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Volltext: Band: Ostmärkische Sagen, Märchen und Erzählungen, 1. Bändchen

38. Der Berg der Glentiere bei Rofdorf. 
In alten Zeiten hatte ein Gutsbesitzer von Rotdorf 
(Czerwona wies im Kreise Kosten) einen Jägermeister mit 
Namen Siamion. Dessen ganze Arbeit bestand darin, 
im Walde umherzustreifen und Wild für die herrschaftliche 
Tafel herbeizubringen. Eines Tages kam der Wirtschafts 
beamte zu ihm und trug ihm auf, für den nächsten Sonntag 
Wild aus dem Walde zu besorgen. Da es schon Mittwoch 
war, mußte er sogleich sein Gewehr nehmen und in den 
Wald gehen. Aber zwei Tage hindurch jagte er, ohne etwas 
zu schießen. Betrübt ging er am zweiten Tage nach 
Hause; denn er mußte befürchten, seine Stelle zu verlieren, 
wenn er nichts brachte. In seiner Verzweiflung rief er 
den Teufel um Hilfe au und versprach ihm, seine Seele 
zu verschreiben, wenn er Wild bekäme. Da zeigte sich ihm 
ein schwarzer Hund, welcher sich nicht von der Stelle rührte, 
obwohl ihn Siamion vertreiben wollte. Nach einer kleinen 
Weile kam ein Mann, der fragte ihn nach der Ursache 
seiner Traurigkeit; und als Siamion ihm alles erzählt hatte, 
sagte der Unbekannte zu ihm: „Morgen ist der 14. Sep 
tember. Gehe in den Wald, und gerade morgen früh wirst 
du den Berg der Elentiere betreten. Dort sollst du daun ein 
weißes Tuch nehmen und vor dem Könige der Elentiere 
niederknien. Dieser wird dir eine Krone auf das Tuch 
werfen, und solange du die Krone hast, wird dieser Hund 
im Walde zu dir kommen, und du wirst so viel Wild schießen, 
wie du nur Lust hast." Darauf verschwand der Mann. 
Siamion ging hin und bestieg gerade bei Sonnenaufgang 
den Berg. Als er oben war, öffnete sich unter ihm die
	        
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