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nicht unerhebliche Stütze für das in Bezug auf das
sinstmalige Uebergreifen der rhätischen Westgrenze
in das obere Wallis bis herab nach Brieg und Leuk
“einschliesslich des Simplon und Gemmipasses) Gesagte,
darf ich das noch gegenwärtige Vorhandensein
"häto-etruskischen Grauviehes in Mischung mit ligurisch-keltischem
Braunvieh lepontischer Provenienz,
untermengt mit den Formen und Farben des alemannischen
und burgundischen Germanenrindes, ausdrücklich
versichern *).
Es ist eine hinreichend verbürgte und durch
Forscher, wie Beremann, A. Sonorr, L. Steus uud
v. Pranta urkundlich aufgeschlossene Thatsache,
lass im 13. und 14. Jahrhundert an verschiedenen
Punkten der Ostschweiz und in Vorarlberg Niederlassungen
„freier Walliser“ gegründet worden sind.
Diese mittelalterlichen Colonisten aus dem Wallis
werden insgemein als „deutschredende Burgunder“
declarirt und angenommen, dass sie vornehmlich aus
Yberwallis ausgewandert seien. Dem steht nun entgegen,
dass die alt-burgundische Volks- und Sprachgrenze
in der ganzen Schweiz und daher auch im
Wallis mit der heutigen französisch-deutschen Sprachscheide
zusammenfällt (im Rhonegebiet läuft sie von
Siders und Pfin aus mitten durch das Einfischthal),
ferner dass das Oberwalliser- oder Gombserdeutsch
entschieden alemannisch ist und endlich, dass überall,
wo Walsercolonien in Graubünden und Vorarlberg
stellung des pöninischen Thales. Auch spricht dafür, dass
der ganze pöninische Complex anfänglich vom Statthalter
Rhätiens verwaltet worden ist, welchem man von seinem
Amtssitz in Augsburg aus schwerlich die Inspection des Wallis
überantwortet hätte, wenn er nicht ohnehin schon im Oberthal
(Gombs) Administrator gewesen wäre.
1) Für den Uneingeweihten diene die Bemerkung, dass
die morphologischen und überhaupt äusseren Kennzeichen
der einzelnen Grundracen des Hausrindes weit deutlicher
von einander unterschieden werden können, als die ethno-‚ogischen
Charaktere aller der Völkerstämme, welche zu verschiedenen
‘Zeiten in den einzelnen Gebieten sich niedergelassen
haben. Deshalb sind auch selbst ziemlich complexe
Racen-Kreuzungen in ihre Einzeln-Gemengtheile leichter aufzulösen,
als Typenmischungen des Menschen. Dazu kommt,
dass innerhalb der Generationenreihe verschiedener Mischzeschlechter
beim Hornvieh regelmässig mehr oder minder
zahlreich Individuen auftreten, welche den einzelnen Stammc:ypen
vollständig nacharten (Atavismus), wodurch die Mögichkeit
und Zuverlässigkeit solcher Analysen ungemein ge-‘ördert
wird. Ausserdem gewährt die Vergleichung der nach
zanz bestimmten Gesetzen zu Stande kommenden Abtönung,
Schattirung und Zeichenvertheilung der Körperfarbe sowohl für
lie unmittelbare Bonitirung als für den Rückschluss auf die
hetheilieten Typen ein sehr zuverlässiges Beurtheilungsmittel
’estehen, im Hornviehschlage die Einwirkung der
jesprochenen charakteristischen alten „Walliserrace“
Ylatz gegriffen hat’), welche, wie ebenfalls bereits
ıachgewiesen wurde, ihren einstigen, wie gegenvärtigen
Stammbezirk nur im mittleren Rhonethal
ınd dessen südlichen Verzweigungen, und zwar zu
ıngefähr gleichen Theilen im französischen (beziehentch
sedunisch-burgundischen) und deutschen (bezieungsweise
viberisch - alemannischen) Antheile des
nittleren Kreises des Cantons besitzt.
Es handelt sich für uns indess nicht um die
Intscheidung, ob die nach Graubünden und in’s
Vorarlbergische versetzten Walliser Hirten allesammt
leutsch und namentlich alle einen rein burgundischen
Dialect gesprochen haben *), sondern um Folgendes:
Wo immer in den damaligen Zeiten „Walser“
n fremde Gegenden übersiedelten, nahmen sie aus
hrer Heimat den Cultus des heiligen Theodul oder
5t. Jodok mit sich %). Theodul war der erste bleibende
3ischof von Wallis, welcher von 349—391 in Sitten
Sion, Sedunum) lebte und einen grossen Theil der
‚Ungläubigen und Wilden *)“ christianisirt hat. In
lessen Legende findet sich nun die Erzählung, Theolul
habe einmal dem Teufel befohlen, ihn mit einer
*locke von Rom (oder Aquileia) nach Sitten zu
ragen. .So wenigstens berichtet der älteste Legendenschreiber
des heiligen Theodul: Rvonsertus, welcher
[491 die natürlich schon aus den früheren Jahr-1underten
stammende Tradition aufzeichnete. aus
') Ich habe diesen Sachverhalt in meiner mehrerwähnten
Abhandlung über die geschichtliche Entwicklung der Rinderracen
(S. 22—25) und neuerlich in einem in Chur gehal-;‚enen
Vortrage (im Auszuge veröffentlicht im 11. Hefte der
‚Schweiz. landw. Zeitschrift“, Aarau 1883. 5. 533—542) des
Väheren erörtert.
2) Vgl. übrigens hierüber die Zweifel Prof. Dr. H. J.
3IDERMANN’S in dem ausgezeichneten Werke: „Die Romaneı
and ihre Verbreitung in Oesterreich“, Graz 1877, S. 68, wo
zuch eine Stelle aus einer Churer Kirchengeschichte von 1771
ıbgedruckt ist, in welcher ich soeben beim nochmaligen Durch-'esen
auf den Passus stosse, dass die aus Wallis stammenden
chur-) rhäfischen Genossen von den .Vallesjis seu Viberis“
ıbstammen sollen!
3) Siehe bei J. Beraxann: „Untersuchungen über die freien
Nalliser oder Walser in Graubünden und Vorarlberg“ im
Viener Jahrbuch der Literatur, Bd, 105—-108, 1844; auch in
Izınrıca NoE’s „Deutsche Alpen“, westlicher Theil (MEYEr’s
leisebücher) Leipzig 1877, S. 332. — Ich selbst fand den
st. Jodocus als Hauptheiligen in Vorarlberg in den Pfarrcirchen.
von Bezau (Bregenzerwald), Mittelberg (Klein-Walserhal)
und Schruns (Montavon), dann als zweiten Kirchenpatron
n Ragall (Gross-Walserthal).
+) FuRker, a. a. O0. Bd. IL S. 221.