Sir Joseph D . Hooker's Reise in Marokko .
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Spur von der Existenz einer andern Schrift , als dieser bei den Wilden gefunden . Man trifft wohl Tafeln mit Schrift - zügen , welche über den Dorfstraßen aufgehängt werden , das sind aber laotische Charaktere , die von laotischen Bonzen für Geld geschrieben und von den abergläubischen Wilden , die nicht schreiben können , als Talismane verwendet werden . Das Nachtquartier wurde im Dorfe Mnn - hu gemacht . Hier mußte Harmand wegen Papiermangels das Botanisiren gänzlich aufgeben und sich auf die Zoologie beschränken ; hier verließen ihn auch feine Kornaks ans Attopen , und Bolo - wens traten an ihre Stelle , während die Elephanten blieben .
2 8 . März . Die schon gestern merklich sich senkende Straße fällt heute rasch über große trockene , mit vulkanischem Gestein gleichsam gepflasterte Lichtungen ab . Alle Bäche liegen hier trocken ; die Wüste beginnt wieder . Nur verein - zelt zeigt sich noch Wald , so an einem steilen AbHange riesige Sterculiaceeu , die größten Bäume die Harmand je zu sehen bekommen hat . Doch mit dem Zauber des Hochlandes war es vorbei , und deshalb war es des Reisenden einziges Ve - streben , so rasch als möglich vorwärts zu kommen nnd Vassak wieder zu erreichen . Die Nacht vom 30 . zum 31 . März verbrachte er in Nong - het , einem Dorfe von Bolowcus
Schrift der Kh^s .
die nur uoch Laotisch sprechen können , und entrüstet darüber sind , daß man sie für Wilde hält . Dasselbe wiederholt sich häufig , besonders in Kambodja : sobald Khks oder Penongs glauben , daß sie andere über ihren wahren Ursprung täuschen können , verleugnen sie denselben vollständig , und da drei Viertheile der Laos mit wildem Blute gemischt sind , so ist die Unterscheidung sehr schwer . Namentlich am linken Ufer des Me - khong behaupten Laos vom reinsten Blute , daß man einen KHK , nur an feinem weit durchbohrten Ohre von einem Lao nuterscheideu könne .
Mit dem 31 . März betrat man das häßliche Land der Waldblößen von Neuem , und die Hitze machte sich um so fühlbarer , als der Reisende durch das angenehme Klima des Hochlandes verwöhnt worden war . Ein langer Marsch brachte ihn an die Ufer des Me - khong , gegenüber der großen Insel Dün - Deng , etwas nördlich von dem Punkte , von wo er ans - gezogen war . Er übernachtete in der dort befindlichen Pa - gode und ließ sich nach unendlichen Erörterungen am folgen - den Morgen nach Bassak übersetzen , welches er 40 Tage zuvor verlassen hatte .
Sir Joseph D . Hook
Schon seitdem der Weg über die Hochebene führte , hatte die Kette des Großen Atlas , die deutlicher und immer deut - licher gegen den Horizont sich abzeichnete , den willkommen - sten Ailblick gewährt , jetzt zeigte sich davor ein hochragender schlanker Thurm , die Kutubia von Marokko ; statt der blen - deudeu kahlen Ebene breiteten sich zu beiden Seiten des Weges kleine Wälder von Oliven - und Feigenbänmen ans , Gärten hinter hohen Mauern schlössen sich daran ; und bald lag die mächtige Stadt vor den Blicken der Reisenden , weit - hin sich ausdehnend und rings von einer starken etwa 30 Fuß hohen Mauer umgeben , die in Zwischenräumen von 120 m mit viereckigen Thurmen besetzt ist . — Schon vor dem Thore der Stadt wurden die Ankommenden von Mr . Huuot , dem einzigen zur Zeit in Marokko ansässigen Vertreter eines europäischen Handelshauses , begrüßt ; seiue Berichte über die augenblicklich in der Stadt herrschenden Zustände , die ihn selber ein baldiges Verlassen derselben in Aussicht nehmen ließen , lauteten so ungünstig wie möglich . Der Fanatismus der Einwohner , ihr Haß gegen alle Anders - gläubigen und Ausländer , macht schon unter gewöhnlichen Verhältnissen den Aufenthalt in der Südhanptstadt zu einer gewagten Sache für jeden Europäer . Jetzt wurde die Situation noch bedenklicher gemacht durch eine offene Feindschaft zwischen Ben Daud , dem Gouverneur der Stadt , und dem Statthalter der Atlasprovinzen , dem mächtigen El Graui , der , ein Günstling des Sultans , seit einiger Zeit seinen Wohnsitz in Marokko genommen hatte . Nach
er " s Reise in Marokko .
dem Befehle des Snltans hatte El Graui für die Engländer einen ehrenvollen Empfang bereiten , ein ausreichendes Quar - tier iu Stand fetzen lassen wollen ; dem hatte der Andere sich widersetzt , und der Vicekönig Muiel ) Hassan , des Sick tans ältester Sohn , sollte im Geheimen ihn darin unterstützt haben . So war denn die Aufnahme der Fremden nichts weniger als freundlich ; von einer Abtheilung Soldaten am Thore empfangen , wurden sie zwischen hohen Gartenmauern entlang und durch zahllose Gassen und Gäßchen , die auf allen Seiten die höchstmögliche Potenz von Ilnsanberkeit zeigten , zu dem für sie bestimmten Quartier geleitet , einem kleinen , schmutzigen Hause in einer finstern Gasse , in dem auch nicht die Hälfte der zahlreichen Reisegesellschaft Platz gefunden hätte . Hooker , durch längern Aufenthalt in In - dien an den Umgang mit fanatischen Mohammedanern wöhnt und wohl wissend , daß einmaliges Nachgeben soviel wie unterliegen bedeutet , ließ von dem Gouverneur sogleich die Anweisung eines andern Hauses verlangen — dem ersten Boten wnrde eine abschlägige , dem zweiten eine ausweichende Antwort gegeben — , man sandte Beschwerden an El Graui , an den Viceköuig ; mehrere Stunden vergingen in ärger - lichen Verhandluugeu , schon wollten die Reisenden , welche die ganze Zeit zu Pferde wartend in der schmutzigen Gasse zugebracht hatten , die Stadt verlassen und ihre Zelte vor den Thoren ausschlagen , da kam endlich der Bescheid , daß am nächsten Tage für ein besseres Unterkommen gesorgt werden würde , daß man für diese Nacht aber sich nach