GLOBUS .
ILLUSTRIERTE ZEITSCHRIFT FÜR LÄNDER - und VÖLKERKUNDE .
VEREINIGT MIT DER ZEITSCHRIFT „ DAS AUSLAND“ .
HERAUSGEBER : Dr . RICHARD ANDREE . VERLAG von FRIEDR . VIEWEG & SOHN .
Bd . LXX . Nr . 17 .
BRAUNSCHWEIG .
Oktober 1896 .
Nachdruck nur nach Übereinkunft mit der Verlagshandlung gestattet .
Gräberfeld bei Vitzke in der A11mark .
( La Tene und Spätrömiscli . )
Von Konservator Eduard Krause . Berlin .
Bei Gelegenheit der Untersuchung einiger Fundstellen im Kreise Salzwedel , die ich unter gütiger Beihülfe der Herren Oberlehrer Gaedcke , Apothekenbesitzer Zechlin und Fabrikbesitzer Michaelis vom Altmärkischen Verein und stud . med . P . Reinecke aus Berlin vornahm , erhielt ich die Kunde von der Auffindung von Urnen mit Leichenbrand auf der Feldmark Vitzke . Der Maurer Müller daselbst hatte beim Rigolen eines bisher liegenden Feldstückes mehrere Urnen gefunden . Die beiden besterhaltenen hatte er aufgehoben und überliefs sie uns käuflich .
Die Fundstelle liegt westlich vom Dorfe Vitzke , etwa 360 m westlich von der Salzwedel - Rohrberger Chaussee , südlich hart an einem Fahrwege , der beim Nummerstein 8 , 9 westlich von der Chaussee in das revier Ferchau führt .
Die beiden von Herrn Müller erworbenen Urnen sind :
Fig . 1 , jetzt im Museum in Salzwedel ( cf . C . Gaedcke im 24 . Jahresbericht des altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Altertumskunde , Heft 1 , S . 85 ) . Sie ist 24 cm hoch , von topfförmiger Gestalt mit schwach auskragendem Rande . Der obere Durchmesser ist 18 , 5 cm , der gröfste Durchmesserbei 15 cm Höhe 20 cm , der Bodendurchmesser 10 cm . Der zierliche Doppelhenkel , der 3 , 7 cm unter dem oberen Rande sitzt , ist 6 cm lang , 1 , 5 bis 1 , 8 cm breit und 2 , 5 cm hoch . Die Urne ist ho der Weise verziert , dafs sie in durch drei glatte senkrechte Streifen von 3 , 5 cm Breite getrennte Felder in roher Weise schachbrettartig geteilt und ein Teil der so gebildeten Vierecke mit senkrechter oder wagerechter Strichelung versehen ist , ohne dafs jedoch regel - mäfsige Abwechselung beachtet ist . Die Urne war mit Knochen in grofsen Stücken gefüllt . Auf der Urne lagen die Reste einer als Deckel benutzten Schale , die nach Herrn Gaedckes geschickter Wiederherstellung 10 cm Höhe zeigt bei 21 cm oberem , 5 , 5 cm Bodendurchmesser . Beide Gefäfse sind ziemlich glatt und gut gearbeitet . Beigaben wurden in der Urne nicht gefunden .
Die dem königlichen Museum für Völkerkunde gereichte Urne Fig . 2 ( cf . meinen Bericht über dieVitzker Ausgrabungen in den Akten des Museums ) ist ohne alle Verzierungen , 28 , 5 cm hoch , und hat 16 cm oberen , 25 cm gröfsten , 12 cm Bodendurchmesser . Sie ist bei ihrer Auffindung nach Aussage des Herrn Müller statt eines Deckels mit einem flachen Stein bedeckt gewesen . Die Urne enthielt aufser den , wie bei der ersten Urne , aus grofsen kalcinierten Knochenstücken bestehenden
brandresten eine eiserne Pincette , 7 , 4 cm lang ( Fig . 3 ) , deren eine Schneide fehlt , eine gekröpfte eiserne Nadel , 10 , 2 cm lang ( Fig . 4 ) und einen kleinen Feuerstein .
Bei den durch uns vorgenommenen weiteren Grabungen an dem bis dahin noch unberührten Westende des stückes , das hier in einem Hügel , dem Ende eines von Südost nach Nordwest verlaufenden niedrigen Höhenzuges , an den Weg herantritt , stiefsen wir am Ostrande des Hügels , wo auch die oben beschriebenen Urnen gefunden waren , an mehreren Stellen auf Steinpackungen . Doch nur noch an zwei Stellen wurden unberührte Gräber funden , in deren einem die Urne vollständig zerstört war , während die des zweiten Grabes wieder hergestellt werden konnte ( s . Fig . 5 ) . Sie ist 27 , 6 cm hoch , lS1 / ^0111 oben , 23 , 2 cm im Bauch , 11cm am Boden breit . Zwei verhältnismäfsig sehr grofse Henkel unterscheiden sie von den beiden übrigen Urnen dieser Fundstelle . Ihr Inhalt bestand nur aus den kalcinierten Knochenstücken des verbrannten Toten . Sie stand unter sechs kopf - grofsen Steinen und war mit einem flachen Steine deckt . Die Formen der Gefäfse , sowie die Beigaben verweisen diese Funde in die jüngere La Tene - Periode , wir hatten also den letzten Rest eines Gräberfeldes etwa aus dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung vor uns . Nicht wenig überraschten mich daher die weiteren Funde .
Die Kuppe des noch nicht urbar gemachten Hügels war mit einigen , wenig hohen , anscheinend aber doch ziemlich alten Kiefernbüschen bestanden , schien ständig unberührt und liefs auf weitere Ausbeute hoffen .
Nächst dem Gipfel des Hügels zeigte sich eine kaum merkliche Bodenerhebung von ungefähr 0 , 3 m Höhe und etwa 8 m Durchmesser .
Beim Sondieren , das ich , während die Arbeiter am Ostrande des Hügels gruben , fortsetzte , stiefs ich etwa 20 bis 21m vom Wege , 10 cm unter der Oberfläche auf einen gröfseren Stein und fühlte neben diesem etwas tiefer noch mehrere andere Steine . Die Aufgrabung dieser Stelle führte uns auf einen unter Erde liegenden Steinhügel , der seines Baues , seines Inhaltes und der Zeit wegen , der er angehört , von besonderem Interesse ist . Der mit der Sonde zunächst berührte flache Stein bildete den Gipfel des Steinhügels , welcher zunächst noch weiter aus flachen Steinen von etwa 30 bis 60 cm Durchmesser gebildet wurde . Tiefer hinunter folgten dann runde Steine , unter diesen wiederum eine Schicht flacher Steine ( s . Fig . 6 ) , darunter Erde , die augen -
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Globus LXX . Nr . 17 .