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Seitenvorschau: Zeitschrift für Volkskunde, 53.1956/57

Kult und Spiel in Fluß und Stauung 
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Daher wünschen manche Obertilliacher, ihr Liebfrauenheiligtum 
ähnlich auszuzeichnen und ihre Wallfahrer ebenso zu erbauen und 
zu erfreuen. Dabei spielt eine besondere Überlieferung Osttirols 
mit. Das dortige Yirgen beging schon 1675 sein Rosenkranzfest und 
seine Wallfahrt von Obermauern mit einem Mirakelspiel, ähnlich 
den verwandten des Inntals, so in Landeck, Inzing, Thaur, Kitz 
bühel usw. Die Verfasserin des Waldauf-Romans, die Osttiroler 
Schriftstellerin Fanny Wibmer-Pedit, überarbeitete das Barockstück 
für heutige Laienspieler, brachte es 1936 in den Druck und wieder 
holt in Matrei in Osttirol in Szene 59 . Sie schuf schließlich ein eigenes 
Weihefestspiel für ihre engere Lienzer Heimat auf Schloß Bruck 
und auf dem Hügel von Lavant, auf dem in römischer Zeit ein 
Heidentempel gestanden und unter Kaiser Theodosius eine Kult 
stätte der Kornmutter Maria Platz gefunden habe, deren Baureste 
gegenwärtig freigelegt werden. Dieses Lavanter Weihespiel „Das 
Opfer“ ging in den letzten Jahren wiederholt in Szene. 
Unwillkürlich sucht sich eine neue Wertwelt stärkste Bindungen zu 
sichern. Es ist das weiteste Band und ein Sinnzusammenhang gemein 
samen Wallfahrtserlebens inmitten der alpinen Majestät. Gewiß 
gibt es auch andere geistige und natürliche Schicksalsgemeinschaften, 
welche die aufgerüttelten Menschen zusammenführen und deren 
geistige und seelische Kräfte harmonisch einen. Nicht so bald aber 
begegnen sich wie im Hochgebirge und an einem Paßplatz Mythos 
und Brauch, Kult und Spiel in Stauung und Fluß entgegengesetzte 
sten Lebens und Strebens, im Widerspiel von Volkstradition und 
Allerweltstechnik zu allgemeiner Gültigkeit. Aus diesem Wider 
streit technischen und geistigen Ringens, dies- und jenseitiger Kräfte 
mag sich die neue metaphysische Epoche entfalten, der Landschaft 
und Überlieferung die stärkste Typik gemeingültiger Gestalten und 
Auftritte sichern können. 
Michal verlachte David, als der König vor der Bundeslade seines 
Herrn tanzte und sprang (2. Sam. 6,14). Gott strafte sie dafür mit 
Unfruchtbarkeit. Ist die Unfruchtbarkeit einseitig mechanischer Aus 
richtung eine Folge und Strafe? Nur selten, oft nur einmal in einer 
Epoche von Generationen gelingen Kunst und Volk solches Lebens 
und Gemeinschaftsspiel. Göttliche Sonne bricht durch das Gewölk 
der Menschlichkeiten. Darin liegt sein praktischer Wert, daß das 
Volksschauspiel alle schöpferischen Kräfte seiner Menschen bean 
sprucht und anstrengt und in solcher Zusammenarbeit sein Höchstes 
zur Erfassung und Gestaltung des Lebens leistet. 
spiel in vier Aufzügen und drei lebenden Bildern, Maria-Luggau 1947. Das 
Mirakelstück wurde am 28. Oktober 1928 zum erstenmal beim Paternwirt 
in M.-Luggau aufgeführt, seitdem einige Dutzend Male. 
50 Das Spiel vom 111. Rosenkranz, Innsbruck 1936.
	        
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