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Objekt: Globus, 48.1885

Aus dem südlichen Indien. 
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mals das Heiligenthmn verlassen; dann werden die Statuen 
auf ein mit Stricken versehenes Floß gebracht und mittels 
der Stricke von der an fünfzig Tausend Gläubige zählenden 
Menge unter entsetzlichem Geschrei auf dem See spazieren 
gefahren; endlich wird das Floß aus einander genommen 
und jeder Bcthciligte eignet sich ein Stück davon an. Zum 
Schluß folgte ein wohl arrangirtes Feuerwerk, das Haupt 
stück des Ganzen. 
In der Frühe des anderen Morgens reiste Guimet 
nach Tritschinapali weiter. Der Charakter der 
Landschaft war ein sehr wechselnder, da sich stellenweise 
durch künstliche Be 
wässerung außer 
ordentliche Frucht 
barkeit, und anderswo 
wieder wüste Sand 
flächen zeigten; mit 
ten in einer solchen 
liegt Tritschinapali, 
schon von Weitem 
kenntlich an dem 
inmitten der Stadt 
emporragenden ho 
hen Felskcgel. Von 
Bett, Stuhl oder 
Möbel überhaupt 
war natürlich in den 
Gastzimmern des 
kleinen Hotels, in 
welchem die beiden 
Reisenden abgestie 
gen waren, keine 
Rede, und obgleich 
der Wirth selbst vor 
dem Schlafen in den 
Zimmern zu ebener 
Erde wegen der darin häufigen Schlan 
gen warnte, so zogen die Reisenden 
diese doch vor wegen ihrer größeren 
Kühle. Nach einem leidlichen Mittags 
mahle ging cs unter Leitung eines 
Führers an die Besichtigung der Stadt. 
So groß diese zu sein scheint, so sind 
doch eigentliche Wohnhäuser nur um 
den inmitten derselben sich erhebenden 
Felskegel wahrzunehmen, während man 
sonst nur Bäume, leere Plätze und einige kleine Heiligen 
häuschen mit Götzenbildern sieht. An den Felsen und den 
von ihm getragenen Tempeln, sowie an dem großen Bade 
teiche vorüber gelangte man an den Fluß Kaweri, in \ 
welchem auf der Insel Seringam die beiden Tempel des 
Wischnu und des Siva liegen; seine reich bewaldeten Ufer 
mit ihren Tempeln, Kolonnaden und breiten Stufen, belebt 
von dunkelfarbig gekleideten Eingeborenen mit weißem Tur 
ban, bilden ein feenhaftes Panorama! Das ist das In 
dien, welches man sich im Traume ausmalt! 
Ueber eine schöne Stcinbrücke hin die Insel betretend, 
begaben sich Guimet und Rügamey zunächst zu dem größe 
ren Tempel des Wischnu, der von siebenfachen Mauer- > 
ringen eingeschlossen einer wahren Festung gleicht; Mauern 
und Thürme sind mit Zinnen und Einschnitten zum Zwecke 
der Vertheidigung versehen, ein Beweis dafür, daß sie in 
einer Periode religiöser Zwistigkeiten erbaut worden sind. 
Bei dem ersten nicht ganz ausgebauten Thurme oder 
Gopuram vorbei gelangt man in einen Hof, durch den eine 
förmliche Straße von Kauflüden zu dem Prachtvollen zweiten 
Gopuram führt. In einem Winkel lag ein mit Asche 
bedeckter Mann wie todt auf dem Rücken — ein Bettler, 
der für freigebige Pilger Buße that, wofür ihm Geld in 
ein aus seinem Bauche stehendes Gefäß geworfen wurde. 
Die Thürme und Höfe weiter durchschreitend fand Guimet 
auch hier einen Tanscndpfeilersaal, der wie in Madura 
hauptsächlich zur Beherbergung von Gläubigen bei großen 
Festen dient, sowie auch als Faxade die gewaltigen steinernen 
Reiter auf sich bäumenden Rossen, die ihm schon am Tschultry 
in Madura aufgefallen und offenbar dort denen in Tritschi 
napali nachgebildet waren. An Festtagen werden die 
Götterbilder auf enormen in Stein ausgehauenen Wagen 
umher gefahren, ein Anlaß größter Freude für die Tau 
sende von Pilgern, die sich davorspannen und die schwere 
Last in Bewegung setzen. 
Da der Eintritt in den innersten Hof Europäern 
verboten ist, so suchten die Reisenden von den Dächern 
aus noch einen Ueberblick über diese Unzahl von Kuppeln, 
Thürmen und Terrassen zu gewinnen, zwischen denen 
die Höfe glcichsanl Abgründe bildeten. In der Ferne 
ragte der Felsen von Tritschinapali über Bäumen empor, 
der an seinem einen Abhange ungeheuere rothe und 
weiße vertikale Streifen trägt, wie 
sie auch an den Priesterwohnungen 
angebracht sind. 
Uebrigens zeichnet sich einer der 
Gopurams durch eine ganz beson 
ders sorgfältige Skulpturarbeit aus; 
man könnte ihn nach den ihn von 
oben bis unten bedeckenden Darstel 
lungen den Thurm 
der Liebe nennen, da 
dies Alles Liebcs- 
seenen, wenn auch 
in durchaus decentem 
Tone gehaltene, sind. 
Man erkennt dar 
unter die schöne 
Lakschmi, die indische 
Venns, den bogen 
spannenden Kama, 
Wischnu mit seinen 
vier Armen und 
Betende mit gefal 
teten Händen. Gleich 
neben diesem sonder 
baren Monumente 
ist eine kleine Kna 
benschule , deren 
Schüler einen recht 
guten Eindruck in 
Bezug auf Erzie 
hung und Manieren 
Bajaderen. machen; ihr Lehrer 
spricht etwas eng 
lisch. Als die Rei 
senden den Tempel wieder verlassen wollten, bemerkte Guimet, 
im Begriffe, den letzten Gopuram zu passiren, eine plötz 
liche Unruhe unter den Eingeborenen entstehen, und sah 
diese Alle Hals über Kopf flüchten, so daß er und sein 
Gefährte Rsgamey allein zurückblicken. Mit Entsetzen sieht 
er die Ursache der Panik, zwei riesige heilige Elephanten, 
auf sich losgestürzt kommen und er hat eben noch Zeit, 
hinter einen Kaufladen zu springen, als die Elephanten vor 
demselben Halt machen und ihm ihre Ehrfurcht bekundeten. 
Jetzt erst sah er die Treiber auf den Köpfen der Thiere
	        
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