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blick?, konntest Dich aber wenig damit anfreunden,
wenn sich die Jüngeren für das alte Thema Schama-
nismus erneut interessierten und begeistert aufge-
griffen haben, so auch in Lehrveranstaltungen, wc
mit der Selbsterfahrung und den Sinnen als Erweite-
zung von Lernfeldern lockerer umgegangen wird.
Du warntest noch in unserer curare vor Entwicklun-
gen, wie die in der Rubrik Erthnomedizin in der Leh
re von Andritzky (1983) 10 angesprochenen bei Dei-
1em Bericht zur Ethnomedizin in der Lehre in Hei:
delberg (1985)!
Ich stelle mir vor, dass Du im Sommer zwischen
Rosensträuchern sitzt und vielleicht einen schönen
gewölbten begrünten Torbogen über Dir hast und
Du plötzlich eine Verbindung zwischen Dir, der
Erde und dem, was darüber ist, bemerkst. Ich sage
dies so, obwohl ich natürlich weiß, dass Dir als ei:
aem tief religiösen Menschen dies keineswegs et-
was Fremdes ist. Nur, sollen solche sinnhafteren Er-
fahrungsbereiche als Erkenntnis- und Verständnis-
möglichkeiten aus dem universitären Rahmen
ausgegrenzt werden? Eben hier bedarf es noch inte:
grierender Personen im Lehrbetrieb, die bereit sind,
konventionelle Denkmuster zu überschreiten, nicht
aur in der Medizin, sondern auch und gerade in der
Ethnologie, und gerade beim Thema Schamanis-
mus. Das Logo auf der ersten Zeitschrift der Ar-
beitsgemeinschaft Ethnomedizin, der von Sterly
nerausgegebenen „Ethnomedizin‘“ (1971 - 1982)
zeigt Ja sogar einen Schamanen. Vielleicht führt
eine wirklich konsequent angewandte „kulturver-
gleichende medizinische Anthropologie“ dazu, all
das, was mit dem Schamanenkomplex zusammen
gesehen werden kann, sinnvoll auch in einem mo-
dernen medizinischen Denken und Planen von Me-
dizin im Gesundheitswesen zu verorten. Vielleicht
tragen dazu viele kleine Bausteine bei, wie der oben
zitierte Beitrag von Dir über den Umgang mit der
Nachgeburt im ländlichen Korea. Herzlichen
Glückwunsch zum 70sten Geburtstag.
MAGEM 24/2003
Anmerkungen
1. curare 16, 3 + 4 (1993) 161-188 mit Beiträgen von Katari-
na GREIFELD, Renaud VAN QUEKELBERGHE und Wulf
SCHIEFENHÖVEL, einer Laudatio von Hans Jochen DIES-
FELD und einer Dankadresse von Angelika DEIGNER
Schriftenverzeichnis, siehe dort S.165-170,
1993. Medizin und Kultur, Eine Propädeutik für Studieren-
de der Medizin und der Ethnologie mit vier Seminaren in
Kulturvergleichender Medizinischer Anthropologie
/KMA). (Schriftenreihe Medizin in Entwicklungsländer
34). Frankfurt: Lang (2. Auflage 1995)
zurare 15, 1 +2 (1992) 111-120.
1995. Geburtshilfliche Pathologie im Schnittpunkt des tra-
ditionellen und modernen geburtshilflichen Systems in Ko-
rea. In SCHIEFENHÖVEL W., SICH D. & GOTTSCHALK-
BATSCHKUSS C. E. Gebären — ethnomedizinische Perspek-
tiven und neue Wege. (curare-Sonderband 8) Berlin:
VWB: 187-200 (Erstveröffentlicht 1983 in curare-Sonder-
tand 1: 21-40)
curare 1, 1 (1978) 25-30.
‘n dem Artikel „Naeng: Begegnung mit einer Volkskrank-
heit in der modernen, frauenärztlichen Sprechstunde in Ko-
rea“. curare 2,2 (1979) 87-96, reprint curare 25,1+2 (2002)
117-122.
curare 5, 4 (1982) 245-249.
z.B. ILLHARDT F.J, & EFFELSBERG W. (Hg) 1994. Medizin
in multikultureller Herausforderung: Workshop der Akade-
nie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz am 4./5.
Jezember 1992. Stuttgart, Jena, New York: G. Fischer, mit
20 Beiträgen.
SICH D. 1980. Ein Beitrag zur Volksmedizin und zum
Schamanismus in Korea. curare 3,4: 209-216; Titelbild
nd Text curare 2,4(1979): Eine Mudang.
Andritzky W. 2002. Ethnomedizin im Medizinstudium.
Gedanken zu einem Seminar in Berlin. curare 25,1+2: 284-
286 (reprint aus curare 1983).
SICH D.1985. Ethnomedizinische Aktivitäten an der Uni
versität Heidelberg. curare 8,4: 299-300.
)
EKKEHARD SCHRÖDER
Potsdam, im Herbst 2003
VWB - Verlag für Wissenschaft und Bildung