227
‘76 gleich grosse vom Certosa- Typus (Fig. 73), eine halbkreis-“örmige,
mit geripptem Bügel, wie sie z. B. von Golasecca
bekannt ist (Fig. 74) und eine zweigliedrige Armbrust-Fibula
mit Mittelpauke), weiter 64 Hohlknöpfe mit tiefstehenden
Desen, 14 flache Doppel-Zierscheiben (bullae?), verschiedenartiger
Ketten- und anderweitiger Behang-Schmuck,
mannigfache, zum Theile reich ornamentirte Zierstücke,
Ringe, Spiralen, Berlocken etc.
Der Fund ist nach der Technik und dem ganzen Charakter
sämmtlicher Artefacte ein einheitlicher und gehört
offenbar der älteren Hallstätter Periode an. Mit
Rücksicht auf den Umstand, dass mehrere Typen in zahlreichen
Exemplaren vertreten sind, werden wir in dem Funde
ein Waaren -Depöt zu erblicken haben. Die Fibeln und
Knöpfe waren ursprünglich auf Schnüre‘ gereiht;; Spuren derselben
haben sich in den Spiralen und Oesen häufig erhalten.
io
An.
Fig. 75
Die wissenschaftliche Bedeutung des Fundes wird wesent-'ich
dadurch erhöht, dass sich auf einem Geräthe, einem in
äinen Pferdekopf endenden stabförmigen Zierstücke (Fig. 75)
äne „rhätische“ Inschrift befindet. Die Buchstaben
stimmen mit denen anderer in Tirol gefundenen rhätostruskischen
Inschriften genau überein; z. B. der Situla von
Cimbra, der Statuette von S. Zeno etc!). — Ohne mich auf
sine linguistische Deutung einzulassen, lese ich: PIRIKANISNYV.
Sämmtliche Fundgegenstände sind vor Kurzem durch
Kauf in den Besitz des Museums in Innsbruck übergegangen,
1) Vergl. u. A.: Chr. Schneller; „Ueber die s, g. rhäto-etruskischen
-nschriften“ (Archiv f. Geschichte und Alterthumskunde "Tirols, III. p. 175 ff.),
Th. Mommsen; „Die nord-etruskischen Alphabete auf Münzen u. Inschriften“
Mittheilungen der antiquar, Gesellsch. in Zürich, VII. p. 197 ff.) und G. A.
\berziner; „I Reti in relazione cogli antichi abitatori d’Italia“, Roma 1883.
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. 1882
19.
Ein Grabfeld zu Roggendorf,
Bezirkshauptmannschaft Ober-Hollabrunn (Niederösterreich).
Von P. Lambert Karner.
Es war im Sommer des Jahres 1878 — also schon ziemlich
ange her — als auf einem Felde südlich von Roggendorf,
Parcelle 115, im Raffelfelde, in nächster Nähe des Dorfes
lurch Zufall ein Grabfeld entdeckt wurde.
Ziegelschläger,‘ die beschäftigt waren, Lehmziegel, sogeıannte
Quaderstücke, zu machen, stiessen beim Ausheben der
irde auf mehrere Skelete. Ich war zur Zeit der Entdeckung
zufällig verreist, erfuhr aber bald nach meiner Rückkunft
ron dem Funde der Menschengebeine, von „Goldfunden“, von
ler Gendarmerie-Commission, die da gewesen etc. MeinErstes
war, mich auf den Fundplatz zu begeben, und da erkannte
at. Gr
;h alsbald aus den herumliegenden Schädel- und Urnenragmenten,
dass ich vor einem antiken Grab- und Urnen-'elde
stehe. Von den Ziegelschlägern erfuhr ich, dass sie
us jetzt drei Skelete ausgegraben, die Lage war nach ihrer
\ingabe folgende:
1. Zwei Skelete, das eine mit dem Kopfe gegen Süden,
len Oberarm der rechten Hand gegen Ost, den Unterarm
zegen den Kopf zurückgeneigt; zu dessen Füssen, mit den
3einen in Form eines rechten Winkels zusammen liegend.
las andere, mit dem Kopfe gegen West (?).
2. Ein Skelet, mit dem Kopfe gegen Süd, nordwestlich von
len beiden andern gelegen, in der Entfernung von einigen
Ietern. Bei einem Skelete war der Schädel und der Unterziefer
vollständig erhalten. wurde aber leider von dem hiesigen
B.Ta