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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 58/59.1926/27

Vergleichbarkeit und Alter der deutschen paläolith. Artefakte. 57 
Oder „unsicher“ bezweifelt oder einfach nicht beachtet wurden), trotz 
der mit dieser Deutung völlig unvereinbaren Fundumstände und 
agerungsverhältsnisse; man half sich eben damit, daß man auch 
hier kurzerhand die Lagerung und Fundumstände bezweifelte, was 
Zwar sehr bequem ist, aber nicht ganz einwandfrei sein dürfte. 
Wiegers hat sich in seiner oben angeführten Arbeit sehr einfach 
SO geholfen, daß er das Stück gar nicht erwähnt. Nach der geo- 
logisehen Situation und den Fundumstünden des Stückes am Grunde 
eines Dryastonbeckens, auf der Hóhe der äußeren, jungdiluvi- 
alen Endmoräne, stammt diese wundervolle Spitze (Abb. 11—13) aus 
der Zeit etwa dieser äußeren Endmoräne oder ganz wenig später, 
mithin kurz nach der Höhe der letzten Eiszeit, also aus einer Zeit, 
in die man das franzósische Solutréen setzt. : 
Die Spitze hat auch in Technik und Form sehr große Ahnlich- 
keit mit den Lorbeerblattspitzen des Solutréen, zeigt aber keine voll- 
stándige Übereinstimmung mit diesen, worauf mich seiner Zeit freund- 
liehst Herr Dr. Schwantes aufmerksam machte, da sie (Abb. 11 rechts 
oben) eine merkwürdige Abflachung zeigt, die bei den typischen 
Lorbeerblattspitzen fehlt, und die schon die erste Andeutung einer 
Pointe à eran* sein kónnte. — Jedenfalls beweist diese Spitze, daf 
in Schleswig-Holstein schon etwa zur Hóhezeit der letzten Vereisung, 
unmittelbar am Eisrande (Dryaston mit arktischer Flora!) Menschen 
lebten, die eine sehr ähnliche Technik beherrschten, wie die franzô- 
sischen Solutré-Leute, und die diese Technik doch wohl direkt weiter 
bis ins Neolithikum, bis weit über die Grenze des Alluviums hinaus 
vererbten, wo hier bis etwa 2500 v. Chr. fast identische und ebenso 
schôn gearbeitete, sehr dünne bis fast durchscheinende Flint-Spitzen 
hergestellt wurden. Nach diesem m. E. sicher horizontierten Funde 
ist es wohl durchaus nicht sicher, daß alle die bisher lose gefundenen 
und „selbstverständlich“ ins Neolithikum gesetzten Funde dünner, 
feiner Spitzen in Lorbeerblattform wirklich zum Neolithikum gehören, 
— sie könnten z. T. sehr viel älter sein, wenigstens die im Westen 
der Halbinsel gefundenen Stücke! 
Endlich habe ich selbst am Kaiser-Wilhelm-Kanal, bei Rosen- 
kranz, in den oberen Lagen des hier hinter der inneren, jün- 
geren ,Hauptendmoräne“ abgesetzten Dryastones eine sehr schön 
gearbeitete Pfeilspitze von ganz’ anderer 
"Technik gefunden!) (siehe nebenstehende 
Abb. 14) Die Lagerstátte hinter der Vs eit AE 
inneren, jungdiluvialen Endmoräne, in : 
den obersten Lagen des dortigen Dryas- 
tones ist also wesentlich jünger, als die: 
der Lorbeerblattspitze von Nusse, und 
verweist diese Spitze von Rosenkranz an 
den Schluf der letzten Eiszeit, etwa in App j4 Pfeilspitze aus den 
die Zeit, in die sonst das Magdalenien oberen Lagen des Dryastones bei 
gesetzt wird, aus dem aber Pfeilspitzen ,  Rosenkranz, 
dieser Art, Form und Technik nicht be- | 
kannt sind. Diese Spitze ist nicht, wie die vorige von Nusse, durch 
zahllose, feinste Absplitterungen, sondern durch vier kurze, ein- 
fache Schläge oder Druckanwendungen hergestellt worden, sie ist ein 
völlig neuer, paläolithisch. sonst unbekannter Typ und findet 
ein Analogon nur erst wieder in einer sehr viel späteren Zeit, im däni- 
3) O, Gagel: Die diluvialen Artefakte am Kaiser-Wilhelm-Kanal S. 408, Fig. 9. 
  
 
	        
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