Charnay’s Ansichten über das Alter und den Ursprung der Baudenkmale. 91
genügt dieses, um darin eine übereinstimmende. Aehnlichkeit mit denen zu
Palenque zu erkennen, wir finden darin das Trag-Gewólbe und die aus
Üement geformten Ornamente, Die Trümmer der Wünde sind noch so weit
erhalten, dass man daran den ganzen Plan des Gebäudes erkennen kann.
Die Photographien, welche ich davon gewonnen habe, werden dies klar dar-
legen.
Die Pyramide besteht aus gebrannten Ziegeln, gemischt mit Erde, und
— in einer Ebene, wo nicht die geringste Spur von Sand oder Kies vor-
kommt, — sind auch die Gebäude aus gebrannten Ziegeln aufgeführt, die durch
Kalk-Mórtel mit einander verbunden sind. Die Mauern scheinen dicker zu
Sein, wie die zu Palenque, und die Construction derselben im Allgemeinen
eben so fest, wie aus den müchtigen Trümmermassen hervorgeht, welche
felen, ohne zu zerbrôckeln. Vergleicht man den Zustand dieser Paläste mit
demjenigen der Gebäude zu Palenque, so muss selbst der wenig Gebildete
fragen, warum in einem und demselben Lande von Bauwerken, welche so
vollkommen gleich aufgeführt wurden, einzelne unter demselben Klima und bei
derselben Vegetation gänzlich zerstört sein sollten, während andere der Zer-
Störung getrotzt haben. Und doch finden wir nirgends einen Beweis, dass es
die Erzeugnisse verschiedener Perioden waren. Die Aehnlichkeit und Ueber-
einstimmung muss uns vielmehr auf den Gedanken bringen, dass sie der-
selben Zeitepoche angehören und verwandte Hánde sie aufgeführt haben.
Waren zur Zeit der Eroberung die Paläste zu Comalcalco noch bewohnt,
So müssen wir wohl daraus schliessen, dass die zu Palenque es damals
auch waren.
Aehnliche Schlüsse werden wir ziehen müssen in Bezug auf die Ge-
büude in Yucatan. Dass einige derselben sich in einem besseren Stande
der Erhaltung befinden, muss entweder dem Umstande zugeschrieben werden,
dass sie noch nicht ganz so lange erbaut sind, oder dass die klimatischen
Verhältnisse günstiger liegen.
Im Ganzen genommen scheint es festzustehen, dass jene Gebäude zur
Zeit der Eroberung bewohnt waren und dass sie die Erzeugnisse einer ver-
hältnissmässig neuen Aera sind.
Obgleich ich die Beweise, welche ich hier angeführt habe, für aus-
reichend erachte, will ich dennoch einige andere zufügen.
Vergessen wir erstlich nicht, dass wir uns in Tabasco unter einem
tropischen Klima und in der feuchtesten Gegend der Welt befinden. Es
tegnet dort neun Monate im Jahre, die Vegetation ist über alle Maassen
üppig, die Natur daselbst aussergewöhnlich zerstörend und zersetzend. In
den Palästen zu Palenque und an den Basreliefs, mit welchen dieselben
Verziert sind, bestehen die Ornamente der zierlichsten Theile (z. B. der
Obere Theil eines Frieses, oder der Ueberwurf einer menschlichen Figur)
aus ganz kleinen Klümpchen Cement, welche in Form von Pastillen an-