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fullscreen: Zeitschrift für Volkskunde, 92.1996

Wald 
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aben sich einzelne jüngere Volkskundlerinnen und Volkskundler mit Fragen der 
ulturellen Wahrnehmung von Landschaften und der Entstehung von Land- 
Sc nartsstereotypen befaßt, mit der Geschichte des kulturellen Bildes der Lünebur- 
Heide, mit „dem Blick aufs Meer“ und mit der Symbolgeschichte der Alpen. 4 
abei klangen Fragen von großer sozialer und kultureller Bedeutung an, beispiels 
weise die der selektiven Wahrnehmung und Bewertung von natürlichen Formatio- 
nen , v °n Heimatschutz 5 , Ideologisierung von Natur, Umweltschutz, Tourismus. 
Am Hamburger Volkskunde-Institut untersucht eine Projektgruppe 6 die ge 
genwärtige kulturelle Bedeutung von Wald. Das ist ähnlich wie das übergeordnete 
, °rschungsgebiet „Natur“ ein riesiges überdisziplinäres Thema mit vielfältigen 
alogischen, wirtschaftlichen, geographischen, politischen, ökologischen, histo 
rischen und kulturellen Aspekten. Eine geographische Tatsache verweist bereits 
^thematisch plausibel auf die Bedeutung des Waldes: Mehr als ein Viertel (29,2 
rozent alte Bundesländer, 27,3 Prozent neue Bundesländer) der Fläche der Bun- 
esre publik Deutschland besteht aus „Wald“. Wir finden überwiegend Fichten 
wald im Harz, viel Buchenwald in Hessen, Kiefernwälder in Brandenburg usw. 
aldgebiete unterliegen überall und zu allen historisch zugänglichen Zeiten dem 
mfluß menschlichen Handelns, vor allem durch Siedeln und Wirtschaften. Un- 
eriihrte - „natürliche“ - Wälder gibt es nur noch an wenigen Stellen der Erde, in 
itteleuropa überhaupt nicht mehr. Gleichwohl ist der Waldanteil an den heuti 
gen deutschen Gebieten (und der anderer Länder Mitteleuropas) trotz des Ausbaus 
er Siedlungen seit etwa sechshundert Jahren relativ konstant geblieben. 7 
Die berühmte Stelle aus Elias Canettis „Masse und Macht“, die ich diesem Arti- 
< y Vor angestellt habe, leitet dort das Kapitel über das Massensymbol der Deut- 
Sc nen ein. Wie für „die Engländer“ das Meer und für „die Schweizer“ die Berge, 
sei der Wald das Kollektivsymbol der Deutschen. 8 Canettis Bemerkungen über 
. as »Waldgefühl“ wurden 1960 veröffentlicht und bezogen sich - wie er ausdrück- 
lc h hervorhob 9 — auf Verhältnisse am Anfang der 1940er Jahre. Es erübrigt sich, 
^J^s erem F ach auf die Gefahren und Risiken hinzuweisen, die mit dem wissen- 
Andrea Kiendl: Die Lüneburger Heide. Fremdenverkehr und Literatur. Berlin, Hamburg 1993 ;Jo- 
anna Ralshoven-. Der Blick aufs Meer. In: Zeitschrift für Volkskunde 89/1993, S. 191-212; Bem- 
ar d Tschofen: Aufstiege - Auswege. Skizzen zu einer Symbolgeschichte des Berges im 20. Jahr- 
5 hu ndert. Ebd. S. 213-232. 
Silke Göttsch: Frühe Tourismuskritik in der Heimatschutzbewegung. In: B. Pöttler (Hrsg.): Touris- 
6 mus und Regionalkultur. Wien 1994, S. 25-40. 
An hem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt wirken - unter der Lei 
tung des Autors - Dr. Klaus Schriewer und Helga Stachow, M. A., sowie als studentische Hilfs 
kräfte Sibylle Gerhard und Sarah Khan mit. Neben qualitativen Interviews sollen Literaturstudien 
und Medienanalysen die methodische Basis bilden. Die empirischen Erhebungen gelten „waldna- 
e ~ im Harz und anderen Mittelgebirgen - lebenden Personen und Gruppen sowie Großstäd- 
7 tern her verschiedenen Alters- und Berufsgruppen. 
8 ^ un Mantel: Wald und Forst in der Geschichte. Alfeld, Hannover 1990, S. 58-81. 
Efias Canetti: Masse und Macht. Hamburg 1960, S. 195-196; zu diesem Werk vgl. Michael Krüger: 
9 mladung zur Verwandlung. Essays zu Elias Canettis Masse und Macht. München, Wien 1995. 
Eb d. S. 193.
	        
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