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Eine vierte und zwar die eigenthümlichste Form
ist der schüsselförmige Helm von St. Margarethen
(Taf. XXI, Fig. 2). Derselbe ist aus einem feinen
und festen, mit Leder überzogenen Holzgeflechte
gebildet. Am Umfang trägt er sechs convexe Bronzescheiben,
am Gipfel aber eine zweimal gewölbte
Bronzescheibe, über welcher sich eine eiserne Spitze
erhob. Der Zwischenraum zwischen den Bronzescheiben
ist mit kleinen Bronzenägeln vollkommen
ausgefüllt. Ausser einem im k. k. naturhistorischen
Hofmuseum in Wien und einem im Laibacher Museum
befindlichen Exemplare wurden noch mehrere schlechter
erhaltene Stücke dieser Art in den Tumulis von
St. Margarethen gefunden. Auch in Hallstatt wurden
in 18 Gräbern derartige Scheiben, welche man früher
“ür Schildbuckel hielt, gefunden.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Helme
zu den ältesten Helmformen gehören, die wir kennen,
verschieden von den etruskischen und griechischen
Helmen der classischen Zeit.
Das Allerwichtigste ist es nun aber, dass wir
allen diesen Helmformen, die innerhalb der Alpen
in einer zum Theil grossen Anzahl von Exemplaren
yefunden wurden, in den Darstellungen auf den
oben besprochenen Gefässen wieder begegnen.
Die erste Helmform ist jene, welche die beiden
Reiter auf der Situla von Bologna tragen. Die
zweite Form mit Helmquaste finden wir bei der
dritten Gruppe von Fusssoldaten auf der Situla von
Bologna und als Kampfpreis zwischen den beiden
Faustkämpfern auf der Situla von Watsch. Die dritte
Form ist diejenige, welche unter allen bis jetzt bekannten
Helmen der Darstellung des Helmes auf
den Fragmenten von Matrei am nächsten kommt.
Die vierte Form endlich ist diejenige, von ZANnoxı
besonders hervorgehobene, welche die fünf, als zweite
Gruppe auf der Situla von Bologna angebrachten
Fusssoldaten tragen und welche wir auch in der
unvollkommenen Darstellung auf dem Fragmente von
St. Marein wieder erkennen.
Aber auch von jenen kegelförmigen Kopfbedeckungen,
wie sie die vier letzten, mit Palstäben
bewaffneten Fusssoldaten der Situla von Bologna
;ragen und von den Tellermützen, wie sie auf
der Situla von Bologna, bei den Hirschträgern der
3. Zone, dann auf der Situla von Watsch, auf den
Bronze-Fragmenten von Moritzing und Matrei ’in Tirol
und endlich auf dem Spiegel von Castelvetro dargestellt
sind, wurden in Watsch und St. Margarethen Exemplare,
die leider nicht ganz zu erhalten waren, gefunden.
Auch die Häufchen von Bronzenägeln, die so
ftmals in Hallstatt mit vermoderten organischen
Resten durchmengt vorkamen, mögen ursprünglich
solchen Helmen oder Mützen angehört haben.
Wir stehen also vor der ebenso zweifellosen,
wie interessanten und wichtigen Thatsache, dass
lie neuesten Funde in Krain so vollkomnen,
wie nur denkbar, auf die Darstellunzen
der Situlen von Bologna und von Watsch
>assen, und dass jene Darstellungen daher
ler unmittelbaren Anschauung des ein-1eimischen
Volkslebens entsprungen sein
müssen.
HocHsTETTER hat daher gewiss vollkommen Recht,
wenn er sagt: „Nach diesen Auseinandersetzungen
iber die bei Watsch und St. Margarethen gefundenen
delme und Kopfbedeckungen dürfte wohl kaum
Jemand noch zweifeln können, dass Krieger, wie
ze auf der Situla der Certosa dargestellt sind, und
Menschen, wie sie auf der Situla von Watsch
zekleidet erscheinen, auf krainerischem Boden thatächlich
gelebt haben und in den prähistorischen
iräbern wirklich begraben liegen.“ Und an anderer
Stelle: „So lange ähnliche Funde nicht auch an
len italischen Localitäten und speciell bei Bologna
zemacht werden, liesse sich mit viel mehr Recht
‘chliessen, dass die Situla von Bologna ein altes,
aus Krain nach Italien importirtes Stück sei, was
ch freilich nicht geradezu behaupten will
ınd was auch ziemlich gleichgiltig ist“,
la ja die alten Umbrer und die Bewohner der Südılpen
zur Hallstätter Zeit wenn nicht dasselbe Volk.
;o doch nächste Stammverwandte waren und jedenalls
einem und demselben Culturkreis angehörten,
ınd setzen wir noch hinzu, da es ja eine öster-'eeichisch-italienische
Grenze in den Alpen oder am
Fusse der Alpen in jener alten Zeit nicht gegeben hat.
Nach den Helmen bespricht von HocnsTErTER
aoch die Gewandnadeln, an welchen die Gräber
ron Watsch und St. Margarethen ganz ausserordentlich
‚eich sind. Die Fibeln der krainerischen Fundorte
lurchlaufen die ganze Formenreihe, wie sie aus den
rorrömischen Gräberstätten in Oberitalien bekannt
st, und zeigen ausserdem noch manche locale Form.
jesonders häufig in Watsch ist die halbkreis-'örmige
Fibel, theils ganz aus Bronze oder Eisen,
;heils mit geknotetem Bügel aus Bronze und mit
siserner Nadel und eisernem Fusse. Letztere Form
(Taf. XXIV, Fig. 4) ist fast sämmtlichen krainerischen
Fundorten eigenthümlich und wurde von DEschHMmAnN