S. 169) mit den Worten: „Weitere
Untersuchungen über den Ursprung unseres Braunviehes
 dürften daher vielleicht den meisten Erfolg
versprechen, wenn sie sich zunächst mit dem grossen
Nachbar-Continente (darunter meint er wieder Afrika)
richten würden, der in seiner zahmen Thierwelt uns
noch weit unbekannter als in seiner wilden, bekanntlich
 seit alter Zeit mit letzterer den Süden unseres
Festlandes in einem Grade bevölkert hat, der die
breite Wasserstrasse, welche heute die beiden Länder
trennt, in keiner Weise als Schranke bezeichnen
lässt.“
Ausser Rürmeyer gelangte Prof. PAGENSTECHER
ın Heidelberg und gleichzeitig mit diesem Dr. A. v.
FranTtzius in Freiburg im B. dahin, Afrika ernstlich
für den Ursprung des Hausrindes in Betracht zu
ziehen *).
FranTzıius betont insbesondere auch die Verdienste
der Neger um die Viehzucht in gebührender Weise,
ja er erklärt sie geradezu als die „ersten Zähmer
des Rindes“ und weist speciell darauf hin, dass
Nubien sich noch heute durch einen kaum glaublichen
 Reichthum an Rindern auszeichnet und
Aegypten „wie ehemals mit dem nöthigen Bedarf
an Rindern versorgt“, Nicht minder hält er dafür,
dass die noch gegenwärtig in Aegypten lebenden
Racen vielen Aufschluss geben dürften über die
Frage nach der (theilweisen) Urheimat unseres europäischen
 Hausrindes und. wie ich anfüge, damit

1) Dr. A. PAGENsTECHER : „Studien zum Ursprung des Rindes
mit einer Beschreibung der fossilen Rinderreste des Heidelverger
 Museums“ in „FümnLıne’s landw. Ztg.“, XXVII. Jahrg.,
1878, Heft 1—3. — Dr. A. v. Frantzius: „Die Urheimat des
zuropäischen Hausrindes“ im 10. Bande des „Archiv für
\nthronologie“. Braunschweig 1877. SS. 129—137.

ngleich auch nach der Urheimat der betreffenden
7ölkerschaften, in deren Eigenthum und steter Beleitung
 wir uns diese Rindertypen zu denken haben.
Nun zu den „Duxern“. Gleich eingangs dieser
Studie wurde hervorgehoben, dass die in dem grössten
Cheile der Zillerthaler Hochgebirgsgruppe in Tirol
unheimische „Duxerrace“ (respective deren beide
nauptsächliche Parallelschläge im Zillerthale und im
ınteren Pusterthale) mit der alten Stammrace des
WNallıs identisch sei. Ich habe dieses im weiteren Veraufe
 der vorliegenden Skizze wiederholt betont und
laher eigentlich nur mehr festzustellen, dass die
„Duxer“ aus dem Wallis abstammen und sohin nicht, wie
lie Walliserrace selbst, ein seit den urältesten Zeiten
ingeborener, sondern ein erst in historischer Periode
ngewanderter Hornviehtypus sind. Für den letz-;eren
 Nachweis gibt es freilich weder in der Geschichte
aoch in der Tradition Anhaltspunkte und auch die
Anthropologie und Sprachforschung haben hinsichtlich
 der Bewohner jener Gegenden auf besondere
Krscheinungen noch nicht aufmerksam gemacht. Ich
nuss mich daher auf meine eigenen Wahrnehmungen
ınd auf das Wenige berufen, was ich von verlässlichen
ewährsmännern in Erfahrung bringen konnte ?).
Vor Allem habe ich das Verbreitungsgebiet der
Duxerrace zu begrenzen und vorauszuschicken, dass
Jasselbe bis vor wenigen Decennien mehr wie doppelt
3o gross war als gegenwärtig. Noch am Ende des
vorigen und zu Anfang unseres Jahrhunderts war
Jas Hornvieh dieses Schlages im grössten Theile des

1) Zwar hat Dr. LuDwıe Steus in seinem 1846 in erster
Auflage erschienenen Buche: „Drei Sommer in Tirol“, im
XIV. Capitel, welches die 1842 und 1844 durch Wippthal,
3chmirn und Dux gemachten Wanderungen schildert, die
‚Sonderphysiognomie des Duxthales in Tracht, Sprache und
‚ebensweise“ constatirt, sowie beigefügt, dass der Wuchs der
Ühalleute „durchschnittlich um ein Gutes niederer als im
Zillerthal, aber stark und stämmig ist“, (Ich citire nach der
2. Auflage (Stuttgart 1871, Bd. I, S. 187 und 198.) Doch
ässt Dr. Stzus den Schlag „durchaus germanischen Ansehens“
jein, dem ich so wenig beipflichten kann, als den „blonden
‘Ocken“, mit denen er die männliche Jugend „fast alle zierich
 bekränzt“. Allerdings erzählt Srzusß hauptsächlich von
‚annersbach oder Vorderdux, also von jener Thalfraction,
nit welcher Hinterdux erst in allerneuester Zeit zu
xiner Gemeinde vereinigt wurde. Lannersbach hatte stets zum
Zeller Gerichte gehört und war seiner Zeit vom Unterinn- und
Vorderzillerthal aus besiedelt und demzufolge auch mit denjelben
 „blonden Germanen bojuvarischen Stammes“ besetzt
vorden, welche sich in den Tagen der Völkerwanderung am
ınteren Inn festgesetzt haben. Die Hinter- oder „Wilden“-Duxer
 dagegen waren von Schmirn herübergedrungen, über
lessen Volksschlag Dr. Steve sich nicht änsserte.
            
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