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Volltext: Dalmatien und Montenegro

dieser fruchtbare Landstreif, desto trotziger, nackter 
und steiler türmen sich die Berge zu beiden Seiten auf. 
Immer mehr spitzt sich die Bucht von Teodo zu, und fast 
scheint es, als ob hier die Bocche schon zu Ende sei, 
bis wir auf einmal um einen Felsvorsprung herum 
ganz überraschend in die Catene einbiegen. Diese 
etwa 2 1 / 2 km lange Meerenge verengert sich schließ 
lich an ihrem Nordende auf kaum 300 m und hat 
ihren Namen davon, daß Ludwig der Große sie an 
dieser schmälsten Stelle einst durch von einem Ufer 
zum anderen gezogene Ketten absperren ließ, um 
den Hinteren Teil der Bocche vor den Angriffen der 
venetianischen Flotte zu schützen. Beim Austritt 
aus der Catene entrollt sich vor unseren erstaunten 
und entzückten Augen eines der großartigsten, roman 
tischsten und eigenartigsten Landschaftsbilder, das 
auf unserem Erdenball zu finden ist. Gerade gegen 
über baut sich am Fuße starrer und schroffer Fels 
wände das pittoreske Städtchen Perasto auf, und 
davor liegen zwei kleine Felseninseln, deren eine die 
berühmte Wallfahrtskirche Madonna dello Scalpello 
trägt. Hier kommen am bestimmten Tage von weither 
auf ihren Barken die gläubigen Bocchesen in ihren 
alten Nationalkostümen zusammen, und man kann 
dann bemerken, daß die Nationaltracht in Überein 
stimmung mit der düsteren Natur und der leidvollen 
Geschichte des Landes eine sehr ernste ist, denn feier 
liches Schwarz ist die durchaus vorherrschende Farbe. 
Eine Ausnahme machen nur die Bewohner von Risano, 
die sich ganz türkisch kleiden und orientalische Farben 
freude mit einer gewissen Koketterie zur Schau tragen. 
Dieses Risano selbst, einst ein berüchtigter Piraten 
schlupfwinkel, liegt ganz versteckt am äußersten Ende 
der links abzweigenden Bucht und gilt als der älteste 
Platz Dalmatiens. Hier fand schon die stolze Jllyrier- 
königin Teuta eine Zuflucht, als ihre Heere von den 
schlachtengewaltigen Legionen Roms zerschmettert 
waren. Hinter Risano aber steigt in kolossalen Wänden
	        
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