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In Lermoos, St. Jacob, St. Valentin sind auch
die letztgenannten Typen die für die Ossuarien bezeichnenden
Schädelformen, die Verbreitung derselben
ist jedoch derart, dass der hyperbrachycephale
Typus den brachycephalen weit an Ausdehnung
übertrifft (71:8°/, zu 278%).
In Münster (Taufererthal, Schweiz) ist nur der
brachycephale Typus vorhanden.
Der hyperbrachycephale Typus stimmt mit dem
von Hıs für die Schweiz gefundenen Disentis-Typus
überein und bis auf letztgenannten Forscher, der
len Typus für den der Alemannen hielt, neigen die
anderen Forscher zu der Anschauung hin, er repräsentire
die eigentliche rhätische Form. Man nimmt
an, die Rhäto-Romanen seien nach dem Aufhören
ler Herrschaft Roms — bis auf einen Theil, die
heutigen Ladiner, die urrhätisch geblieben — durch
Kreuzung, ich aber glaube theils auch durch Germanisation
in den das Land erobernden Germanen
aufgegangen.
Mag die Provenienz der Hyperbrachycephalen
noch so dunkel sein, mehr als wahrscheinlich ist,
lass die langköpfigen Germanen in Tirol eine wahrscheinlich
dunkelhaarige, jedenfalls aber sehr breitköpfige
Rasse antrafen, die sie theils einfach germanisirten,
theils in sich aufnahmen, und deren physzischer
Charakter noch heute fortbesteht. Die den
Ladinern gleichenden übrigen Brachycephalen des
Landes beweisen, dass ein der germanischen und
abenso der slavischen Form fremder Typus. sich bis
zuf den heutigen Tag siegreich behauptet habe, und
lies ist wieder ein Beweis, wie zäh die Natur bei all’
ihrem plastischen Vermögen an einmal geschaffenen
Formen festhält.
Noch dunkler als die Abstammung der Hyperbrachycephalen
ist die der Brachycephalen:; dabei
aabe ich nur die typische Form im Auge und sehe
von den weniger typischen brachycephalen Gruppen,
lie sich bezüglich der Form auf der einen Seite der
Mesocephalie, auf der anderen der Hyperbrachycephalie
nähern und Spielarten oder Mischformen dieser darstellen,
ganz ab 2).
1) Herr TAPPEINER Sagt in seiner sonst verdienstvollen
Arbeit S. 33, es sei zum Staunen: aus der Mischung der
orachycephalen Rhäto-Romanen und der dolichoiden Bajuvaren
sei eine Bevölkerung herangewachsen, welche noch viel
)rachycephaler ist als die Rhäto-Romanen.,
Entweder ist die Präposition unrichtig, dass sich ein
lolichoides Volk mit den brachycephalen Rhäto-Romanen gemischt
habe und wir in der gegenwärtigen Bevölkerung des
Jtenthales das Resultat dieser Mischung vor uns haben,
Aehnliche Formen wie in Tirol kommen auch
n Vorarlberg vor, und es ist Aufgabe fernerer For-‘der
es ist die Schlussfolgerung unrichtig, dass die aus der
Tischung hervorgegangene Bevölkerung brachycephaler ist,
‚der aber wir müssten uns vorstellen, es habe unter den
\häto- Romanen eine derartige Tendenz zum Brachycephaismus
geherrscht, dass die dolichoide Beimischung nicht
inmal im Stande war, sie ganz einzudämmen.
Sehen wir uns die Verhältnisse, wie sie in den Tabellen
edergelegt sind, einmal an; worauf gründet Herr TAPPEINER
eine Schlussfolgerungen beispielsweise bezüglich des Ultenhales
?
Da haben wir 473%, der gemessenen Schädel brachyephal
im Ultenthale (Tab. IX) und 442%, d&r gemessenen
Schädel brachycephal unter den Ladinern (Tab. III). Woraus
‚onstruiren sich diese Percentzahlen? Stellen wir sie nach
ndices geordnet nebeneinander :
Ultenthal
12%
Index 85—85:9
86—86'9
87—87:9
88—88'9
89—89 ©
90—90'9 .
über 90
Ladiner
10:9%,
1
8:6 ,
4'3
32
>.4 5
7
44'290
A
Anmma. 47.
Worauf gründet sich das Uebergewicht der Ladiner an
3rachycephalen? Sehen wir ein gleichmässiges Ueberwiegen?
)urchaus nicht!
Von den Schädeln mit Index 85 und 86 können wir ganz
bsehen, denn hier ist die Differenz nur wenige Zehntelrocent;
bei den anderen noch mehr Brachycephalen aber
st das Uebergewicht bald auf der einen, bald auf der anderen
jeite, mit dem Index 87 und 90 prävaliren die Ladiner, mit
em Index 88, 89 und über 91 die Ultenthaler. Eine solch
‘in- und herspringende Reihe ist nicht dazu geeignet, daraus
chlussfolgerungen zu ziehen. Ja würde, wenn auch nur um
un ganz Geringes, aber stetig, die eine Reihe prävaliren,
{ann wären die Schlussfolgerungen des Herrn TAPPEINER
‚erechtfertigt; so aber erlauben sie keinen Schluss und beveisen
nur, dass die Untersuchungen viel zu wenig umfangeich
sind, um zu Resultaten geführt zu haben.
Herr TAprzıner vergleicht S. 34 die Eisackthaler mit den
„‚adinern und findet die ersteren trotz allerlei dolichoider
Zeimischung entschieden brachycephaler wie die letzteren:
rergleichen wir, rechnen wir nach:
Index
91,
8:9 ,
64 ,
4°9 ,
2:8
6°2 ,
Summa . 442% 489° /a
Wo rühren hier die 47% WUebergewicht her? Fast
ausschliesslich von den im Ganzen 30 Schädeln im
A Or...
D—
“nr
Ladiner
10°9%
Eisackthaler
10:60