. Friedr. Kofler:
gedrückt und angeklebt und mit Scheibchen von verschiedener Grôsse be-
setzt sind.
Beinahe die geringste Berührung genügt, um Bänder und Scheibchen
loszulôsen; haufenweise liegen dieselben auf dem Boden des Hofes umher-
gestreut. Man kann gewiss nicht annehmen, -dass diese zerbrechlichen
Ornamentstückchen dem Einflusse der hier herrschenden Witterung Jahr-
hunderte hindurch widerstanden haben.
Betrachten wir ferner die Treppen. Sie dienten in der Regel zur Ver-
bindung zweier Hauptgebäude, und der Verkehr auf ihnen muss ein sehr
reger, unaufhörlicher gewesen sein. Und dennoch, trotz des steten Hin-
und Hereilens zahlloser Passanten, erscheinen dieselben nicht besonders
abgenutzt. Wir wissen, wie rasch sich bei unseren öffentlichen Gebäuden
selbst Steinstufen abnutzen, aber in Palenque sind die Stufen noch wohl er-
halten und die Ränder verhältnissmässig scharfkantig. Wir kommen daher
nothwendigerweise zu dem Schluss, dass jene Treppen nicht Jahrhunderte
hindurch dem Gebrauche ausgesetzt waren.
Doch mögen wir endlich noch die Sache aus einem anderen Gesichts-
punkte betrachten. Die Paläste sind jetzt mit einer üppigen Vegetation
bedeckt, ungeheure Báume überschatten sie, hohes Gras, Schlingpflanzen
und Moos haben Mauern und Dácher überzogen und der Laubschleier,
welcher sie verhüllt, ist so dicht, dass ein Fremder leicht an ihnen vorüber-
gehen kónnte, ohne sie zu entdecken.
Man hat nun die Grösse der Bäume, welche auf den Pyramiden Wurzel
gefasst haben, als einen Beweis für das hohe Alter derselben angesehen.
Waldeck spricht von 2000 Jahren und mehr und Larainzar versichert,
dass er einen Mahagonitisch gesehen habe, der aus einem einzigen Stück
eines Baumes gemacht wurde, der auf den Trümmern gewachsen war, und
in dem er mit Hülfe eines Microscopes über 1700 Jahresringe gezählt habe.
Nimmt man an, dass jeder concentrische Ring wirklich das Wachsthum eines
Jahres andeute, so musste der Mahagonibaum 1700 Jahre alt und das Ge-
bäude nothwendigerweise noch älter sein.
Zum Unglück für den Beweis ist dies eine irrige Ansicht und beweist
also gar Nichts. Ich habe den Thatbestand untersucht und gefunden, dass
bei einem Strauche, von dem ich wusste, dass er nicht über 18 Monate alt
war, 18 concentrische Ringe sich gebildet hatten. Dies Ergebniss für eine
Anomalie haltend, stellte ich darauf Versuche an den verschiedenartigsten
Bäumen an, wobei ich fast immer zu denselben Resultaten gelangte,
Nur ein Beispiel will ich mir erlauben, hier noch anzufügen. Während
meiner ersten Expedition nach Palenque im Jahre 1859, wünschte ich da-
Je