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Walter Krickeberg:
daraus abgeleitete Form: die horizontalen Ringe sind hier als Ganzes in
Seehundsleder nachgeahmt, wobei die Lederstreifen doppelt genommen
und an den Rändern zusammengenäht wurden; auch die Reifen sind auf
der rechten Körperseite offen und wurden dort vermutlich durch Riemen
und Knebel geschlossen. Dieser zweite Typus war schon lange durch
eine Tafel im Reisewerke Sauers (1797) bekannt (Abb. 5) und ist im
Museum der Akademie zu St. Petersburg und im Nationalmuseum zu
Washington durch je ein Exemplar vertreten.
Sowohl zum Plattenpanzer als auch zum Reifenpanzer, die ja nur bis
unter die Achseln reichen, gehört ein viereckiges Stück Leder oder ein
lederüberzogenes Holzbrett, das als Brust- und Halsschutz dient und
an den Achselbändern befestigt wird. Mit dem Rumpfpanzer ist ferner
ein besonderer Oberteil aus dünnen, lederüberzogenen Brettern ver-
bunden, dessen starres, viereckiges Mittelstück mit Klammern am Rücken-
teil des Panzers festgeknöpft wird und den Nacken schützt, während die
biegsamen Seitenflügel (biegsam, weil, mehrere Brettchen nebeneinander
in vertikaler Stellung in sie eingenäht sind) die Arme decken, die durch
zwei innen angebrachte Schlingen greifen!). Zu diesem sonderbaren
Aufsatz gibt es im asiatisch-ozeanischen Gebiet merkwürdigerweise nur
auf den Gilbert-Inseln eine wenn aueh entfernte Parallele?). — Ein Hl elm
aus einzelnen Eisenstreifen, die in radialer Anordnung mit Lederriemen
aneinander befestigt sind, sowie Arm- und Beinscehienen aus Kisen-
platten bzw. Lederstücken vervollstándigen diese Rüstung, die (bis auf
den Aufsatz, der teilweise durch einen am Helm selbst befestigten Nacken-
schutz ersetzt wurde) in alter Zeit auch bei den Giljaken am unteren
Amur bekannt gewesen zu sein scheint. Bei den Tschuktschen und Kor-
jáken war der Panzer aus Eisenplatten noch bis in die neuere Zeit hinein
in Gebrauch.
In dem vom Platten- und Reifenpanzer beherrschten Gebiet am Nord-
ostrande Asiens hat es in àálterer Zeit noch zusammengestückte Panzer
eanz anderer Art gegeben, die ich bei der Diirftigkeit der Berichte hier
nur anhangsweise bespreche. Nach Krascheninnikow hatten die alten
[tälmen (Kamtschadalen) ,Schilde“, d. h. Panzer, „aus Matten oder aus
den Häuten der Seehunde und Seepferde gemacht, welche sie in Riemen
schneiden und zusammenflechten. Sie hängen sie auf die linke
Seite und binden sie mit Riemen an der rechten Seite fest. Hinter dem
Kopfe ist ein langes Bret zur Vertheidigung desselben befestiget, der-
gleichen eines sie auch vor der Brust tragen.“ Anscheinend waren hier
schmale Lederstreifen in vertikaler Stellung aneinander befestigt, wie die
Fischbeinstreifen eines Panzers der Tschuktschen von Plover Bay, den
1) Über die Frage, ob der Nackenschutz ursprünglich einen oder zwei Seiten-
flügel hatte, gehen die Ansichten von Bogoras und Jochelson auseinander: der
erstere glaubt, daß dem rechten, bogenschießenden Arm bisweilen dieser Schutz fehlte —
Einen ganz abweichenden Nackenschutz aus Lüngsschnitten von WalroBzähnen
ohne Seitenflügel hat der eine Panzer von Helsingfors (vol. Ratzel) und anscheinend
auch der eine von Washington. |
9) Ratzel, Völkerkunde? T p. 129.