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Bibliographische Daten: Band: Sexualpathologie, 3, Störungen im Sexualstoffwechsel

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II. Kapitel: Hypererotismus 
obachten können, die man treffend als „w eiche Fanatiker“ be 
zeichnet hat. Während der Spartakuszeit hatte ich einige jüngere 
und ältere Männer zu begutachten, die an der Eroberung von Zei 
tungsgebäuden mit Waffengewalt-tätigen Anteil genommen hatten. 
Ich hatte kaum jemals verträumtere und sanftere Menschen ge 
sehen; Stimme, Gesichtszüge, Bewegungen verrieten dem Kenner 
deutlich die feminine Komponente ihrer Wesenheit; unwillkürlich 
erinnerte ich mich des Anarchisten Koscliemann, der mehrere 
Jahrzehnte zuvor einem Berliner Polizeidirektor eine Höllen 
maschine übersandte und uns alle durch sein mädchenhaftes Aus 
sehen und Gebaren vor Gericht in Erstaunen versetzte. Seltsamer 
und nur dem Tiefenpsychologen, vor allem dem Sexu al Psychologen 
begreiflicher Widerspruch! 
Her sadistische Drang kann sich auch auf tote Gegenstände, 
Abbildungen, Statuen, Kleidungsstücke und andere für menschlichen 
Gebrauch bestimmte Dinge erstrecken (s. Tafel II, S. 82). Hier kom 
biniert sich gewöhnlich der Zerstörungstrieb mit antifetischistischen 
Vorstellungen, die ihn aus! Ösen. Es fallen in dieses Gebiet nicht wenige 
Fälle befremdlicher Sachbeschädigung und Beleidigung, begangen 
von Personen, die beispielsweise Lackstiefeletten in Hotels mit dem 
Messer zerstechen, in Betten, die zum Sonnen ausgelegt sind, Löcher 
schneiden, helle Damengewänder zum Entsetzen ihrer Trägerinnen 
mit Säuren oder Tinte bespritzen, anspeien oder anderweitig be 
sudeln. Vor einigen Jahren wurde ein achtzehnjähriger Töpfer 
geselle ertappt, als er den hellfarbigen Abendmantel einer Dame 
mit Kuß bewarf; zu der Gerichtsverhandlung waren nicht weniger 
als 25 Damen geladen, deren Garderoben stücke kurz vorher in ganz 
der gleichen Weise zugerichtet waren. Der Täter gab die Berußung 
zwar nur in dem einen Falle zu, bei dem er überrascht war, wurde 
aber dennoch zu einem halben Jahre Gefängnis verurteilt. 
In dieses Gebiet gehören auch die Attentate auf Bildwerke aus 
erotischen Motiven. Zu ihrem Zustandekommen vereinigen sich 
meist antifetischistische mit sadistischen Regungen, die sexuelle 
Un 1 ustvorstellun g mit dem Drang ihrer gewaltsamen Be 
seitigung. Auch hier bedarf es zum richtigen Verständnis der nega 
tiven Sexualwirkung der Kenntnis des positiven Gegenstücks. So 
stellt der Bilderschändung und dem Bilderhaß die Bildersucht und 
der meist positiv durch Zuneigung, gelegentlich auch negativ 
durch Abneigung, motivierte Bilderraul) gegenüber, der St atu o- 
stupration, die unter dem Namen P y g m a 1 i o n i s m u s (Pygmalion 
verliebte sich in die von ihm gemeißelte Galathea) bekannt ist, die 
Statuöphilie gegenüber. Allerdings erschöpft sich das Wesen des 
Pygmalionismus nicht sowohl in der Statuenliebe als solcher, als 
vielmehr in der künstlichen und gelegentlich auch künstlerischen 
Verfertigung einer der inneren Triebrichtung entsprechenden Ge-
	        
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