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Aufsatze „Besedi ‚Epidemie‘ in ‚Kuga‘ pred jezikoslovno
sodijo“ (Jahrg. 1856, p. 86 u. 91) mit unberechtigter
Willkür eine Erklärung dieses Wortes.
Sein Versuch hatte zwar zur Folge, dass ein ganzer
Haufe von Zuschriften über Pestsagen an den Herausgeber
J. Burıwerss eingesandt wurde. Neues Licht
über die Bedeutung des Wortes lieferten freilich auch
liese Zuschriften nicht, selbst die Sagen sind auch
anderweitig bekannt und man kann daher ruhig von
liesen Aeusserungen Umgang nehmen. Weitere Aufsätze
über die südslavischen Sagen sind meines
Wissens nie geschrieben, zum Mindesten nicht ver-Erinnerung
an einen ursprünglich gedachten Vertrag liegen
der Kratelj beansprucht eben einen Theil des Fusses für sich
Nach dem Gesagten unterliegt es keinem Zweifel mehr, dass
sowohl der Name als die Vorstellung vom Skratelj den Süd-;laven
durch die Deutschen bekannt geworden. Wir besitzen
aber auch ein unmittelbares Zeugniss dafür. In dem nun höchst
seltenen und längst verschollenen croatischen Bauernkalender
Danica zagrebacCka za prestupno löto 1850. Seite 117
findet sich folgendes Geschichtchen, das ich seiner Wichtigkeit
halber zugleich im Texte mittheilen will: „Leto 1531. j«
bila nekakva poSast, koja se imenuje Skrapec (dialectische
Nebenform von Skratelj) ili S$umskivrag, pod ladanjem (?
Kardinala i Er&eka vu Salcburgu, Matheja Lang vu Hauns
bergu vu lovu vlovljena. Ona je bila Zute boje, zevsema divja,
ıiti nikak ni hotela vu ljudi gledati, nego se vse zmir je
skrivala po kutih; na glavi je imala kokotovu roZu, Clovefanski
nblitaj z bradum, orlovske noge, l&pe oroslanske tace i pesji
rep, 1 Je poginula od glada, akoprem se njoj ]judi jesu milili.
“aju nudili i takaj silili, da bi jela i pila.“ (Im Jahre 1531
vurde ein Ungethüm [poSast wird auch für das deutsche Wort
‚Seuche“ gebraucht], das man Skrapec oder Waldteufe]
ıennt unter der Herrschaft [wahrscheinlich dürfte vladanjan
za lesen sein) des Cardinals und Herzogs von Salzburg
Mathias Lang in Haunsberg in der Jagd eingefangen. Sie
war [es war also eine Waldfrau] von gelber Farbe, vollends:
wild, und wollte um keinen Preis den Leuten ins Gesicht
schauen, sondern verbarg sich fortwährend in den Winkeln
zuf dem Kopf hatte sie einen Hahnenkamm (eigentlich: Hahnencose],
sie hatte ein männliches Gesicht mit einem Barte,
Adlerfüsse, schöne Löwentatzen und einen Hundsschwanz.
'Und] sie ist vor Hunger umgekommen, wenngleich ihr die
Leute schön thaten, ihr [Speisen] antrugen und sie so zu
zwingen suchten, dass sie Speise und Trank zu sich nehme.)
Ganz gewiss ist dieses Geschichtchen aus einer alten deutschen
Chronik übersetzt worden. Aehnliche Sagen mögen auf dem
selben Wege unter dem südslavischen Bauernvolke Verbreitung
gefunden haben. Die eigentlichen Sagen hat das Volk
vergessen, den Namen aber auf Vorstellungen übertragen, die
ihm viel geläufiger waren, Auf den Viljenak, den Gefährten
ler Vile (der südslavischen Waldfrauen) konnte der Name
Skratelj keine Anwendung finden, weil sich das Volk unter
einem Viljenak kein bösartiges Wesen vorstellt; das Nächstliegende
war, dass man an die Pest dachte, wozu zugleich
die vom Volke angenommene Etymologie des Wortes eine
scheinbare Berechtigung gab.
)ffentlicht worden. Was ich im Folgenden biete,
schöpfe ich theils aus eigener Erinnerung, theils aus
len Mittheilungen eines Freundes und verschiedenen
anderen Quellen, die ich jedesmal angeben will.
I. Die Pest im Sprichwort.
Küpi kao kuga djecu.
Rafft wie die Pest die Kinder.
Ne izbiva kao kuga iz Sarajeva.
Fehlt nicht (d. h. stellt sich pünktlich jedesmal ein) wie
die Pest in Sarajevo.“
Kud Ge kuga ve@ u Sarajevo?
Wohin wendet sich die Pest als nach Sarajevo.
Aus letzteren zwei Sprichwörtern ersieht man,
lass das Volk sich vollkommen bewusst ist, wer der
igentliche Einschlepper der Pest sei. Wenn Einer
»esonders entsetzt thut, so pflegt man in Slavonien zu
ragen: „Sta ti je? jesil tursku kugu vidio?“ (Was
ehlt Dir? Hast Du die türkische Pest gesehen?)
Ne Ge kuga u buhe,
Die Pest überfällt die Flöhe nicht,
sagt zuweilen scherzweise der slavonische Bauer für
lie gewöhnlichere Redewendung: „ne Ce grom u
<oprive“ (der Blitz schlägt nicht in Brennnesseln ein).
Inwillkürlich denkt man hiebei an das Horaz’sche
Petunt fulmina summa montium“, was vielleicht
zleichfalls auf eine volksthümlicehe Ausdrucksweise
zurückzuführen sein dürfte.
Ne bi jih ni kuga pomorila.
Nicht einmal die Pest könnte sie (Alle) hinraffen,
agt der slavonische Bauer, wenn er ein Uebel verwünscht,
das er gerne missen möchte, z. B. Heuschrecken,
Raupen, Fliegen, die ihm lästig fallen.
Ne bi se Covjek ni okuZio,
Daran) könnte ein Mensch nicht einmal pestkrank werden,
flegt man einem Gast beispielsweise zu sagen, wenn
ar wenig Speise und Trank zu sich nimmt und so
len gastfreundlichen Hausherrn kränkt. Er isst nämlich
so wenig, dass es ihm nicht einmal in dem Falle
schaden würde, wenn die Speisen verpestet wären !),
BiZi Rade, kuga mori!
Fliehe Rade, die Pest würgt!
Wie mir im Jahre 1869 mein damaliger Lehrer,
ler jetzige Gymnasialdirector in Essek, Herr MArTo
4RSKOVIC, erzählte, ist dies im kroatischen Küstenande
ein geflügeltes Wort, das man gebraucht, wenn
nan irgend eine schlechte und unrichtige Erklärung
ächerlich machen will. Folgende Anekdote liegt ihm
zu Grunde. Pera und Rade, zwei tapfere kroatische
Grenzsoldaten, die kein Wort Italienisch verstanden,
1) Vergl. „Sbirka hrvatskih narodnih poslovicah i rieGih
sabrao MıJyAat StoJAnovıic, u Zagrebu 1866. S. 255 f.