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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 22.1890

(C) 
horreorum), II. 24, waren also auch hier noch innerhalb des Bereiches der civitas. 
Otto bleibt hier 7 Tage und verhandelt mit den Julinern. Sie erklären schliesslich, 
sich zum Christenthum bekehren zu wollen, wenn die Stettiner dies thäten. Denn 
diese civitas, sagten sie, sel die älteste und vornehmste im Lande der Pomeranen 
und die Mutter der Stüdte. Als Otto dann später nach der Bekehrung Stettins 
nach Julin zurückkehrt, wurde die ganze Stadt und Landschaft (tota civitas et 
provincia) dem Christenthum | gewonnen. Zwei Monate lang hat Otto ununter- 
brochen zu -taufen und zwei Kirchen werden in Julin gebaut. 
Es war also die civitas Julin von erheblicher Ausdehnung, sie war offen und 
weitläufig gebaut, da sonst unmöglich eine ganze Karawane, auch nicht unter dem 
Schutze der Dunkelheit, unbemerkt hitte hineinziehen konnen. 
Von Julin fährt Otto mit seinen Begleitern zu Schiffe nach Stettin. Auch hier 
ziehen sie nach Anbruch der Nacht in den Hof des Herzogs (curtim ducis, II. 26). 
Die civitas Stetin war von allen Seiten von Sumpf und Wasser umgeben, sie war 
die Hauptstadt (metropolis) von ganz Pommern, sie hatte Hauptstrassen (capita 
platearum) und Stadtviertel oder Vorwerke (vicos, II. 34). Es gab einen Markt- 
platz, auf dem wöchentlich zweimal Markttag gehalten wurde und über welchem 
sie während desselben das Kreuz trugen, Il. 26. Auf dem Marktplatze befanden 
sich hôlzerne Stufen. (gradus lignei, III. 11), von denen die Herolde und die Obrig- 
keit zum Volke zu sprechen pflegten. Mitten auf dem Marktplatze wird später 
eine Kirche gebaut, IL. 36. 
In civitate Stetin gab es ferner 4 Continen: eine derselben war der wunderbar 
schmuckreich und kunstreich gebaute Tempel mit dem Bilde des Triglav, die an- 
deren 3 Continen waren Versammlungshäuser und enthielten nur Tische und Bänke. 
900 Familienvüter gab es in der volkreichen Stadt, ,ohne die Kinder und die 
Weiber und die übrige Menge“. In Stettin, innerhalb der civitas, stand auch eine 
mächtige und dicht belaubte Eiche, und unter derselben floss eine liebliche Quelle, 
welche das Volk, als von einer Gottheit bewohnt, für heilig hielt. Ebenso ist eines 
heiligen Nussbaumes auf einem Acker neben einer Brücke in Stettin gedacht, den 
Otto umhauen will, wobei er in grosse Gefahr geräth. Der Baum bleibt schliess- 
lich auf vieles Bitten der Bürger seiner Annehmlichkeit und Nützlichkeit wegen 
ungefällt, III. 22, 23. Auch ein heiliges schwarzes Ross wurde innerhalb der 
civitas gehalten, IL. 33. 
Als der Bischof eines Tages den Besuch einer Frau von grosser Ehre und 
Macht erwartet, geht er aus dem Hause (tecto), in dem er wohnt und setzt sich 
mit seinen Klerikern vor demselben auf einen „Rasenhügel.“ Sie sehen die Frau 
„von ferne“ herankommen. LI. 28. 
Aus der Gesammtheit dieser Angaben muss man die Anschauung gewinnen, 
dass die civitas Stetin nicht eine von Mauern eingeschlossene Stadt, sondern ein 
räumlich ausgedehntes, Jandschaftlich offen und breit gelagertes Gemeinwesen dar- 
stellte, dessen Unzugänglichkeit allein durch die natürliche Lage gewahrt war. 
Von Stettin werden noch zwei in der Nachbarschaft belegene und zum Stettiner 
Gau (ad pagum Stetinensem) gehórige Burgen (castella) besucht, Gradicia (Garz 
a. d. Oder?) und Lubin (Lübzin am Dammschen See) In jeder der Burgen (per 
castellum utrumque) wird eit Altar erbaut und geweiht. Dann geht die Reise zu 
Schiffe wieder nach Julin, wo nun die Bekehrung der ganzen Stadt und. Land- 
schaft anstandslos vor sich geht. II 37. 
Von Julin wieder aufbrechend, gelangen die Pilger nach Clodona (Klótikow 
a. d. Rega), wo sie eine besonders grosse und kunstreich gebaute Kirche errichten. 
Nach Ueberschreitung des Flusses bei Clodona, der Rega, finden sie eine durch 
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