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ELISABETSKY Elaine und Darrell Addison POSEY 1989 Use of Contraceptive and Related
Plants by the Kayapö Indians (Brazil) Journal of Ethnopharmacology 26: 299-316
wendung der Pflanzen bemüht. Die offenbar häufig
unregelmäßige Menstruation vieler kayapo Frauen,
auch schon von früheren Forschern beobachtet, wird
wahrscheinlich durch bestimmte Kontrazeptiva bestimmt,
die der Auskunft zufolge „den Frauenkörper
austrocknen“, d.h. Empfängnis aber auch den Milchginschuß
verhindern. Die Nebenwirkungen dieser
und verwandter Mittel sind alle noch nicht untersucht!
Dann gibt es Pflanzen, die die Menstruation
unterbrechen wobei nicht beschrieben wird, warum
das nötig sein sollte! — und in einigen Fällen dieselben
sind, die vor dem Geschlechtsverkehr als Konirazeptive
genommen werden. Andere Pflanzen bewirken
eine magische Empfängnis, denn nicht der
Kontakt mit dem Mann, sondern die Einnahme der
Pflanze gibt, der Annahme der kayapö Männer zu-"olge,
den Ausschlag. Die Kinder der Frau sind in
diesem Fall „Kinder der Pflanze‘, sagen Männer.
Übrigens ist der Unterschied, von welchem Geschlecht
welche Auskünfte gegeben werden, in dem
Text nicht immer genau herausgearbeitet! Das Geschlecht
der Kinder soll durch extern benutzte Pflanzen
bestimmt werden, auch der gewünschte
Schwarzton der Haare wird, so heißt es, durch bestimmte
Pflanzen bewirkt. Andere dienen der Maszage
der Schwangeren, der Kontrolle der post partum
Blutung und der Bannung von Krankheiten bei Neugeborenen.
Kontrazeptiva werden in einer mehrere
Gattungen und Arten umfassenden Gruppe unter einem
kayap6ö Begriff zusammengefaßt. Es gibt extern
and intern benutzte Kontrazeptiva. Einige dieser sollen
zeitlebens die Empfängnis verhüten, andere diese
Wirkung wieder aufheben. Eine cyanogenische Alkaloide
enthaltene Pflanze ist ein starkes Abortivum.,
Mehr als die Hälfte der Kontrazeptiva gehören zuden
botanischen Familien der Compositen, Orchideen
und Polygalaceen.
Die Autoren regen pharmakologische Untersuchungen
der von ihnen genannten und in mehreren
Listen aufgeführten Pflanzen an. Ein transkultureller
Vergleich, der Daten auch von außerindianischen
Zivilisationen aufnimmt, soll die „cross cultural effectiveness“
eingrenzen und nicht zuletzt die hohen
Kosten des Screenings begrenzen helfen. Die Genera
Polygala, Eupatorium, Cuphea und Hyptis sowie die
Orchidee E. Iucidum werden für weitere Untersuchungen
vorgeschlagen. Abschließend betonen die
Autoren die Notwendigkeit des Verständnisses spiritueller
Beziehungen zu physiologischen Prozessen.
„What has generally been ignored as being ‚nonscientific‘
can, after all, be a highly codified and
symbolic manner of recognizing...“
Claus Deimel
Books, curare 1/90
Obwohl die Kayap6o seit mehreren Jahrzehnten Kontakte
zu Missionaren und westlich geschulten Medizinern
haben, ist ihr autochthones medizinisches
„System“ noch weitgehend intakt. Sie unterscheiden
zwischen eigenen Krankheiten und solchen, die
durch den Weißen Mann in ihr Gebiet übertragen
werden. Zur Mitte dieses Jahrhunderts überstanden
sie die Dezimierung ihrer Bevölkerung durch fremde
Krankheiten. Sie unterscheiden zwischen spirituell
bedingten Krankheiten und anderen, haben Priester-Heiler
und Medizin-Heiler und kennen zahlreiche
pflanzliche Mittel. Komplizierte Pflanzenextrakte
gehören ebenso zu ihren Pharmakotechniken wie
Bäder, Massagen, Umschläge, Tees, Schlaftherapien
und Körperbemalungen mittels pflanzlicher Zubereitungen.
Bei einem Volk, dessen Jugend legitimerweise erotische
und sexuelle Spiele kennt, ist es nur natürlich,
daß mehrere Pflanzen zur Verstärkung oder Minderung
der Sexualität benutzt werden. Die Mittel werden
zu gegebener Zeit den Männern von den Frauen
eingeflößt. „Sexualspezialisten‘“, wie die Autoren es
nennen, sind überdies um die orthopraktische An-*
Zur Zeit Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung
bei der Zoologischen Staatssammlung in
München.