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Helmut Bock und Harald Kintscher
interessiert waren: an der Überwindung der dem Imperialismus wesenseigenen
Negation der Demokratie. Die neuen Machtverhältnisse sollten von den ökono
mischen, politischen und kulturellen Interessen der Werktätigen getragen sein.
„Entscheidend bei der schöpferischen Demokratie ist, dem Willen des werktätigen
Volkes weitgehendsten und dauernden Einfluß auf die Gestaltung der Innen- und
Außenpolitik des Staates zu ermöglichen. Dieser Einfluß des werktätigen Volkes
soll sich auf allen Gebieten... Geltung verschaffen: im Betrieb — in der Produktion,
im Dorfe, im Staats- und Gemeindeapparat, in allen staatlichen und kommunalen
Einrichtungen, in der Justiz, im Parlament.“ 45
Die Analysetätigkeit der Arbeitskommission der KPD erstreckte sich nicht nur
auf die allgemeinen Gebiete der Politik und Wirtschaft, 46 sondern auch auf die be
sonderen Fragen der Ideologie und der Kultur. Am 25. September 1944 tagten
Wilhelm Pieck, Anton Ackermann, Arthur Pieck, Sepp Schwab und Walter Ulbricht
mit den Kulturschaffenden Johannes R. Becher, Willi Bredel, Fritz Erpenbeck,
Heinrich Greif, Theodor Plivier, Hans Rodenberg, Maxim Vallentin, Gustav v.
Wangenheim, Erich Weinert und Friedrich Wolf in Moskau. 47 Becher referierte
einleitend über umfassende „Kulturaufgaben“, 48 Rodenberg und Vallentin sprachen
jeweils über Probleme des Films und des Theaters. 49 Es bildete sich eine besondere
Kulturkommission mit Becher als Vorsitzendem und Rodenberg, Schwab, Vallentin,
v. Wangenheim als Mitgliedern. Sie sollte Maßnahmen zur antifaschistisch-demo
kratischen Umerziehung des deutschen Volkes ausarbeiten und im einzelnen die
Aufgaben formulieren, die der Literatur, dem Rundfunk, dem Film und dem Theater
zukamen.
Der siegreiche Vormarsch der Antihitlerkoalition in Deutschland beschleunigte
seit Jahresanfang 1945 die programmatische Tätigkeit des Politbüros und der Ar
beitskommission der KPD. Sie berieten in fortlaufenden Sitzungen die besonderen
Kampfaufgaben gegen die Ideologie des faschistischen deutschen Imperialismus.
Johannes R. Becher und Ernst Noffke hielten ein grundsätzliches Referat zur Ras
sentheorie des Hitlerfaschismus, das von Edwin Hoernle ergänzt wurde. 50 Die
ideologische Massenarbeit sollte nachweisen, daß die Rassentheorie den Erkennt
nissen der fortschrittlichen Wissenschaft widersprach, historische und naturwissen
45 Lektion von Wilhelm Pieck am 9. November 1944, zit. nach: Horst Laschitza, a. a. O.,
S. ixi.
46 Die Hauptthemen der Arbeitskommission waren: Einschätzung der Lage in Deutsch
land und die Aufgaben bis zum Sturze Hitlers, die politische Führung beim Sturze Hitlers
und im neuen Deutschland, die Rolle der Sowjetunion in der Nachkriegszeit und die natio
nale Frage in Deutschland, die neuen Gewerkschaften, die Wirtschaft im neuen Deutschland
und die Wirtschaftspolitik, Bauern- und Agrarfragen im neuen Deutschland.
47 Horst Laschitza, a. a. O., S. 97.
48 Johannes R. Becher, Bemerkungen zu unseren Kulturaufgaben. In: Karl-Heinz Schul
meister, Zur Entstehung und Gründung des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung
Deutschlands, Berlin 1965, S. 135 —137.
49 Hans Rodenberg, Einige Bemerkungen zur Lage der Kinomatographie in Deutschland
sowie Vorschläge für einige dringende Maßnahmen in der deutschen Kinomatographie nach
der Zerschmetterung der Hitlerbande; Maxim Vallentin, Einleitende Bemerkungen zur
Ausarbeitung der Richtlinien (Theater), Vgl. Horst Laschitza, a. a. O., S. 97, 170.
50 Vgl. Ebenda, S. 16 x.