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czyn bei Gross-Morin (Posen) Skeletgriber gefunden wurden, und dass in einem
derselben zwei Ringe in der Gegend des Beckens vorkamen. Man wird daher
wohl kaum umhin können, die Ringe als Schmuckgegenstinde zu betrachten, welche
gelegentlich auch an anderen Theilen der Bekleidung angebracht wurden. Denn die
Annahme, dass Ringe vom Kopf zum Becken herabgesunken seien, ist zu unwahr-
scheinlich, als dass man sie zulassen könnte.
Schon die Hrn. Lisch und Aspelin waren geneigt, solche Riuge als slavische
Attribute anzusehen. Hr. Sophus Müller hat in seiner bekannten Abhandlung
(Sehlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. 35. Bericht. 1877) durch eine sehr
gelehrte Zusammenstellung der bekannten Fälle nachgewiesen, dass sie nirgend über
das, früher von Slaven bewohnte Gebiet hinaus vorkommen. Die späteren Nach-
forschungen des Hrn. Lissauer und meine eigenen stimmen damit überein.
Ihre westliche Grenze liegt im Gebiet der oberen Saale, wie uns noch vor Kurzem
der Bericht des Hrn. Eisel über die Gräber von Ober-Oppurg gelehrt hat (Zeitschr.
f. Ethnol. 1879. Verh. S. 229). Dazu kommt, dass wiederholt Ringe dieser Art
mit gut bestimmten Münzen zusammen gefunden sind. Freilich waren dies meist
silberne Ringe, welche zusammen mit Silberschmuck der arabischen Periode nieder-
gelegt waren und nicht in Gräbern vorkamen. Dahin gehört der von mir (Zeitschr.
f. Ethnol. 1878. Verh. S. 206. Taf. XV) ausführlich besprochene Silberfund von Rack-
witz (Prov. Posen). Nach den Münzen sind diese Funde meist dem 10. und 11.
Jahrhundert zuzuschreiben. Indess finden sich auch gelegentlich silberne, mindestens
versilberte Schläfenringe in Gräbern, wie es ja auch in Staboszewo der Fall war,
und da hier zugleich in einer, wenn auch defekten Miinze ein gewisser Anhalt
geboten ist, so wird man wohl auch dieses Grüberfeld der slavischen Periode zu-
rechnen müssen.
3. Ein bronzener Fingerring (Fig. 2), leider in mehrere
Stücke zerbrochen. Derselbe lag noch über einem, 25 mm langen,
II. Phalanxknochen der Hand und ist wohl durch diese Lage erhalten
worden. Er besteht aus einer verhültnissmássig dünnen Platte
von fast 1 em Breite. Als ich ihn erhielt, war er stark mit grünem
Rost bedeckt, indess schimmerte hie und da etwas von Orna-
ment durch. Nach sorgfältiger Reinigung zeigten sich längs der
Ränder horizontal verlaufende und dazwischen schräge, zuweilen
leicht gebogene und fast guirlandenförmige Reihen kleiner Gra- Fig. 2.
virungen, bestehend aus kurzen und feinen, an einer Seite spitzigen,
an der anderen meist stumpfen, linearen Finritzungen, welche hiufig unter einem
spitzen Winkel an einander stossen und eine Art von Palmetten darstellen. Es
ist diess dasselbe Ornament, welches sich auf einem Ringe von Kaldus findet
(Lissauer a. a. O. Taf. II, Fig. 4b), nur ein wenig anders angeordnet. Auch
sehe ich dasselbe auf bronzenen Armbändern aus livlündischen Grübern. Hr. Sal-
kowski fand das Metall zusammengesetzt aus 90,4 Kupfer, 3,5 Zinn und 5,9 Zink.
Blei war nicht nachzuweisen.
4. Eiserne Geräthe, namentlich Messer.
habe auf einer kürzlich gemachten Reise nach Kiel und Kopenhagen nach Schläfenringen
gesucht. In Kiel konnten mir keine gezeigt werden. In Kopenhagen sagte mir Dr. Müller,
unter ihren schleswig-holsteinschen Funden seien keine Schläfenringe, und in Dänemark sei
nie derartiges gefunden.
An einer anderen Stelle in Kawenczyn, in einem Torfmoor, wo vor Kurzem gegraben
wurde, fand sich eine Menge grosser Urnenscherben, die zum Theil noch zusammensetzbar
waren, und 2 kugelfórmige Handsteine zum Zermalmen des Getreides.
Verbandl. der Berl. Anthropol, Gesellschaft 1881.
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