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Objekt: Zeitschrift für Ethnologie, 58/59.1926/27

  
      
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
    
    
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
    
  
  
  
  
  
  
  
  
R. Mielke: 
Die älteste Siedlungsform der klassischen Völker scheint der 
Einzelhof gewesen zu sein. Die Odyssee, die Ilias wie die Komen- 
verfassung geben uns für Griechenland eine undeutliche Vorstellung. 
Auch in Italien darf man ihn nach einigen dunklen Spuren (Ambitus, 
Forum, Pagus, Villa, Septimontium ?) an den Anfang der Siedlungs- 
bewegung stellen, wenn er auch in geschichtlicher Zeit schon ver- 
schwunden war. Ähnlich scheint sich die Entwicklung in dem 
keltischen Gallien vollzogen zu haben. Der keltische, durch Gesetze 
in Irland noch bis in die späte geschichtliche Zeit hinein bezeugte 
Einzelhof — hier als Clan- bzw. Sippenhaus — ist schon in der 
römischen Zeit im östlichen Gallien durch eine schlangenartige 
Straßensiedlung ersetzt worden. In der keltischen Siedlung im 
Wassenwald bei Zabern 2?) (Abb. 9) liegen die Höfe in einer recht 
  
Abb. 9. Wassenwald. Nach Fuchs, Vogesensiedlungen. 
losen Verbindung mit der vielfach geknickten, von Trockenmauer- 
werk eingefaßten Dorfstraße. Wenn in diesem Falle auch nur ein 
Hof unmittelbar an der Straße liegt, die anderen aber in kleinerer 
oder gróBerev Entfernung errichtet sind, dann zeigt sich doch die 
unverkennbare Neigung, die ehemaligen Einzelhöfe an das gemeinsame 
Band eines Weges zu einem engeren Verbande zu häufen, wie es 
noch heute bei zahlreichen Dörfern im Elsaß zu beobachten ist (Abb. 10). 
Entspricht eine solche Siedlung auch nur unvollkommen einem Straßen- 
dorfe, so hat das Vorbild der römischen Militärsiedlung hier bald ein 
strafferes Schema geschaffen. Die Straße ist in dem Wassenwald- 
dorfe Wirtschafts-, vielleicht nur Viehweg, keineswegs in erster Linie 
eine Verkehrsstraße, die immerhin ein darauf eingestelltes Wirtschafts- 
leben voraussetzen lassen muß. 
  
%) Von den ursprünglichen 17 römischen Tribus sind nicht weniger als 16 nach 
Geschlechtern benannt, die eine ähnliche Stellung hatten wie die Könige bei Homer 
und Hesiod und die Häuptlinge keltischer Clans: Besitzer von großen Herden, 
vielen Sklaven und umfangreichen Ländereien. S, Nissen, Italienische Landes- 
kunde II, S. 83. 
27) Fuchs, Die Kultur der keltischen Vogesensiedlungen.
	        
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