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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 14.1882

. Friedr. Kofler: 
gedrückt und angeklebt und mit Scheibchen von verschiedener Grôsse be- 
setzt sind. 
Beinahe die geringste Berührung genügt, um Bänder und Scheibchen 
loszulôsen; haufenweise liegen dieselben auf dem Boden des Hofes umher- 
gestreut. Man kann gewiss nicht annehmen, -dass diese zerbrechlichen 
Ornamentstückchen dem Einflusse der hier herrschenden Witterung Jahr- 
hunderte hindurch widerstanden haben. 
Betrachten wir ferner die Treppen. Sie dienten in der Regel zur Ver- 
bindung zweier Hauptgebäude, und der Verkehr auf ihnen muss ein sehr 
reger, unaufhörlicher gewesen sein. Und dennoch, trotz des steten Hin- 
und Hereilens zahlloser Passanten, erscheinen dieselben nicht besonders 
abgenutzt. Wir wissen, wie rasch sich bei unseren öffentlichen Gebäuden 
selbst Steinstufen abnutzen, aber in Palenque sind die Stufen noch wohl er- 
halten und die Ränder verhältnissmässig scharfkantig. Wir kommen daher 
nothwendigerweise zu dem Schluss, dass jene Treppen nicht Jahrhunderte 
hindurch dem Gebrauche ausgesetzt waren. 
Doch mögen wir endlich noch die Sache aus einem anderen Gesichts- 
punkte betrachten. Die Paläste sind jetzt mit einer üppigen Vegetation 
bedeckt, ungeheure Báume überschatten sie, hohes Gras, Schlingpflanzen 
und Moos haben Mauern und Dácher überzogen und der Laubschleier, 
welcher sie verhüllt, ist so dicht, dass ein Fremder leicht an ihnen vorüber- 
gehen kónnte, ohne sie zu entdecken. 
Man hat nun die Grösse der Bäume, welche auf den Pyramiden Wurzel 
gefasst haben, als einen Beweis für das hohe Alter derselben angesehen. 
Waldeck spricht von 2000 Jahren und mehr und Larainzar versichert, 
dass er einen Mahagonitisch gesehen habe, der aus einem einzigen Stück 
eines Baumes gemacht wurde, der auf den Trümmern gewachsen war, und 
in dem er mit Hülfe eines Microscopes über 1700 Jahresringe gezählt habe. 
Nimmt man an, dass jeder concentrische Ring wirklich das Wachsthum eines 
Jahres andeute, so musste der Mahagonibaum 1700 Jahre alt und das Ge- 
bäude nothwendigerweise noch älter sein. 
Zum Unglück für den Beweis ist dies eine irrige Ansicht und beweist 
also gar Nichts. Ich habe den Thatbestand untersucht und gefunden, dass 
bei einem Strauche, von dem ich wusste, dass er nicht über 18 Monate alt 
war, 18 concentrische Ringe sich gebildet hatten. Dies Ergebniss für eine 
Anomalie haltend, stellte ich darauf Versuche an den verschiedenartigsten 
Bäumen an, wobei ich fast immer zu denselben Resultaten gelangte, 
Nur ein Beispiel will ich mir erlauben, hier noch anzufügen. Während 
meiner ersten Expedition nach Palenque im Jahre 1859, wünschte ich da- 
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