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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 3=13.1883

187

vollständige Abbildung besonders Rücksicht genommen,
 da nach des Verfassers Ueberzeugung gerade
bei dieser Art von Funden die bildliche Darstellung
weit wichtiger ist, als die eingehende Beschreibung,
 da dieselbe einen viel leichteren Ueberblick
über die charakteristischen Formen, sowie über das
Verhältniss der verschiedenen Formen zu einander
in den verschiedenen Gräbern gibt. Es ist von der
bisher üblichen Methode der Beschreibung der Funde
7on solchen Urnenfeldern Abstand genommen worden,
welche meist darin besteht, einzelne, charakteristische
efässformen herauszuheben und abzubilden. Es soll
sich der Leser ein möglichst getreues Bild von dem
Inhalte eines solchen Urnenfeldes machen, um sich
daraus ein selbstständiges Urtheil über den Charakter
desselben zu bilden. Aus dem Grunde ist in diesem
Abschnitte die Form eines Fundprotokolls (mit
linweglassung der unwesentlichen zeitlichen und
anderer Momente) gewählt, mit einer eingehenden
Beschreibung der einzelnen ÖObjecte, welche die bildliche
 Darstellung zu ergänzen hat. Es sind einfache
Thatsachen, ohne die sich daran knüpfenden Erörterungen
 und Schlussfolgerungen, die ja vielfach nur
lie persönlichen Anschauungen und Erfahrungen des
Verfassers wiedergeben.
Die Anzahl der aufgedeckten Gräber betrug 31,
davon 16 im Längsgraben I, 12 im Quergraben IV
ınd 3 in dem kleinen, südlich von den beiden
vorigen gelegenen Graben VI. (Siehe Fig. 63.) An
einigen Stellen zeigten sich bedeutende Lücken in
der Aufeinanderfolge der Gräber, die wahrscheinlich
von den früheren Ausgrabungen herrühren, da sich
an verschiedenen Stellen Gefässscherben und Basaltsteine
 zeigten. Die Anzahl der zu, Tage geförderten
Gefässe betrug 221; von denselben waren ganz oder
liessen sich ganz oder theilweise zusammensetzen
zirca 160; der Rest war nicht restaurirbar. (Siehe
lie Uebersicht am Schlusse dieses Abschnittes.)
Was die Bezeichnung der einzelnen Gefässtheile
anbelangt, so haben wir drei Hauptabschnitte, 1. Boden,
2. Körper und 3. Hals zu betrachten. Der Boden
ist manchmal recht undeutlich von dem Gefässkörper
geschieden und nicht immer eben, sondern mitunter
atwas concav geformt; in den meisten Fällen ist er
im Verhältniss zu der Höhe des Gefässes schmal,
was darauf hinweist, dass wir es hier kaum mit
Nutzgefässen zu thun haben. Nur bei den immer
coh gearbeiteten Töpfen ist derselbe relativ breit.
Gefässe mit abgesetztem Fuss scheinen den Urnen-(eldern
 dieser Art in Böhmen fremd zu sein. Der

Körper des Gefässes zerfällt wieder in den Unterheil,
 den Bauch und den Obertheil; diese Theile
zehen aber in einander über. Der Bauch ist mehr oder
veniger gewölbt; bei der eigentlichen Napfform ist
ır durch eine scharfe Kante repräsentirt. Nicht alle
%efässe haben einen eigentlichen Hals; bei vielen
st die Scheide zwischen Körper und Hals nur durch
ne sanfte Einschnürung unterhalb des Randes anzedeutet,
 bei einigen fehlt auch diese Andeutung
ınd die Seitenwände des Gefässes sind bis zum
Rande gleichmässig gewölbt. Bei vielen Gefässen,
jei denen der Hals scharf vom Körper getrennt erscheint,
 ist diese Grenze auch anderweitig, z. B. durch
Terzierung, oder durch die dort sitzenden Henkel
jesonders markirt. . Die obere Hälfte des Gefässkörpers
 ist auch in den meisten Fällen der Ort, wo
lie Verzierungen angebracht sind, Der Hals endlich
1at die verschiedenste Form; er ist meist nieder
ınd übergeht häufig ohne Absatz in den Rand; in
nanchen Fällen ist aber durch Herausbiegen des
»beren Halstheiles, mitunter bis zu horizontaler Lage
in wirklicher Randtheil gebildet. Nur in wenigen
7ällen wird der Hals so hoch, dass er dem Gefässe
ne eigene Form gibt, wie z. B. bei den Halsurnen
ınd Näpfen mit scharfer Bauchkante.
Für die Verzierungen ist die Bezeichnung für Länge
in der Richtung der Höhe, und die für Quere in
ler Richtung der Breite gewählt.
Was die Bezeichnung der einzelnen Gefässe in
Bezug auf ihre Form und sonstige Beschaffenheit
ınbelangt, so wurden eine Anzahl einfacher Auslrücke
 gewählt, welche die einzelnen Gefässtypen
ıach dem am meisten charakteristischen Merkmal
jenennen, Wie schon eingangs erwähnt wurde, sind
ıls „Urnen“ nur diejenigen Gefässe bezeichnet, welche
‚eichenbrand enthielten; die anderen sind als Beivefässe
 aufzufassen.
Unter den Urnen lassen sich fünf verschiedene
7ormen unterscheiden.
1. Die Henkelurne, die häufigste Urnenform,
nit relativ schmalem Boden, weitem, immer vernertem
 Bauchtheil, der von dem niederen Halse
charf abgesetzt ist; diese scharfe Abgrenzungslinie
vird von zwei kleinen, einander diametral gegenıiberliegenden
 Henkeln überbrückt. Charakteristische
Urnen dieser Art in Form und Verzierung siehe
Taf. XV, Fig. 1a und 5a, Taf. XVI, Fig. 10a und
and 11a, Taf. XVII, Fig. 17 a und Taf. XIX, Fig. 27a.
. 2. Die Halsurne, eine selten vorkommende
"Trnenform. der untere Theil wie bei der vorigen
            
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