Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 3=13.1883

84

jagen. Diese einzelnen Funde sind äusserlich meisi
sorgfältiger ausgestattet; die Grabumfassung besteht
nicht mehr aus einfachen Steinen, sondern aus ganz
schönen Platten des hier flussaufwärts vorkommenden
Piänerkalkes (dem sogenannten „Gallner Stein“ der
Bauern) ; dieselben umschliessen das Grab regelmässig
nach allen Seiten, und eine grössere Platte bildet
meist den oberen Abschluss.
Jedes Einzelngrab (auch als Grabfund oder einfach
Fund bezeichnet) ist von dicht aneinanderschliessenden
Steinen umgeben; die Unterlage wird meist durch
eine Steinplatte gebildet. Frei in der Erde stehende
Gräber ohne Steinumfassung kamen nicht vor. Die
Steine, die dazu verwendet wurden, sind vorherrschend
der im Norden (am Deblik) und an verschiedenen
anderen Punkten vorkommende Basalt, meist in unregelmässigen,
 rundlichen oder kantigen Stücken von
2—20 Kg. Schwere, aber auch in kleinen Säulen
und Platten; ferner Gneiss und Phonolith, meist in
Platten als Unterlage oder zum Ueberdecken verwendet.
 Der Gneiss kommt am Hradek vor; der
Phonolith musste aus grösserer Entfernung herbeigeschafft
 werden. Endlich finden sich auch Trachytstücke,
 die ihrem Aussehen nach vom Marienberge
»ei Aussig herstammen müssen.
Die Steinumfassung war möglichst nahe an die
Jrnen herangerückt, was der Erhaltung derselben
nicht zu grossem Vortheile gereichte; namentlich
waren es aber die mitunter darüber gelegten Steine.
welche den ohnehin schwachen, weil wenig gebrannten
Gefässen sehr schädlich wurden. In der Mitte dieses
Steinkreises stand, häufig auf einer Steinplatte, die
eigentliche Graburne (oder Begräbnissurne‘'), und
-ings um dieselbe in mehr oder weniger kreis- oder
halbkreisförmiger Anordnung ?®, oft auch ganz unregelmässig,
 befanden sich die Beigefässe (auch Ceremonienurnen
 nach BerenpDr®), weil dieselben meist
Speisen und Getränke, die dem Verstorbenen in das
Grab mitgegeben wurden, enthielten, oder zu anderen
ceremoniellen Zwecken dienten.
Die Graburne enthält immer unten die verbrannren
 und zerkleinerten Knochen (Brandknochen ohne
1) Siehe H. Br. Gemmrz: Die Urnenfelder von Strehlen
und Grossenhain, Cassel 1876. p. 2..
Es empfiehlt sich überhaupt, die Bezeichnung „Urne“
auf solche Gefässe zu beschränken, in welchen sich wirklich
Menschenreste vorfinden und den ähnlich geformten Beigefässen
stwa die Bezeichnung „urnenförmig“ zu geben. .
2) Die Abbildung eines solchen Grabfundes siehe Fig. 65.
3) G. BerenDt. Zwei Gräberfelder in Natangen. Königs:
berg 1873.

Jmme wurden nie vorgefunden); auf denselben liegen
lie spärlichen Beigaben, meist ein, höchstens zwei
Stücke; dieselben fehlen aber in vielen Fällen ganz.
Zs sind kleine Bronzegegenstände, wie Kleider-1adeln,
 kleine Ringe, meist spiralig gerollt, Bronzeplättchen,
 meist nur Schmuck- oder Bekleidungszegenstände;
 ein einziges Mal wurden von Bronze
‚wei kleine Pfeilspitzen aufgefunden. (S. Taf. XVIII,
Fig. 21 c und 21 d.) Dieselben lassen fast immer die
Cinwirkung von Feuer auf ihrer Oberfläche erkennen,
ienn sie sehen in den meisten Fällen wie leicht
\berschmolzen aus. Der Verstorbene wurde daher
ıller Wahrscheinlichkeit nach in einem einfachen
Jewande, das durch eine Nadel zusammengehalten
var, angethan mit den wenigen Schmuckgegenständen,
zerbrannt, die Ueberreste zerkleinert. und in die
xraburne gegeben. Die Reste der Bronzesachen wurlen
 ebenfalls gesammelt und auf die Knochenreste
zelegt, denn manchmal findet man blosse Fragmente
lerselben. Die Brandknochen sind fast ganz rein
ınd ohne Kohlenbeimengung; es gehörte die sorgältigste
 Durchsuchung derselben dazu, . um in zwei
‚der drei Fällen kleine Holzkohlensplitter aufzuinden.
 Unter den Knochen befinden sich solche
‚on allen Skelettheilen des menschlichen Körpers
ı1errührend, namentlich auch Zähne (sowohl von Erwachsenen,
 wie Milchzähne von Kindern), Fingerınd
 Zehenglieder. Die grösseren Knochen sind alle
ın wallnussgrosse Stücke zerschlagen, namentlich die
der Extremitäten. Von der Verbrennungsstätte war
zeine Spur aufzufinden.
Ausser den Bronzegegenständen fand sich nur in
nem einzigen Falle, auf den Brandknochen liegend,
3in kleines, ganz verrostetes Eisenmesser; nebst einer
in der Nähe eines Grabfundes in derselben Tiefe
ınter einer kleinen Gneissplatte aufgefundenen Lanzenspitze
 sind dies die einzigen Objecte aus Eisen, die
nan von Libochowan kennt. Ueber ‚dieselben soll
angehender bei der Beschreibung des betreffenden
Grabfundes (Nr. XXX) gesprochen werden.
Die Brandknochen füllten selten die meist ziemlich
umfangreiche Urne aus, der übrige Theil enthielt eine
feine Dammerde, Bei den bedeckten Urnen war nun
schwer zu entscheiden, ob die Knochen allein in derselben
 waren, oder ob der übrigbleibende Raum
zleich mit Erde ausgefüllt wurde, weil die betreffenden
Deckel durchwegs eingedrückt waren. Bei einigen
Urnen liess sich jedoch: der erste Fall dadurch nachweisen,
 dass die Scherben des Deckels unmittelbar
über den Brandknochen lagen. Dieser thönerne
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.