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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

Augenbrauenbogen ziemlich stark, in der Mitte zu
äinem starken Nasenwulst zusammenfliessend.
Der Scheitelbogen von den Stirnhöckern bis zu
den Scheitelhöckern langsam ansteigend und dann ziemlich
 rasch abfallend.
Hinterhauptsloch weit nach hinten gestellt.
Grösste Länge 180 mm., grösste Breite 153 mm.,
also Längenbreitenindex 85:0.
Ganze Höhe Vırcnow 137 mm., also Längenhöhenindex
 76°1.
Mastoidalbreite an den Spitzen 114 mm., Hilfs-Ihrhöhe
 116 mm., Capacität (mit Schrott gemessen)
1400 Kem., Horizontalumfang 520 mm.
Der Schädel ist hyperbrachycephal und hypsicephal
and entspricht ganz dem Typus der heutigen Grödner
ınd Ladiner überhaupt.
Ueber die Attribute der Meso- und Brachycephalen
irols erfahren wir aus der Lectüre des TArPEINERschen
 Werkes so viel wie nichts, und wenn man
bedenkt, dass Schädel mit gleichen Breitenindices
loch verschiedener Form sein können, so hoffe ich
auf keinen Widerspruch zu stossen, wenn ich an dem
Buche die Unterlassung von Beschreibungen tadle ’).

» Schon öfter wurde auf das Mangelhafte einer solchen
Methodik hingewiesen, wie wir aber sehen vergebens, daher
°ch, trotzdem mich diese Erörterung vom Gegenstande des
Jerichtes ablenkt, es als eine Pflicht erachte, nochmals auf
diese Sache einzugehen.
Mit dem Messen von Schädeln und der Berechnung ihrer
ındices ist nicht viel gethan. Aus den vielen, mit grossem
Aufwande von Zeit und Mühe zusammengestellten Zahlenvceihen,
 wie sie z. B. das Werk TArrzıyer’s enthält, erfahren
wir blos Einiges über die Statistik der drei Grundformen
les Schädels, nicht aber über das Wesentlichste, nämlich über
lie eigentliche Form der Dolicho-, Meso- und Brachycephalen;
ja es ist nicht einmal, einige Gräberbefunde ausgenommen,
s»ıne Orientirung über die Grössenverhältnisse der Schädel
möglich, weil es an einem Verzeichnisse der Cardinalnaasse
 mangelt.
Wir verlangen aher von craniologischen Untersuchungen
mehr als Indices, und zwar:
a) Mit genauer Sorgfalt sind pathologische Fälle auszuscheiden.

b) Die weiblichen Schädel sollen von den männlichen
zesondert und für sich betrachtet werden. Ich weiss wohl,
dass dies in einzelnen Fällen (Uebergangsformen) nicht leicht
der gar nicht möglich ist; aber den typisch weiblichen
Schädel zu erkennen, fällt keinem Anatomen schwer, der sich
längere Zeit mit Schädelstudien beschäftigte, Uebung macht
uch hier den Meister.
c) Ferner dürfen die Schädel nicht einfach der Reihe
aach gemessen und, wie dies so häufig geschieht, nach steizendem
 Index geordnet werden, sondern vor Allem sind
;ypische Formen auszusuchen, und jede solche ist für sich
zu messen, zu beschreiben und ihre Indices sind für sich
;abellarisch zu verzeichnen. Es geht nicht an, wie dies in
Nodernen craniologischen Werken oft wiederkehrt, aus einer

Einzig der hyperbrachycephale Typus der Tiroler-Schädel
 wurde durch die oben wiedergegebene Beschreibung
 einigermassen charakterisirt.
Was nun meine eigenen Erfahrungen betrifft, so
argab die Untersuchung der mit Hoi. gemeinsam
lurchforschten Beinhäuser in Lanersbach und Tisens !)

zeihe von Indices, die z. B. mit 72 beginnt und mit 95
:chliesst, ein Mittel zu ziehen und zu sagen, die Leute
lieser oder jener Localität seien brachycephal oder meso-»ephal.
 Aus zwei nebeneinander vorkommenden Typen, und
nag die eine auch nur einen kleinen Bruchtheil der Bevölkeung
 ausmachen, kann man keinen Mitteltypus fabriciren;
;bensowenig man von zwei Personen, von welchen die eine
7, die andere 16 Jahre alt ist, aussagen darf, sie seien im
Tittel 9 Jahre alt. Neben der Tabelle aber, die die Maasse
ı1ach den Typen geordnet enthält, kann immerhin eine
‚weite über die Verbreitung der Schädel nach Indices gestellt
verden,
Wir brauchen gute Beschreibungen; man sehe doch, was
ILUMENBACH mit seiner Beschreibung für die Erkenntniss der
kassenschädel geleistet hat, und man wird die Schilderung
ler Typen nicht so vernachlässigen, wie dies jetzt häufig geıchieht.
 Mit einer guten Beschreibung der Formen und Anabe
 über die Verbreitung derselben ist mehr gethan, als
nit endlosen Zahlenreihen, aus denen man höchstens erfährt,
vie viele von den gemessenen Schädeln dolicho-, meso- oder
-rachycephal gewesen.
Woliten wir die Form wieder aus Zahlen erschliessen,
der gar nach diesen bildlich construiren, dann müssten die
Ziffernreihen wesentlich vermehrt werden.
Es darf ferners nicht ausser Acht gelassen werden, dass
ıs verschieden geformte Dolichocephale und Brachycephale gibt.
die Grönländer, Hindus und Australneger sind dolichocephal,
'epräsentiren aber ebensoviele Typen, und Aehnliches gilt
ür die brachycephalen Rassen. Ch. Azsy (die Schädelformen
les Menschen und des Affen. Leipzig 1867), der die Formen
aicht nach der Dolichocephalie und Brachycephalie, sondern
1ach Stenocephalie und Eurycephalie gruppirt, hat sicherlich
such Recht. Es kann ein Schädel schmal und kurz, lang
ınd breit sein.
Der Reihengräbertypus zeigt dolichocephale Stenocephalie,
ler Siontypus dolichocephale Mesocephalie, der Czechen-‘chädel
 ist ein dolichocephaler und der Südslave ein brachyephaler
 Eurycephalus, Hieraus ist im Uebrigen ersichtlich,
lass, abgesehen vom Breitenindex, auf den Langbau des
ichädels viel ankommt.
Noch Eines. Der Breitenindex beurtheilt die Norma verüicaliıs
 nur nach dem Verhalten der Länge zu einer be-;timmten
 Querebene, aber über die Gestalt des Schädels vor
ınd hinter dieser Ebene gibt der Breitenindex keinen Auf-‚chluss.
 Es wäre nun schon an der Zeit, neben dem gewöhnichen
 Breitenindex zum Mindesten noch einen zweiten,
‘ämlich den grössten Stirnbreitenindex stets zu verzeichnen.
Tiedurch erhielten wir eine Verhältnisszahl, welche zur Charakeristik
 der Norma verticalis wesentlich beitragen würde.
1) In Tisens nach TArrsıner 15% Dol., 10:9 M., 40:8 Br.
.7°3 Hynerbr.
            
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