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zuch näher besprechen. Wir behalten uns aber vor, gelegentlich
in den Spalten dieser Berichte noch einmal auf dieses
Buch zurückzukommen, und rechtfertigen uns dafür im
Vorhinein mit dem Hinweis auf die Schwierigkeit des
Verständnisses, das die Lectüre dieses in specifisch bosnischem
Dialecte geschriebenen Buches bei dem grossen
Mangel an zuverlässigen sprachlichen Führern Jedermann
bieten muss, der nicht mit bosnischer Ausdrucksweise
speciell genau vertraut geworden. Wir können es uns aber
nicht versagen, noch auf eine Kleinigkeit hinzuweisen.
Von besonderer Schönheit sind die vielen Volkslieder, die
LIvApDıe in seine Erzählungen einflicht. Er hat sie alle selbst
zehört und selbst aufgezeichnet. Unter den vielen zieht eines
in besonderem Grade unsere Aufmerksamkeit auf sich, weil
as in seiner Art zu den Seltenheiten der südslavischen Volkspoesie
gehört. Es ist dies eine regelrechte Traumdeutung
die vollständig mit den Prineipien der Traumauslegung über
ainstimmt, die der Grieche Artemidoros aus Daldis (eine neue
deutsche Uebertragung von dem Recensenten veranstaltet,
arschien Wien 1881, Hartleben) in seiner Symbolik der Träume
antworfen hat. Artemidoros lebte im zweiten Jahrhundert
anserer Zeitrechnung und war von Beruf Traumdeuter. Kann
man ihn nach seinen eigenen offenmüthigen Mittheilungen, die
ır im IV. Buche seines genannten Werkes seinem Sohne
zegenüber macht, nicht von dem Vorwurfe verwerflicher Geschäftspraxis
des geflissentlichen Uebervortheilens lossprechen
30 darf man sich andererseits auch der Thatsache gegenübeı
aicht ablehnend verhalten, dass er viele seiner Nachrichten aus
ler einschlägigen Literatur — er selbst nennt bei siebenzig
Vorgänger — zum grössten Theil aber auf seinen ausgebreiteten
Reisen unmittelbar aus den Volksüberlieferungen
zeschöpft hat. Ueberraschend ist auf jeden Fall die merkwürdige
Erscheinung, auf die mich bei der Ausarbeitung
lieses Buches mein verehrter Lehrer, Herr Prof. FrieDrıcH
MüLLerR wiederholt aufmerksam gemacht hat, dass nämlich
zahlreiche Stellen in den heiligen Schriften der alten Inder
ınd Perser in Bezug auf Traumauslegungen dieselbe Methode
zeigen, die auch Artemidoros befolgt. Ich selbst gedenke einmal
diesen überaus interessanten Gegenstand vom vergleichenden
Standpunkte der Wissenschaft aus des Näheren
zu erhellen. Wir sind ja wohl berechtigt, nach vorliegenden
Daten für diese „Disciplin“ eine viel ältere Quelle als das
Griechenthum in seiner geschichtlichen Entwicklung anzunehmen.
Hier theilen wir nur das erwähnte Volkslied aus
Lıvapıe’s Buch mit und fügen eine wortgetreue Prosaübersetzung
bei. damit man sich genaner orjentiren kann.
Dragi dragu Ss pendjera doziva
")raga mu se srdito odziva.
‚Sto se draga srdito odzivaß?“
Ve zovem te, da ti lice ljubim,
/ec te zovem da ti sanak kaZen
5frasan sam ti san usnio draga”
Nama draga, voda do koljena,
Sam se djogo po mejdanu voda,
A sam fesie pliva po Vrbasu.
Moje puSske na petero pukle,
Sablja mi se preko razciepila.
Tvoje reSsme po putu posute“
Draga mu je sanak tumadtila:
5to je dragi voda do koljena,
vo su suze i moje i tvoje.
Sto se djogo po mejdanu voda,
To ce drug] mene Drinroasiti
Sto li fesic pliva po Vrbasu,
To je nase teZko zastajanje.
Sto li puske na petero pukle,
To Ce nase srdee izpucati.
Sto se sablja preko razciepila
Sto su resme po putu posute,
"9 su nase izprazne beside.“
„Der Geliebte ruft die Geliebte vom Fenster. Zornig
meldet sich ihm die Geliebte. „Warum meldest Du Dich so
zornig, Geliebte? Ich rufe Dich nicht, um Dein Angesicht
ıbzuküssen, sondern rufe Dich, um Dir meinen Traum zu
’erichten. Einen furchtbaren Traum habe ich geträumt, o
*eliebte. Uns, Geliebte, reichte das Wasser bis zu den Knieen.
\llein geht der Schimmel auf dem Platze herum und allein
schwimmt mein kleiner Fez auf dem Vrbas. Meine Flinten
ind in fünf Stücke zerfallen, mein Säbel zerspaltete sich in
lie Quere, Deine Korallen lagen verstreut auf dem Wege...“
Die Geliebte legte ihm den Traum aus: „Das, o Geliebter,
lass das Wasser bis zu den Knieen reichte, dies sind Thränen,
lie meinen und die Deinen. Dass der Schimmel (allein) auf
lem Platze herumgeht, (bedeutet) dass ein Anderer um mich
verben und mich erlangen wird. Dass der kleine Fez auf dem
/rbas schwimmt, dies ist unsere schwere Trennung. So wie
lie Flinten in fünf Stücke zersprungen, so werden unsere
Herzen (vor Gram nämlich) zerspringen. Dass der Säbel in
lie Quere sich gespaltet — dass die Korallen auf dem Wege
verstreut lagen, dies sind unsere leeren (d. h. verlorenen)
Reden.“
Nach Artemidoros Auseinandersetzungen in den einleitenden
Capiteln des ersten und vierten Buches gehörte
lieser Traum mit seinen Auslegungen in die Kategorie der
ıllegorischen Träume, von welchen er im fünften Buche mehr
ıls fünfzig Beispiele mittheilt.
Für diesmal mögen diese wenigen Bemerkungen über das
"xvADıe’sche Buch genügen. Eines aber wollen wir doch nicht
rerschweigen. LıvApıc stammt eigentlich von deutschen Eltern
ıb und trug bis vor nicht Langem den biederen deutschen
Namen „Wiesner“, Er hat es indessen vorgezogen, sich zu
;lavisiren. Im Grunde genommen ist er auch ein echter
Slave, wie es ja die herrliche und wirklich vollendete Sprache
zeigt. deren er sich in seinen Aufsätzen befleissigt.
Friedrich Krauss.
Mudri Coso. Po puckoj predaji ukitio za praznike
Vıo VuLeTie-Vugasovie. U Dubrovniku 1883. Naklade
knjiZare DraGurina PrRerNeRrRa. (Der weise
Coso. Nach der Volksüberlieferung für die Ferien
ausgeschmückt von V.V.V. Ragusa 1883 D. Pretser.)
Einen bekannteren alten Bekannten als den weisen Coso
gibt es in der Welt nicht. Coso, der Bartlose, ist niemand
anderer, als der gute Freund Till Eulenspiegel, der unter
den Südslaven ganz dieselben und noch eine andere Unzahl
loser Schalkstreiche verübt, die sein Andenken für alle Zeiten
sichern. Der Pfaffe Ameis und Till sind in der deutschen
Volkspoesie im Grunde genommen eine und dieselbe Gestalt.
Es sind Doppelgänger, die auf eine uralte indogermanische
Ueberlieferung zurückführen, wie schon längst die Forschung
dargethan. In das südslavische Volk sind dem Coso mit der