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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 3=13.1883

Zeit drei Rivalen gegenübergestellt worden. Durch die Türken
ler Schalk Nasreddin (HodZa Nasarajdin), durch die Griechen
Jer Schalk Aesop, der aber ganz in Coso aufgegangen ist,
und dann Till, der im vorigen Jahrhundert durch die Ueberarbeitung
 eines Mönches unter dem Namen Petar Kerempuh
zeinen Einzug im Süden gehalten und sich dauernd unter
den Slaven eingebürgert hat. Die Ueberlieferung im Volke
gibt uns die zuverlässigsten Anhaltspunkte über die Verbreitung
 der drei genannten importirten Schalke. HodzZa
Nasarajdin ist fast ausschliesslich dort zu Hause, wo die
Türken festen Fuss im Volksthume gefasst haben, also in
Bosnien und der Hercegovina. Vrgl. „Bosanske narodne prijovjedke“.
 U Sisku 1870. („Bosnische Volksmärchen.“ Sissek,
1870), p. 25—38: „Nasarajdın odZa postao kadijom“ (N. h.
wird Kadi); p. 56—60 und p. 80—84. Wo Nasarajdin zum
Helden jenes bekannten Märchens gemacht wird, in welchem
ler arme Mann durch List allen Schabernack, den ihm seine
Nachbarn spielen, zu seinem Glück zu wenden weiss und
schliesslich, als man ihn in einen Sack bindet, um ihn in
len Fluss zu werfen, er einen vorübergehenden Viehtreiber
beschwätzt, für ihn in den Sack zu kriechen. Als Nasarajdin
mit der Heerde nach Hause kommt, erzählt er, er habe die
Heerde aus dem Fluss herausgeholt, worauf alle Dorfbewohner
'n’s Wasser springen und elend umkommen. (Vrgl. SCHLEICHER,
Lithauische M.: Vom Bauer, der ein grosser Schelm war.)
Zine weitere Reihe von Streichen des Nasarajdin finden sich
n den verschiedenen Jahrgängen der Ragusaer Zeitschrift
„Slovinac“, in dieser Fundgrube für Nachrichten aus dem
‚üdslavischen Volksleben. In eben dieser Zeitschrift war auch
voriges Jahr zum erstenmal vorliegendes Büchlein publicirt
worden. Es ist im Grunde nichts Anderes, als eine neue
Auflage der bekannten Lebensgeschichte Aesops, die im
12, Jahrhundert von einem Byzantiner zusammengestellt
wurde. Es unterliegt aber keinem Zweifel, dass VurxAsovıc
aus dem Volksmunde direct seine Fassungen empfangen. Zu
tadeln ist nur, dass er sich, ich weiss nicht recht wodurch,
dazu verleiten liess, die sonst durch ihre Schmucklosigkeit
‚echt gefällige Darstellung durch einige gelehrte Fälschungen
zu entstellen. So lässt er auf S. 6 Leute den Coso beschwören,
ar möge ihnen um des DaZdbogs willen den rechten Weg
zeigen. Einen DaZdbog kannten weder die Südslaven, noch
lie Slaven überhaupt jemals. Es ist dies der noch jetzt gebräuchliche
 Ausruf „daj bog“ oder „daj boZe“ (gib Gott)!)
in alter Form, die in alter Zeit von Demjenigen missrerstanden
 wurde, der darüber berichtet?). Wenn aber
lennoch vor einigen 15 Jahren ein Fälscher in der serbischen
Zeitschrift „Vila“ eine Sage von DaZdbog zum Besten gibt,
ınd der berüchtigte M. S. Mınoszvic in seinen angeblichen
Volksliedern zu wiederholten Malen diesen Gott producirt,
30 ist es durchaus nicht nothwendig, daraufhin dem ganzen
Volke etwas zu imputiren, wovon es gar keine Ahnung hat.
Dasselbe gilt von der Göttin Svijetlana (die Lichte). Selbst diese
Wortbildung ist zur Bezeichnung einer Göttin im Serbisch-Kroatischen
 unzulässig. VuLetic gibt noch zum Ueberfluss in
ler Anmerkung die triviale Erklärung: „Ova je bolica dijelila

1) Man denke an das griechische 506 E06, woraus der Name Dositheos
zebildet wurde, oder erinnere sich, dass der heilige Schwärmer Franz von Assisi
;eine Gemeinde „mea portiuncula“ (sein Antheil nämlich im ewigen Leben)
zenannt und wie daraus der Frauenname Portiuncula in Brauch gekommen.
2) Vrgl. die‘ Chranik des Joannes Malala von Antiochien.

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]

Judima svako dobro.“ (Diese Göttin hat den Menschen alles
xute zuertheilt.)
Der eigentliche südslavische Cosa wird uns hier nicht
vorgestellt. Bisher fehlt es noch an einem Volksbuche, das
zeine Streiche gesammelt enthielte. Der wahre Cosa wird
;onst kurzweg auch Ero (d. h. Hero-Herzegovac) der Herzegoviner
 par excellence genannt. Eine Reihe seiner Streiche
heilte Vux Vr6Eevic im „Slovinac“ und in der vor zwei
ahren eingegangenen „Srpska Zora“ mit, einige andere
inden sich bei KaranZie in den „Srpske narodne pripovijetke“.
Vien, 1870. — N. 44, bei Karantie, S. 159—163 ist der
‚eutschen Welt durch die Uebersetzung der WIiLHELMINE
XARADZIG (Volksmärchen der Serben, Berlin, 1854) S. 238 bis
'44 zugänglich geworden. Eine recht hübsche Variante, die
m J.1837 in der ehemaligen slavonischen Militärgrenze aufz;ezeichnet
 wurde, liest man bei Mıyar SrtoJAnovie in den
Pucke pripoviedke i pjesme“, Agram 1867. p. 210—214.
5ine andere Variante erhielt ich diesen Sommer von einem
'reunde aus Montenegro. In allen drei Fällen ist der Bauernunge
 derjenige, der den Cosa im Lügen bemeistert und das
trittige Object, das dem zufallen soll, der am besten lügen
ann, als Sieger davonträgt. Ich werde in den Erläuterungen
‘u meinen südslavischen Sagen und Märchen gelegentlich das
Jerhältniss dieser Varianten ganz genau festzustellen suchen.
Als echt südslavisch halte ich die zwei Streiche Ero-Josa’s,
 die wir bei KaranZıc auf S. 301 ff. u. S. 304 ff.
esen. „Ero von jener Welt“ und „Ero und der Türke“, Die
iritte Erzählung auf S. 305 ist die wohlbekannte Anekdote,
je Veranlassung zum deutschen geflügelten Worte „Aha,
3auer, das ist etwas ganz Anderes“ gewesen. Darüber gab
3UCHMANN eine recht hübsche Zusammenstellung. Zuerst
:ommt das Geschichtchen in der Mitte des 16. Jahrhunderts
a einem deutschen Buche vor und von dort aus scheint es
lie Reise um die Welt gemacht zu haben. Auch bei den
Ssüdslaven, speciell bei den Herzegovzen, ist die Wendung
‚kad nes mojo] u Citap?), lje nes ni tvojoj“ = willst Du
ılcht für meine (in das Gesetzbuch schauen), sollst du’s wohl
vauch nicht für Deine — zum geflügelten Wort geworden.
Vielleicht ist es nicht überflüssig, das Geschichtchen nochmals
x erzählen. Das Stück lautet: „Ero weidete des Kadi Rinder,
ınter welchen er (Ero) auch seine eigene, einzige Kuh hatte,
lie er regelmässig mit den Rindern des Kadi auf die Weide
rieb. Nun geschah einmal, dass sich eine Kuh des Kadi mit
ler Ero’s herumstiess und dabei von dieser todtgestochen
vurde. Ero rennt da, so schnell ihn die Beine tragen, zum
Kadi: „Hochmögender Efendi! Deine Kuh hat die meinige
ıedergestochen.“ — „Wer ist denn Schuld daran, Du Trottel?
Jat sie jemand aneinander getrieben?“ — „Gar Niemand.
Selbst rannten sie gegeneinander los.“ — „Bei Gott, schau,
lass Du fortkommst, für Thiere gibt’s kein Gericht.“ —
‚Aber hör’ mich doch an, Efendi, was red’ ich für einen
Insinn, meine Kuh hat der Deinigen den Garaus genacht.“
 — „So, so, Du Hallunke. Wart ein Weilchen, ich
vill doch ’mal nachschauen, was der Koran in diesem Falle
neint.“ Dabei langte er nach dem Buche. Ero packte ihn
ıber rasch bei der Hand und rief aus: „Willst Du nicht für
neine nachschauen. sollst Du’s wohl auch nicht für die Deine.“
Friedrich Krauss.
N arahb.: Kitäh. das Buch.
            
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