Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Volltext: Globus, 24.1873

204 
Eine deutsche Wehklage aus Kalifornien . 
Auch hier entstellt Fray Diego die Wahrheit zu Gunsten der Christen . Dem Moslem sind beide Confessionen , die jüdische wie die christliche , völlig gleich verhaßt , und er denkt nicht daran , einen Unterschied zu Gunsten der einen zu machen . Eher ist es vorgekommen , daß er die Juden den Christen vorzog ; dies jedoch nicht aus religiösen Griinden , sondern aus politischen , weil eben die Juden politisch nn - gefährlich sind , was man von den in Afrika sich aufhalten - den Christen nicht immer sagen konnte , denn viele haben die Verräther gespielt und christlichen Mächten heimlich Be - richte Uber die schwachen Punkte arabischer oder türkischer Gebietstheile zukommen lassen . 
Interessant sind die CostUmregeln der Juden von Algier , wie sie zu Haedo's Zeit bestanden . Es war dies die Zeit , in welcher die barbarische Sitte der Judenabzeichen fast in allen Ländern der Christenheit sowohl wie des Islams blühte . Diese Zeichen waren in jedem Lande verschieden . In Frankreich z . B . , wo sie 1269 der heilige Ludwig zuerst einführte , bestanden sie in einer runden Scheibe von blauem Tuch auf dem obersten Gewände . In Aegypten hatte ( um 1010 ) der verrückte Chalif Al Hakim befohlen , daß jeder Jude ein Abbild des goldnen Kalbes an einer Kette um den Hals trage . Unter den Almohaden in Nordafrika ( 1100 bis 1260 ) , welche eigentlich gar keine Juden duldeten , fondern alle entweder ausgetrieben oder zum Uebertritt zum Islam gezwungen hatten , mußten gleichwohl selbst diejenigen Juden , welche den Islam angenommen hatten ( aber im Ge - Heimen stets Juden geblieben waren ) , eine entstellende Tracht anlegen , schwere Kleider mit langen Aermeln , welche beinahe bis zu den FUßen reichten und statt der Turbane grobe TUcher von der häßlichsten Form ( im Wesentlichen die noch heut zu Tage im äußersten Westen Nordafrikas üb - liche jüdisch - marokkanische Tracht ) . Solche verschiedenen Abzeichen pflegten nun die Inden zuweilen beiznbe - halten , selbst wenn sie aus dem Lande ausgewandert waren , in welchem die eine Costümregel Geltung für sie hatte , und in ein anderes kamen , wo ein anderes Abzeichen vorgeschrieben war . Die moslemischen Despoten nament - lich gestatteten den fremden Juden oft , ihre alten Abzeichen beizubehalten und die neuen nicht anzunehmen , was diese gern thaten , um sich von den Einheimischen , die im Ganzen in der Cultur tiefer standen , auch äußerlich zu unterscheiden ; zuweilen auch gefielen sich diese Fürsten darin , selbst solche Costümdifserenzen für die verschiedenen Abteilungen der Judenheit aufzustellen , je nach der Nationalität des Landes , aus welchem sie oder ihre Vorfahren zugewandert waren . 
So scheint es auch zu Haedo's Tagen in Algier gewesen zu sein . Der Anzug selbst war zwar für alle Juden gleich : ein langer , schwarzer Kaftan , wie eine Sutane , darüber ein schwarzer Burnus , ferner kleine weiße Hofen und schwarze Schuhe ( dies also noch nach der Vorschrift der Almohaden , um die man sich indeß in Algerien in späterer Zeit nicht mehr kümmerte , denn zu Anfang dieses Jahrhunderts trugen 
die dortigen Juden eine dem Zuavencostüm ähnliche Tracht ) . In Bezug auf die Kopfbedeckung verrieth sich jedoch die ver - schiedene Provenienz der Juden , ihr Vaterland int Exil , wenn man so sagen kann . Die einheimischen algierischen Israeliten mußten eine rothe Mütze mit einem darum ge - wickelten Fetzen hellen Stoffes ( keinen eigentlichen Turban ) tragen , aber die Pais lang wachsen lassen , während die spa - - nischen Juden sie mit der Scheere verkürzten ( Abrasiren gestattet das jüdische Gesetz nicht ) . Die spanischen Israeliten trugen eine kleine weiße Pigushaube ; die französischen eine Art von Matrosenmütze in Form eines umgekehrten Strumpfes , deren Ende auf den Nacken herabfiel ; die tür - kischen einen gelben Turban . Die weiße Piquehaube der aus Spanien stammenden Juden war in Tunis bis zum Jahre 1852 Vorschrift , und ich selbst fand dies Juden - abzeichen auf meiner ersten Reife dort noch bei allen söge - nannten Grana ( Sepharden ) im Gebrauch , die sogar stolz darauf waren , weil es sie von den afrikanischen Juden unterschied ; jetzt dürfen sich diese Juden kleiden wie sie wollen . Bezweifeln möchte ich übrigens die Angabe Haedo's , daß die einheimisch - algierischen Israeliten rothe Mützen tragen durften . Roth an Kleidern galt stets für ein Pnvi - legium der Moslems , und viele alten Algierer haben mir ver - sichert , daß die Juden vor 1830 schwarze Mützen hätten tragen müssen . In Marokko ist es noch heut zu Tage so . Wenn auch der jetzige Kaiser , Sidi Mohammed , durch ein sogenanntes Toleranzedict den Juden gestattet hat , sich zu kleiden wie sie wollen , so läßt es doch der Fanatismus des Volkes meistentheils nicht zu , und nur in den Hafenstädten können sie es wagen , von dieser Erlaubniß Gebrauch zu machen . Als ich im Jahre 1851 zum erstenmal in Marokko reiste , hätte kein Jude den Muth gehabt , eine rothe Mütze aufzu - setzen . Wie weit hierin der Fanatismus der Araber geht , davon wurde ich einst auf einer Ueberfahrt von Tanger nach Gibraltar Zeuge . Ich machte diese Fahrt auf einem marok - kanifchen Segelboot ; die Mannschaft bestand aus Arabern , die Passagiere waren größtentheils Juden , alle in der haß - lichen Kastantracht und mit schwarzen Mützen , aber alle führten rothe Mützen , wohlversteckt , bei sich , einige auch bunte Anzüge , um sie in Gibraltar , wo natürlich keine Costüm - Vorschrift gilt , anzulegen . Ein Jüngling konnte jedoch nicht so lange warten , bis wir in Gibraltar einliefen , und wagte es die rothe Mütze aufzusetzen , als wir noch weit vom Hafen waren . Dies bekam ihm indeß übel . Denn kaum hatten die arabischen Matrosen diesen Costümverstoß gesehen , als ein wahrer Aufruhr unter ihnen entstand . Als wären sie Alle persönlich beleidigt worden , stürzten sie auf den Juden los , der , ehe wir ihm zur Hülfe eilen konnten , schon seine Tracht Prügel weghatte und beschämt die rothe Mütze wieder einsteckte . Eigentlich war er ganz in seinem Rechte , denn wir befanden uns ja nicht mehr in Marokko . 
Aber der Fanatismus kümmert sich wenig um das , waS officiell erlaubt oder unerlaubt sein mag . 
Eine deutsche Wehklage aus Californien . 
In der Presse der Vereinigten Staaten erheben sich mehr und mehr Stimmen , welche rundheraus sagen , daß es mit der Republik den Krebsgang gehe . Sie stellen Betrach - tnngen darüber an , wie weit man schon der Monarchie ent - gegengetrieben sei ; wenn Grant zum dritten Mal Präsident 
werde , sei dieselbe factisch vorhanden . So äußeru sich die am weitesten verbreiteten Blätter , z . B . der „ Herald " und die „ Tribüne " , wie weit sie auch sonst politisch aus einander gehen . Angesehene deutsche Blätter sprechen sich in ähnlicher Weise aus . 
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.