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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 46.1914

Religion der Apapocüva-Guaraní, 
54. 
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und Kreise vor. Diese letzteren werden mit einem als Stempel dienenden 
Stückchen Bambü aufgedrückt. Seltener ist eine Linie, welche von den 
Haarwurzeln zum Kinn verlaufend, das Gesicht halbiert. Noch andere 
beklecksen sich in unschöner Weise, indem sie sich die rotgefärbten 
Finger auf Stirn und Wangen abwischen. In Matto Grosso kommt auch 
schwarzblaue Bemalung mit Genipapo (andypd) vor, welche die Kayguá 
sehr lieben. Im Osten sieht man dagegen nur die rote Bemalung mit 
Urueü (yruc&). Auch dieser Brauch wird jedoch immer seltner. 
Ich will nun noch einiges zu dem Verlauf des eigentlichen Tanzes 
bemerken. Wie ich schon auf Seite 338 erwähnte, sind manche Indianer 
ungemein schnell bei der Hand mit ihrem Medizingesang. Die geringste 
Schwierigkeit oder Unannehmlichkeit, ja eine blofie Mifistimmung, über 
die sie sich selbst nicht einmal genauere Rechenschaft geben können, 
gibt ihnen zum Gesang Anlafi. Ich glaube, dai, wenn an einer Stelle 
auch nur 50 Indianer beisammenwohnen, kaum eine Nacht vergeht, in der 
nicht der eine oder der andere seinen Medizingesang anstimmt. Ernster 
ist es schon, wenn der Betreffende zur Begleitung von Taquara und Rassel 
singt, dann ist es schon angebracht, daß man am andern Morgen hingeht 
und hört, was los war. Daß sich die Bande aber mehr oder weniger voll- 
zählig um ihre Medizinmänner im Tanzhause schaart, kommt nur vor, 
wenn es sich um Fragen von allgemeinem Interesse handelt. Eine Sorge, 
die alle beschäftigt, eine Gefahr, die der Bande droht, und wäre es auch 
nur in der Phantasie des Medizinmannes, eine Epidemie, ein gemeinsames 
Unternehmen, dann aber auch hier manchmal ein allgemeines, unerklär- 
liches Mifibehagen, ja selbst blofe Freude an der Handlung führen dann 
die Apapocûva in ihrem Tanzhause zusammen. Eine formliche Aufforderung 
dazu läft jedoch der Medizinmann niemals ergehen. Er erzählt seine 
Träume und seine Befürchtungen irgendeinem, den er gerade trifft, dieser 
trägt sie weiter; die, welche sie hören, kommen überein, abends nach dem 
Tanzhause zu gehen, und, ehe es dunkel wird, findet sich einer nach dem 
andern mit Weib, Kind und Hunden dort ein, zündet im Hintergrund des 
Hauses oder außerhalb desselben. sein Feuerchen an und macht es sich 
so bequem wie möglich. Wenn es sich um eine sehr ernste Sache 
handelt, so daß viele Leute zu erwarten sind und der Tanz bis Sonnen- 
aufgang dauern dürfte, so sorgt man auch für Honig und kocht Mais für 
den Cagw;jj1) denn etwas anderes zu sich zu nehmen ist während des 
Tanzens streng verpónt. 1912 bestand am Araribá eine kleine Gruppe 
On sechs Familien, welche jede Woche zweimal des Nachts sich im Tanz- 
hause um ihre Medizinménner Neénguei und Tangara versammelte, gleich 
als hielte sie regelmäßigen Gottesdienst ab. 
1) Der Mais wird durch Stofen im Mórser mit etwas Asche, Stroh und Wasser 
Sauber von. der Spreu gereinigt, wobei die Körner ganz bleiben, und dann in großen 
Tópfen 8ekocht. Darauf werden die Körner von jungen Mädchen, welche gute 
Zähne haben, durchgekaut, die Brühe darüber gegossen und das Gefäß auf die Seite 
gestellt. Schon am folgenden Morgen hat es angefangen zu gären und bildet einen 
erfrischenden und wohlschmeckenden Frühtrunk. Stärker gegorene Getränke 
(Caguiai) lieben die Kayguá bei ihren profanen Tünzen.
	        
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