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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 3=13.1883

— 182

erwähnten Hradek. Es ist dies ein schönes Stück
Erde, ein einziger grosser Obstgarten, dessen Fruchtbarkeit
 die Wohlhabenheit der Bewohner dieser
Gegend bedingt.
Der kleine Ort Libochowan liegt in der Mitte
dieser Mulde, gegenüber der Staatsbahnstation Praskowitz.
 Die Elbe, im Süden durch die Enge unterhalb
Cernosek, im Norden durch den Deblik wie an zwei
Punkten festgehalten, hat bei dem Durchfliessen
lieser etwa 6 Kilometer langen Strecke Gelegenheit,
ihr Bett zu erweitern, was bei den öfters vorkommenden
hohen Wasserständen Veranlassung zur Bildung kleiner
sumpfiger Strecken oberhalb des Ortes Libochowan
gibt. Unterhalb desselben macht sich auf dem rechten
Ufer ein kleiner Steilrand von wechselnder Höhe
bemerkbar. Derselbe ist an der Stelle, wo er unserem
Urnenfelde am nächsten liegt, etwa 10 m. hoch.
und erlaubte den einstigen Bewohnern dieser Gegend,
ihren Begräbnissplatz in geringer Entfernung vom
Flussufer anzulegen, denn der Bahnkörper, auf einem
Theile des Urnenfeldes liegend, ist hier nur etwa
25 m. von dem rechten Elbeufer entfernt.
Die Linie der Nordwestbahn, ebenfalls durch die
zwei Fixpunkte des Hradek und Deblik festgehalten,
macht einen sanften Bogen, indem sie den hinteren
Theil des Ortes Libochowan durchschneidet; sie
nähert sich nördlich desselben wieder der Elbe, an
deren rechtes Ufer sie weiterhin unmittelbar herantritt.
 Von Libochowan aus steigt das Terrain ganz
sanft gegen die Gehänge des Deblikberges an; diese
ganze Flur führt den Namen Werowen. Etwa fünf
Minuten vom Nordende des Ortes liegt auf dieser
Flur unser Urnenfeld, grösstentheils auf dem Felde
des Libochowaner Bauers Krater, dicht an der
östlichen Seite der Nordwestbahn, etwa 130 m.
nördlich vom Wächterhause Nr. 303. Nichts verräth
von Aussen dessen Vorhandensein; nicht einmal
kleine Unebenheiten des sanft gegen den schon erwähnten
 Steilrand der Elbe abdachenden Bodens
lassen sich erkennen.
Die Ausdehnung des eigentlichen Urnenfeldes ist
keine sehr bedeutende. (Siehe Fig. 63.) Die Fläche,
auf welcher die nebeneinander liegenden Gräber gefunden
 wurden, beträgt beiläufig 1200 [7] m., und
zwar bildet sie ein Rechteck von etwa 40 m. Länge
Nord-Süd) und 30 m.. Breite. Das Urnenfeld scheint
durch die bisher vorgenommenen Ausgrabungen
ziemlich erschöpft zu sein, denn gegen die Ränder
des‘ Untersuchungsgebietes .hin wurden die Funde
immer seltener und ärmer. Man findet zwar noch

ziemlich weit in der Umgebung Scherben auf den
Feldern; dieselben scheinen aber theils zertragen zu
zein, theils rühren sie von einzelnen isolirten Gräbern
her, die man beim Ackern oder beim Setzen von
Ibstbäumen fand. Gegen Westen hin ist das Urnenfeld
lurch die Nordwestbahn begrenzt, bei deren Bau
ler westliche Theil desselben durchschnitten wurde;
jenseits derselben wurde nichts mehr gefunden. Um
nun die Ausdehnung gegen Nord und Ost zu constatiren,
 wurden ausser den drei eigentlichen Fundgräben
 (I, IV und VI) noch vier Untersuchungsoräben
 (II, II, V und VII) in einer Entfernung von

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30—50 m. von dem äussersten Fundvorkommen gemacht,
 dabei aber keine Spur aufgefunden, welche
vermuthen liess, dass sich das Urnenfeld bis. in eine
solche Entfernung erstreckt. Der Besitzer des Grundes,
auf dem die meisten Funde gemacht wurden, der
schon einmal erwähnte Kratzer, kannte die Auslehnung
 desselben ziemlich genau; er hatte dieselbe
ei dem Setzen der Obstbäume, mit welchen hier
die Aecker allenthalben bepflanzt sind, kennen gelernt.
_ Der Grund, auf welchem das Urnenfeld liegt, gehört
 drei verschiedenen Besitzern. Der westliche
            
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