Religion der Apapocüva-Guaraní,
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und Kreise vor. Diese letzteren werden mit einem als Stempel dienenden
Stückchen Bambü aufgedrückt. Seltener ist eine Linie, welche von den
Haarwurzeln zum Kinn verlaufend, das Gesicht halbiert. Noch andere
beklecksen sich in unschöner Weise, indem sie sich die rotgefärbten
Finger auf Stirn und Wangen abwischen. In Matto Grosso kommt auch
schwarzblaue Bemalung mit Genipapo (andypd) vor, welche die Kayguá
sehr lieben. Im Osten sieht man dagegen nur die rote Bemalung mit
Urueü (yruc&). Auch dieser Brauch wird jedoch immer seltner.
Ich will nun noch einiges zu dem Verlauf des eigentlichen Tanzes
bemerken. Wie ich schon auf Seite 338 erwähnte, sind manche Indianer
ungemein schnell bei der Hand mit ihrem Medizingesang. Die geringste
Schwierigkeit oder Unannehmlichkeit, ja eine blofie Mifistimmung, über
die sie sich selbst nicht einmal genauere Rechenschaft geben können,
gibt ihnen zum Gesang Anlafi. Ich glaube, dai, wenn an einer Stelle
auch nur 50 Indianer beisammenwohnen, kaum eine Nacht vergeht, in der
nicht der eine oder der andere seinen Medizingesang anstimmt. Ernster
ist es schon, wenn der Betreffende zur Begleitung von Taquara und Rassel
singt, dann ist es schon angebracht, daß man am andern Morgen hingeht
und hört, was los war. Daß sich die Bande aber mehr oder weniger voll-
zählig um ihre Medizinmänner im Tanzhause schaart, kommt nur vor,
wenn es sich um Fragen von allgemeinem Interesse handelt. Eine Sorge,
die alle beschäftigt, eine Gefahr, die der Bande droht, und wäre es auch
nur in der Phantasie des Medizinmannes, eine Epidemie, ein gemeinsames
Unternehmen, dann aber auch hier manchmal ein allgemeines, unerklär-
liches Mifibehagen, ja selbst blofe Freude an der Handlung führen dann
die Apapocûva in ihrem Tanzhause zusammen. Eine formliche Aufforderung
dazu läft jedoch der Medizinmann niemals ergehen. Er erzählt seine
Träume und seine Befürchtungen irgendeinem, den er gerade trifft, dieser
trägt sie weiter; die, welche sie hören, kommen überein, abends nach dem
Tanzhause zu gehen, und, ehe es dunkel wird, findet sich einer nach dem
andern mit Weib, Kind und Hunden dort ein, zündet im Hintergrund des
Hauses oder außerhalb desselben. sein Feuerchen an und macht es sich
so bequem wie möglich. Wenn es sich um eine sehr ernste Sache
handelt, so daß viele Leute zu erwarten sind und der Tanz bis Sonnen-
aufgang dauern dürfte, so sorgt man auch für Honig und kocht Mais für
den Cagw;jj1) denn etwas anderes zu sich zu nehmen ist während des
Tanzens streng verpónt. 1912 bestand am Araribá eine kleine Gruppe
On sechs Familien, welche jede Woche zweimal des Nachts sich im Tanz-
hause um ihre Medizinménner Neénguei und Tangara versammelte, gleich
als hielte sie regelmäßigen Gottesdienst ab.
1) Der Mais wird durch Stofen im Mórser mit etwas Asche, Stroh und Wasser
Sauber von. der Spreu gereinigt, wobei die Körner ganz bleiben, und dann in großen
Tópfen 8ekocht. Darauf werden die Körner von jungen Mädchen, welche gute
Zähne haben, durchgekaut, die Brühe darüber gegossen und das Gefäß auf die Seite
gestellt. Schon am folgenden Morgen hat es angefangen zu gären und bildet einen
erfrischenden und wohlschmeckenden Frühtrunk. Stärker gegorene Getränke
(Caguiai) lieben die Kayguá bei ihren profanen Tünzen.