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ıuf die Strassen geworfen worden. Und noch sind
gewiss an Hunderttausend übrig, vielleicht doppelt
so viel, kaum weniger. Ich habe unzählbare Massen
dieser Steine in allen Theilen der Herzegowina und
Bosniens (mit Ausnahme der Posavina) gefunden und
in meinen Berichten zum ersten Mal umfassende Mittheilungen
über dieses Vorkommen gemacht. Der Leser
möge sich gegenwärtig halten, dass durchschnittlich
nur auf jeden hundertsten Stein eine Sculptur
oder Inschrift fällt, und dass die unedirten Abbillungen,
welche ich ihm heute vorlege, nur eine
kleine Nachlese bilden!
Ueber den Kunstcharakter oder Stil der besprochenen
Sculpturen enthalte ich mich jeder weitläufigen
Auseinandersetzung unter Hinweis auf die
neigegebenen Skizzen. Wenn man tief in vorgeschichtliche
Zeiten zurückgreifen muss, um analoge
Culturverhältnisse, wie bei der ländlichen Bevölkerung
Bosniens zu finden, so heisst es „weit in’s Weite
xehen“, etwa
nach Peru oder
Central-Amerika,
wenn wir ähn-.iche
Kunstleistungen
anderer
Völker mit diesen
bosnischen
Arbeiten aus der
Zeit der Kunstblüthe
des Mittelalters vergleichen wollen. Technisch
und stilistisch stehen diese bosnischen Arbeiten in
aächster Verwandtschaft sowohl zu den Kalksteinplatten
der Burggräber von Mykenä als zu den aus
gleichem Material geformten Reliefstelen der Certosa
von Bologna. Von ersteren vielleicht durch drei,
von letzteren durch nahezu zwei Jahrtausende geschieden,
bekunden sie doch in jedem Zug einen
ihnlichen Ideengehalt und dieselbe Stufe künsterischer
Ausbildung wie jene pelasgischen und
struskischen Werke. Alle drei, zeitlich so weit von
sinander getrennte Erscheinungen haben überdiess
noch den gemeinsamen Charakter einer rohen localen
Nachbildung und äusserlichen Verbindung von auswärts
entlehnter Einzelformen, die in unorganischer
Weise auf eine primitive sepulcrale Technik übertragen
wurden. Und doch ist der Einfluss des christlichen
Mittelalters mit seinen äusseren Lebensformen auf die
Cultur Derer, welchen diese Denkmäler gelten, unverkennbar,
— unverkennbar selbst die Nachwirkung
antiker Vorbilder in diesen barbarischen Entstellungen.
„ig. 57.
Es gibt in Bosnien eine Reihe stattlicher Bauwerke
und Ruinen, welche gern für die autonome
Vorzeit: des Landes in Anspruch genommen werden.
üs ist Jetzt erwiesen, dass sie mit Unrecht für
Zeugen jener vortürkischen Cultur angesehen werlen.
Aus der Türkenzeit stammen: die berühmte
Narentabrücke in Mostar, erbaut 1596 unter Sultan
Soliman II., die sehr ähnliche Bregavabrücke zwischen
7o0titelj und Metkovie, erbaut 1517 von Mustafa-7ascha,
Sandschak von Bosnien, die schöne Narentarücke
in Konjie, erbaut von Ahmed Sokolovie, die
‚erstörte Drinabrücke von GoraZda, 1518 mit Hilfe
‘agusanischer Arbeiter von Mustafa-Pascha von Ofen,
ınd die erhaltene bekannte von Visegrad, 1577 von
Mehemed Sokolovie erbaut. In’s sechzehnte Jahrıundert
fällt die Errichtung der prachtvollen Karavanserai’s
an den Brücken von GoraZda und Visezrad,
jetzt in Ruinen liegend, die zum ersten Male
von mir aufgenommen wurden. Viel früher, aber von
Italienern gebaut
sind die schönen
Burgen inGlamo€
und Jaice mit
den Resten stolzer
Kirchen und
Paläste, um nur
zwei. hervorragende
Beispiele
anzuführen. In
Wletci (Venedig) werden auch die schönen Waffen
zefertigt, mit welchen nicht nur die altbosnischen
“delleute, sondern auch die späteren Helden der
aationalen Volkspoesie so gerne prunken. Venedig
»rägt die Münzen der serbischen Czaren und der
»osnischen Könige. Wie weit Erzeugnisse echt
salienischer Kunst in Bosnien eindrangen, zeigt der
eiche Gräberfund, den Dr. F. v. LuscHAn auf der
zavna Tresnja südlich von Tuzla gemacht hat. Allerlings
kamen die interessanten Gegenstände desselben
nit einer fremden Colonie in’s Land, wie die Racennerkmale
der erhaltenen leiblichen Reste beweisen.
Eine eigenthümliche Stellung zur. Hauptmasse
ler bosnischen Grabsteine nimmt ein bei Dolnji
“goSCa (Bezirk Visoka) jüngst gefundenes tumba-Örmiges
Denkmal ein, dessen Abbildung in den
Vittheilungen der Central-Commission f. Kunst- u.
ıst. Denkm. erscheinen wird. Der Grundform, den
1auptsächlichen Decorationsmotiven und gewiss auch
Jer Zeit nach schliesst es sich eng der ganzen Classe
lieser Denkmäler an. aber an Reichthum und Fein-*ahar-polje.