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Volltext: Curare, 16.1993

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schäftigen, einen sinnvollen Überblick über Norm- 
werte und Variabilitätsbereiche von Körpermaßen 
und anderen körperlichen Merkmalen geben sollte: 
wurde in den Jahren 1982 bis 1984 eine repräsen- 
tatıve Stichprobe von 3.525 Männern und 3.387 
Frauen im Altersbereich zwischen 18 und 70 
Jahren anthropometrisch eingehend untersucht 
Die Stichprobe war anteilmäßig an der Bevöl 
kerung der damaligen DDR geschichtet nach 
Geschlecht, Alter, Bundesland, bzw. Bezirk unc 
Größe des Wohnorts. Zur Einschätzung des so- 
zialen Status wurden u.a. der Beruf und die kör 
perliche Belastung im Beruf erfaßt (GreıL 1988) 
Die Repräsentativität war auf 95 % statistische Si. 
cherheit ausgelegt und es wurden von jedem Pro- 
banden neben weiteren sozialen und gesundheit 
lichen Kriterien 108 Körpermaße bestimmt und 
ausgewertet. Ab 1987 wurde nach einem reduzier- 
ten Untersuchungsprogramm von 32 aus denm. 
Meßprogramm für Erwachsene ausgesuchten Kör- 
permaßen und einer Reihe von sozialen Merk: 
malen eine ebenfalls für die ostdeutsche Bevöl 
kerung repräsentative Stichprobe für den Alters 
bereich von der Geburt bis zum 19. Geburtstag un- 
tersucht. Die Reduktion des anthropometrischen 
Programms ergab sich vor allem daraus, daß nur 
Körpermaße einbezogen werden konnten, die be- 
reits im Neugeborenenalter bestimmbar sind. Die 
Schichtung erfolgte wiederum nach Geschlecht. 
Alter, territorialer Lage und Größe des Wohnorts. 
Als soziale Indikatoren wurden der Ausbildungs 
stand der Eltern, die Geschwisterzahl und der Be 
such von Kinderkrippe, Kindergarten oder Schul. 
hort erfaßt. Bei gleichem Repräsentativitätsniveau 
wie bei der Erwachsenenstichprobe mußten 
18.123 männliche und 21.391 weibliche Pro- 
banden untersucht werden. Da das 19. Lebens- 
jahr bei beiden Stichproben berücksichtigt war, 
konnte abgesichert werden, daß säkulare Ver- 
inderungen im Körperbau in der Zeit zwischen 
1984 und 1987 nicht nachweisbar waren. Dies 
»ildete die Voraussetzung für die statistische 
Kopplung beider Stichproben. Damit entstand eine 
einmalige anthropometrische Datenbasis für den 
gesamten Altersbereich von der Geburt bis zum 
Greisenalter, Sie erlaubt eine Untersuchung viel- 
fältiger theoretisch-humanbiologischer und praxis- 
bezogener Fragestellungen und bildet auch eine 
geeignete Basis für eine Analyse der alters- und 
geschlechtsspezifischen Besonderheiten des Er- 
nährungszustands. Selbstverständlich können die 
GREIL 
an der ostdeutschen Bevölkerung gewonnenen Er 
gebnisse nicht kritiklos verallgemeinert werden. 
Der BMI muß an seinen Durchschnittswerten in 
jeder anderen Bevölkerung neu geeicht werden. 
um ein brauchbares Instrument zur Beurteilung 
des‘ Ernährungszustands zu sein. Das an der unter: 
suchten Population erhaltene charakteristische 
Bild des geschlechtsspezifischen Alterswandels 
über einen so großen Altersbereich hinweg dürfte 
jedoch weithin Gültigkeit haben. 
3. Normwerte, Variabilitätsberciche und 
Gruppenspezifik der Körpermasse 
Sicherlich ist die Körpermasse das am häufigsten 
untersuchte Körpermaß. Unmittelbar nach der Ge- 
burt wird das Geburtsgewicht bestimmt. Die Ge- 
wichtszunahme während der ersten Lebensmonate 
und Lebensjahre wird überwacht als Indikatoı 
einer normalen körperlichen Entwicklung. Beim 
gesunden Menschen nimmt in den Folgejahren das 
Interesse am eigenen Körpergewicht in der Regel 
ab. Erst wenn wir im Rückbildungsalter mehr als 
bisher an Körpermasse zunehmen, obwohl die kör- 
perliche Entwicklung in allen Längendimensionen 
längst abgeschlossen ist, wird die Körpermasse 
wiederum kritisch beobachtet. Abb. 1 zeigt die 
durchschnittliche geschlechtsspezifische Körper- 
masse von der Geburt bis zum Greisenalter. Im 
Mittel kommen Jungen mit einem Geburtsgewicht 
von 3300 g zur Welt. Mädchen werden um 
durchschnittlich 100 g leichter geboren. Dieser 
geschlechtsspezifische Unterschied wird seit vie- 
len Generationen beobachtet. Seit Beginn unseres 
Jahrhunderts haben die Geburtsgewichte für beide 
Geschlechter im Zuge der säkularen Akzeleration 
deutlich zugenommen. Ein Höhepunkt wurde in 
Ostdeutschland Mitte der siebziger Jahre erreicht. 
Die heutigen Geburtsgewichte liegen jedoch im 
Sinne einer beginnenden säkularen Dezeleration 
etwas niedriger als vor 15 oder 20 Jahren. Erst 
dreijährige und ältere Kinder und Jugendliche sind 
wie Erwachsene im Generationenvergleich heute 
im Durchschnitt schwerer als in der Vergangen- 
heit. 
Im Ontogeneseverlauf nimmt beim Neuge- 
borenen nach einer kurzen Phase der Adaptation 
an die Außenwelt die Körpermasse während des 
ersten Lebensjahres so stark zu wie niemals wie- 
der im späteren Leben. Gleichzeitig steigt ihre
	        
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