zewandert (S. 26, 29, 30, 34, 37, 38, 49). Im zweiten
Jahrhunderte n. Chr. kehren sich die Markomannen,
von germanischen und slavischen Völkern bedrängt,
nach Südost und führen dort, mit „Quaden, Vandalen
und Sarmaten“ vereint, den fünfzehnjährigen Angriffsund
— wie die Abhandlung sagt — Eroberungssrieg
wider die Römer (S. 26, 33, 38, 39, 50).
Allein schon im folgenden 3. Jahrhunderte nach
Christus richten sie, von den Vandalen, welchen sie
Niederösterreich und Südböhmen einräumen mussten,
gedrückt, im Bunde mit „Alamannen und Juthungen“
ihren Angriff nach Südwest gegen das römische
Vindelicien und Rhätien und dringen sogar bis
nach Oberitalien vor. „Theile der Oberpfalz und des
oajerischen Waldes bleiben seither in ihrem Besitze.“
"S. 26, 39, 40.)
Vierte Wanderung.
Von den „Langobarden“ und nachrückenden
Slaven gedrängt, verlassen die Markomannen schliesslich
in der Zeit vom Anfang bis Mitte des 6. Jahrhunderts
n. Chr. nach mehrhundertjährigem Aufenthalte
in Böhmen*), wo sie sich zum eigen.
artigen Volksstamme entfaltet und auszebildet
hatten, diese ihre Heimat abermals und
für immer, und wandern „im Vereine mit einzelnen
suebischen Colonistenschaaren“ über den Böhmerund
Baierwald in die herrenlosen, entvölkerten
und menschenleeren südwestlichen
Donaulande, ihren jetzigen Wohnsitz
ein (S. 27, 38, 43—46, 51). Sie werden von
nun an in der Abhandlung als „Markomannen-Bajuwaren“
bezeichnet. In die von ihnen verlassenen
Länder rücken sodann um die Mitte des 6. Jahraunderts
n. Chr. die Czechen nach (S. 43, 44).
Den Grund dieser stetigen Wanderungen des Volkes
findet die Abhandlung in der Kriegs-, Wander- und
Beutelust der „nomadisirenden Sueben“, in
ihrer Uebervölkerung und dem Drucke der Nachbarvölker;
den Grund zur Aenderung ihres Namens von
Markomannen in Bajuwaren in dem Umstande, dass
ler erstere vielleicht niemals officiell gebraucht
worden sei (S. 27—33, 38, 47).
Als ein Hauptbeweis für die Einwanderung der
„Markomannen-Bajuwaren“ über den Böhmer- und
Baierwald wird angeführt, dass die Reihenı)
Wie der Verfasser beifügt, als ein zahlreiches Volk
bis zu einer halben Million Menschen (S. 44 u. Anm. 8. 76)!
Nach Anderen sollen es gar nur Hunderttausend gewesen
sein.
‚'räber in Baiern einem germanischen Stamme
ıngehören und dass die neuesten Schädelmessungen
in der Richtung von Chammünster im nördichen
Baiern gegen das bairische Innthal und bis
zum Ritten eine stetige Zunahme der Kurzköpfigkeit
ıufweisen. Doch soll sich dieser Process, welcher
zus der Mischung des Volkes mit Slaven und Romanen
erklärt wird, erst auf bairischem Boden vollzogen
haben (S. 46, 47).
In die Untersuchung über Namen, Heimat und
Wanderung der Markomannen wird die seit Zeuss
nelerörterte Frage über Namen und Lage jener Gezenden
eingeflochten, welche von den „Langobarden“
auf ihrem Wanderzuge aus dem Norden berührt
worden sind — Mauringa, Golanda, Anthaib,
Banthaib, Burgundhaib und das Land der
Beowinidi. Die Abhandlung folgt darin der Anücht
MüLLEenNHOoFF’s, dass Mauring-a, Maurung-ani,
las Land der Marving-i, das Myrging-aland des Beowulf
und der pagus Morang-anus am Harze gelegen
jei und dass diese Namen einen und denselben Landıtrich
bedeuten; sie geht jedoch über diese Gleichstellung
MüLLENHOFF’S noch hinaus, indem ausser
liesen Namen auch noch der Name Marciana (Silva,
Schwarzwald) mit dem Namen Markomannen zu-‚ammengehalten,
und dieselben sammt und sonders
uf den Wortstamm Marca, gothisch Grenze zurückxeführt
werden. Markinge oder Markingas
soll daher der ursprüngliche deutsche Name des
Volkes, der Name Markomannen aber eine gallische,
len Römern überlieferte Wortbildung sein!
Mauringa an Harz, Saale und Mittel->lbe
wird sohin als die ursprüngliche Heimat
ler Markinge erklärt (S. 35—837, 42)'). Auch
n der Deutung von Banthaib folgt die Abhandlung
ler Ansicht MürLennorFF’s, dass es verdorben sei
statt Bajnaib, Bajina aib (Bajas, Bojorum Regio,
3ojohemum). Damit stimme die Nachricht des Chroaicon
Gothanum, dass die Langobarden auf ihrem
Zug in das Gebiet der Beowinidi (Wenden in Bajas)}.
*) Ich vermag nicht einzusehen, dass Marking eine
bessere, oder aber eine deutsche Bezeichnung wäre, welche
sich in dem Wortsinne vom Namen Markmann unterschiede,
Die Abhandlung hält den Namen „Markomannen“ selbst für
/Jleichbedeutend mit Mark- oder Grenzmänner; in diesem
"alle hat aber Marcomannus ganz denselben Sinn wie Marking
ınd ist die einfachste Latinisirung des Namens Markmann,
lie es geben kann. Warum also hinter dem Namen Marknannen,
dessen eine und andere Hälfte nicht deutschthümicher
sein könnte, gallische Herkunft: und Ueherlieferung
1nchen?