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Eine deutsche Wehklage aus Kalifornien .
Auch hier entstellt Fray Diego die Wahrheit zu Gunsten der Christen . Dem Moslem sind beide Confessionen , die jüdische wie die christliche , völlig gleich verhaßt , und er denkt nicht daran , einen Unterschied zu Gunsten der einen zu machen . Eher ist es vorgekommen , daß er die Juden den Christen vorzog ; dies jedoch nicht aus religiösen Griinden , sondern aus politischen , weil eben die Juden politisch nn - gefährlich sind , was man von den in Afrika sich aufhalten - den Christen nicht immer sagen konnte , denn viele haben die Verräther gespielt und christlichen Mächten heimlich Be - richte Uber die schwachen Punkte arabischer oder türkischer Gebietstheile zukommen lassen .
Interessant sind die CostUmregeln der Juden von Algier , wie sie zu Haedo's Zeit bestanden . Es war dies die Zeit , in welcher die barbarische Sitte der Judenabzeichen fast in allen Ländern der Christenheit sowohl wie des Islams blühte . Diese Zeichen waren in jedem Lande verschieden . In Frankreich z . B . , wo sie 1269 der heilige Ludwig zuerst einführte , bestanden sie in einer runden Scheibe von blauem Tuch auf dem obersten Gewände . In Aegypten hatte ( um 1010 ) der verrückte Chalif Al Hakim befohlen , daß jeder Jude ein Abbild des goldnen Kalbes an einer Kette um den Hals trage . Unter den Almohaden in Nordafrika ( 1100 bis 1260 ) , welche eigentlich gar keine Juden duldeten , fondern alle entweder ausgetrieben oder zum Uebertritt zum Islam gezwungen hatten , mußten gleichwohl selbst diejenigen Juden , welche den Islam angenommen hatten ( aber im Ge - Heimen stets Juden geblieben waren ) , eine entstellende Tracht anlegen , schwere Kleider mit langen Aermeln , welche beinahe bis zu den FUßen reichten und statt der Turbane grobe TUcher von der häßlichsten Form ( im Wesentlichen die noch heut zu Tage im äußersten Westen Nordafrikas üb - liche jüdisch - marokkanische Tracht ) . Solche verschiedenen Abzeichen pflegten nun die Inden zuweilen beiznbe - halten , selbst wenn sie aus dem Lande ausgewandert waren , in welchem die eine Costümregel Geltung für sie hatte , und in ein anderes kamen , wo ein anderes Abzeichen vorgeschrieben war . Die moslemischen Despoten nament - lich gestatteten den fremden Juden oft , ihre alten Abzeichen beizubehalten und die neuen nicht anzunehmen , was diese gern thaten , um sich von den Einheimischen , die im Ganzen in der Cultur tiefer standen , auch äußerlich zu unterscheiden ; zuweilen auch gefielen sich diese Fürsten darin , selbst solche Costümdifserenzen für die verschiedenen Abteilungen der Judenheit aufzustellen , je nach der Nationalität des Landes , aus welchem sie oder ihre Vorfahren zugewandert waren .
So scheint es auch zu Haedo's Tagen in Algier gewesen zu sein . Der Anzug selbst war zwar für alle Juden gleich : ein langer , schwarzer Kaftan , wie eine Sutane , darüber ein schwarzer Burnus , ferner kleine weiße Hofen und schwarze Schuhe ( dies also noch nach der Vorschrift der Almohaden , um die man sich indeß in Algerien in späterer Zeit nicht mehr kümmerte , denn zu Anfang dieses Jahrhunderts trugen
die dortigen Juden eine dem Zuavencostüm ähnliche Tracht ) . In Bezug auf die Kopfbedeckung verrieth sich jedoch die ver - schiedene Provenienz der Juden , ihr Vaterland int Exil , wenn man so sagen kann . Die einheimischen algierischen Israeliten mußten eine rothe Mütze mit einem darum ge - wickelten Fetzen hellen Stoffes ( keinen eigentlichen Turban ) tragen , aber die Pais lang wachsen lassen , während die spa - - nischen Juden sie mit der Scheere verkürzten ( Abrasiren gestattet das jüdische Gesetz nicht ) . Die spanischen Israeliten trugen eine kleine weiße Pigushaube ; die französischen eine Art von Matrosenmütze in Form eines umgekehrten Strumpfes , deren Ende auf den Nacken herabfiel ; die tür - kischen einen gelben Turban . Die weiße Piquehaube der aus Spanien stammenden Juden war in Tunis bis zum Jahre 1852 Vorschrift , und ich selbst fand dies Juden - abzeichen auf meiner ersten Reife dort noch bei allen söge - nannten Grana ( Sepharden ) im Gebrauch , die sogar stolz darauf waren , weil es sie von den afrikanischen Juden unterschied ; jetzt dürfen sich diese Juden kleiden wie sie wollen . Bezweifeln möchte ich übrigens die Angabe Haedo's , daß die einheimisch - algierischen Israeliten rothe Mützen tragen durften . Roth an Kleidern galt stets für ein Pnvi - legium der Moslems , und viele alten Algierer haben mir ver - sichert , daß die Juden vor 1830 schwarze Mützen hätten tragen müssen . In Marokko ist es noch heut zu Tage so . Wenn auch der jetzige Kaiser , Sidi Mohammed , durch ein sogenanntes Toleranzedict den Juden gestattet hat , sich zu kleiden wie sie wollen , so läßt es doch der Fanatismus des Volkes meistentheils nicht zu , und nur in den Hafenstädten können sie es wagen , von dieser Erlaubniß Gebrauch zu machen . Als ich im Jahre 1851 zum erstenmal in Marokko reiste , hätte kein Jude den Muth gehabt , eine rothe Mütze aufzu - setzen . Wie weit hierin der Fanatismus der Araber geht , davon wurde ich einst auf einer Ueberfahrt von Tanger nach Gibraltar Zeuge . Ich machte diese Fahrt auf einem marok - kanifchen Segelboot ; die Mannschaft bestand aus Arabern , die Passagiere waren größtentheils Juden , alle in der haß - lichen Kastantracht und mit schwarzen Mützen , aber alle führten rothe Mützen , wohlversteckt , bei sich , einige auch bunte Anzüge , um sie in Gibraltar , wo natürlich keine Costüm - Vorschrift gilt , anzulegen . Ein Jüngling konnte jedoch nicht so lange warten , bis wir in Gibraltar einliefen , und wagte es die rothe Mütze aufzusetzen , als wir noch weit vom Hafen waren . Dies bekam ihm indeß übel . Denn kaum hatten die arabischen Matrosen diesen Costümverstoß gesehen , als ein wahrer Aufruhr unter ihnen entstand . Als wären sie Alle persönlich beleidigt worden , stürzten sie auf den Juden los , der , ehe wir ihm zur Hülfe eilen konnten , schon seine Tracht Prügel weghatte und beschämt die rothe Mütze wieder einsteckte . Eigentlich war er ganz in seinem Rechte , denn wir befanden uns ja nicht mehr in Marokko .
Aber der Fanatismus kümmert sich wenig um das , waS officiell erlaubt oder unerlaubt sein mag .
Eine deutsche Wehklage aus Californien .
In der Presse der Vereinigten Staaten erheben sich mehr und mehr Stimmen , welche rundheraus sagen , daß es mit der Republik den Krebsgang gehe . Sie stellen Betrach - tnngen darüber an , wie weit man schon der Monarchie ent - gegengetrieben sei ; wenn Grant zum dritten Mal Präsident
werde , sei dieselbe factisch vorhanden . So äußeru sich die am weitesten verbreiteten Blätter , z . B . der „ Herald " und die „ Tribüne " , wie weit sie auch sonst politisch aus einander gehen . Angesehene deutsche Blätter sprechen sich in ähnlicher Weise aus .