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schäftigen, einen sinnvollen Überblick über Norm-
werte und Variabilitätsbereiche von Körpermaßen
und anderen körperlichen Merkmalen geben sollte:
wurde in den Jahren 1982 bis 1984 eine repräsen-
tatıve Stichprobe von 3.525 Männern und 3.387
Frauen im Altersbereich zwischen 18 und 70
Jahren anthropometrisch eingehend untersucht
Die Stichprobe war anteilmäßig an der Bevöl
kerung der damaligen DDR geschichtet nach
Geschlecht, Alter, Bundesland, bzw. Bezirk unc
Größe des Wohnorts. Zur Einschätzung des so-
zialen Status wurden u.a. der Beruf und die kör
perliche Belastung im Beruf erfaßt (GreıL 1988)
Die Repräsentativität war auf 95 % statistische Si.
cherheit ausgelegt und es wurden von jedem Pro-
banden neben weiteren sozialen und gesundheit
lichen Kriterien 108 Körpermaße bestimmt und
ausgewertet. Ab 1987 wurde nach einem reduzier-
ten Untersuchungsprogramm von 32 aus denm.
Meßprogramm für Erwachsene ausgesuchten Kör-
permaßen und einer Reihe von sozialen Merk:
malen eine ebenfalls für die ostdeutsche Bevöl
kerung repräsentative Stichprobe für den Alters
bereich von der Geburt bis zum 19. Geburtstag un-
tersucht. Die Reduktion des anthropometrischen
Programms ergab sich vor allem daraus, daß nur
Körpermaße einbezogen werden konnten, die be-
reits im Neugeborenenalter bestimmbar sind. Die
Schichtung erfolgte wiederum nach Geschlecht.
Alter, territorialer Lage und Größe des Wohnorts.
Als soziale Indikatoren wurden der Ausbildungs
stand der Eltern, die Geschwisterzahl und der Be
such von Kinderkrippe, Kindergarten oder Schul.
hort erfaßt. Bei gleichem Repräsentativitätsniveau
wie bei der Erwachsenenstichprobe mußten
18.123 männliche und 21.391 weibliche Pro-
banden untersucht werden. Da das 19. Lebens-
jahr bei beiden Stichproben berücksichtigt war,
konnte abgesichert werden, daß säkulare Ver-
inderungen im Körperbau in der Zeit zwischen
1984 und 1987 nicht nachweisbar waren. Dies
»ildete die Voraussetzung für die statistische
Kopplung beider Stichproben. Damit entstand eine
einmalige anthropometrische Datenbasis für den
gesamten Altersbereich von der Geburt bis zum
Greisenalter, Sie erlaubt eine Untersuchung viel-
fältiger theoretisch-humanbiologischer und praxis-
bezogener Fragestellungen und bildet auch eine
geeignete Basis für eine Analyse der alters- und
geschlechtsspezifischen Besonderheiten des Er-
nährungszustands. Selbstverständlich können die
GREIL
an der ostdeutschen Bevölkerung gewonnenen Er
gebnisse nicht kritiklos verallgemeinert werden.
Der BMI muß an seinen Durchschnittswerten in
jeder anderen Bevölkerung neu geeicht werden.
um ein brauchbares Instrument zur Beurteilung
des‘ Ernährungszustands zu sein. Das an der unter:
suchten Population erhaltene charakteristische
Bild des geschlechtsspezifischen Alterswandels
über einen so großen Altersbereich hinweg dürfte
jedoch weithin Gültigkeit haben.
3. Normwerte, Variabilitätsberciche und
Gruppenspezifik der Körpermasse
Sicherlich ist die Körpermasse das am häufigsten
untersuchte Körpermaß. Unmittelbar nach der Ge-
burt wird das Geburtsgewicht bestimmt. Die Ge-
wichtszunahme während der ersten Lebensmonate
und Lebensjahre wird überwacht als Indikatoı
einer normalen körperlichen Entwicklung. Beim
gesunden Menschen nimmt in den Folgejahren das
Interesse am eigenen Körpergewicht in der Regel
ab. Erst wenn wir im Rückbildungsalter mehr als
bisher an Körpermasse zunehmen, obwohl die kör-
perliche Entwicklung in allen Längendimensionen
längst abgeschlossen ist, wird die Körpermasse
wiederum kritisch beobachtet. Abb. 1 zeigt die
durchschnittliche geschlechtsspezifische Körper-
masse von der Geburt bis zum Greisenalter. Im
Mittel kommen Jungen mit einem Geburtsgewicht
von 3300 g zur Welt. Mädchen werden um
durchschnittlich 100 g leichter geboren. Dieser
geschlechtsspezifische Unterschied wird seit vie-
len Generationen beobachtet. Seit Beginn unseres
Jahrhunderts haben die Geburtsgewichte für beide
Geschlechter im Zuge der säkularen Akzeleration
deutlich zugenommen. Ein Höhepunkt wurde in
Ostdeutschland Mitte der siebziger Jahre erreicht.
Die heutigen Geburtsgewichte liegen jedoch im
Sinne einer beginnenden säkularen Dezeleration
etwas niedriger als vor 15 oder 20 Jahren. Erst
dreijährige und ältere Kinder und Jugendliche sind
wie Erwachsene im Generationenvergleich heute
im Durchschnitt schwerer als in der Vergangen-
heit.
Im Ontogeneseverlauf nimmt beim Neuge-
borenen nach einer kurzen Phase der Adaptation
an die Außenwelt die Körpermasse während des
ersten Lebensjahres so stark zu wie niemals wie-
der im späteren Leben. Gleichzeitig steigt ihre