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Bibliographische Daten: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde, 5.1959

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Walter Vogel 
langen Weg aber vollzieht sich eine tiefgreifende Wandlung seines Sinnes. We** 
Mathesius’ Metaphern und Allegorien wesentlich Mittel religiös-gesellschaftliche 1 ' 
Einwirkung sind, wird insbesondere die Metaphorik in den Händen seiner Nach' 
fahren zum virtuos gehandhabten Instrument geistlicher Rhetorik, gleichviel ob aal 
der Kanzel oder im religiösen Schrifttum. Daß diesem Vorgang eine Wandlung h eS 
Formwillens zugrundeliegt, sei durch Gegenüberstellung zweier dichterische 1 
Erzeugnisse gezeigt, die um rund ein halbes Jahrhundert auseinanderliegen. 
Der 1613 verstorbene Kaiserliche Rat und Berghauptmann Holtzel vo* 
Sternstein in Joachimsthal hat für sein Grabmonument die folgende Inschrift 
selbst verfaßt: 
Hier liegt mein Leib wie ein taub Gestein / 
Zuzwetzscht wie ein Felsen klein / 
Hält eben nichts und ist gantz öd / 
Biß er im Grab sein Schicht aufffährt: 
Ruht in dem Schurff mit gutem Fried / 
Kein Angst / kein Noth ihn nicht mehr rührt. 
Das edle Geschick die Seele sein / 
Rieht sich zum rechten Hauptgang ein; 
In Gottes Schoß verwahret wohl / 
Biß der Leib wieder anfahren soll 
In schönen Schacht zur ewigen Freud: 
Wenn denn wird kommen zu rechter Zeit 
Der himmlische Steiger Gottes Sohn / 
Wird ruffen und laut schreyen thun: 
Steht auf! / fahrt an / kommt zu Gericht / 
Ein ieder seinen Anschnitt rieht; 
Alsdenn mein Leib sich regen wird / 
Neu angethan / clarificirt / 
zu fahren in das ewige Leb’n / 
Welches mir Gott zur Außbeuth geb’n, 
Darmit sein bitter Leyden und sterb’n 
An mir nicht lassen verlohren werden. Amen! 11 ) 
Alle Metaphern dieses Grabgedichts finden sich bereits in der SarepU 
nicht gehäuft auf, immerhin aber dicht genug, daß das Ganze zwischen 
und ausgeformter Allegorie die Mitte hält. 
Mit der Joachimsthaler Grabschrift läßt sich das Leichencarmen vergleichet 
das der Annaberger Rektor Johannes Vogelhaupt 1669 dem Andenken des Schn ee ' 
berger Bergpredigers Christoph Schindler widmete: 
So macht Herr Schindler Schicht: Er hat bey fünfzig Jahren 
Die Fundgrub heilger Schrift mit großem Fleiß befahren, 
Viel Silbergäng erschürft, geschmelzt und gut gemacht, 
Aus Christi Wundenritz rothgölden Erz gebracht. 
Er hat auf mancher Zech mit seiner Lehr gebauet, 
Ihm ward sein Vaterland auch endlich an vertrauet, 
1. Sie trete* 
Metaphorik 
u ) (Chr. Meltzer: Beschreibung der Bergk-Stadt Schneeberg. 1684, S. 646.)
	        
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