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fullscreen: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 14=24.1894

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am unter den verschiedenartigen Funden feste Stufen Diese frühzeitige Weiterentwicklung der neolithi- 
zu unterscheiden. Als Materialien für eine unterste chen Kultur ist in Galizien und den nordöstlich sich 
Stufe bieten sich wohl die längst bekannten Funde ınschliessenden Gebieten nicht zu beobachten. Dort 
aus der Vypustekhöhle in Mähren mit ihren bomben- scheint die neolithische Kultur zu einem Dauertypus 
förmigen Gefässen, eine Schichte in den Krakauer seworden zu sein, welcher die Kupferstufe und die 
Höhlen und verschiedene Karstfunde dar. Diese Schichte 3ronzezeit unberührt überdauerte, bis er bei einer 
wäre eines zusammenfassenden Studiums besonders einen, hellbraunen Thonwaare, die mit schwarzen und 
würdig. Bei den der voll entwickelten jüngeren Stein- rothen Spiraloidornamenten bemalt ist, anlangte. Diese 
zeit unserer Länder angehörigen Funden können wir harakteristischen Gefässe scheinen mit importirten 
zunächst die in Mitteldeutschland so wohl studirte —B3ronzen der Hallstattperiode gleichzeitig zu sein. Ihre 
geographische Grenze zwischen der bandverzierten und Technik erinnert auch vollständig an die der bemalten 
der schnurverzierten Keramik ziemlich genau beob- efässe Schlesiens, 
achten. Sie geht in west- östlicher Richtung mitten Mit der Erforschung unserer eigentlichen Bronze- 
durch Oesterreich-Ungarn. Im nördlichen Gebiete, an ‚eit sind wir sozusagen auch noch im Rückstande. 
welchem besonders Böhmen, Mähren, Schlesien und ich glaube es theilweise dem blossen Zufalle zuschreiben 
Galizien (wahrscheinlich auch Nordungarn) betheiligt u dürfen, dass in Oesterreich bisher eine so geringe 
3ind, finden wir die Schnurkeramik am besten in Skelet- 7ahl von Funden aus dieser Periode an das Tageslicht 
yräbern mit geknickter Leichenlage (sogen. liegende ‚ekommen sind. Manche Gegenden, wie z. B. die ganze 
Hocker) vertreten. Auch bezüglich der Gefässformen Alpenregion, sind jedoch so arm an Bronzezeitfunden, 
ist die Anlehnung an die typischen Vorkommen deut- lass wir schon nach besonderen Gründen für diese Er- 
lich. Wir haben besonders den geschweiften Becher, cheinung suchen müssen, In die Sammlungen haben 
die flache Schüssel mit kleinem Henkel und die bauchige nit Ausnahme der im Ferdinandeum aufbewahrten 
Vase mit verengtem Halstheil und kleinen Henkeln. wichtigen Funde die Ostalpen fast nur als Einzeln- 
In den Nordkarpathenländern sind auch die Formen: der Depotfunde aufzufassende ältere Bronzen geliefert. 
stufen des Flintbeiles, welche Montelius für die nor. Ausserhalb dieses Gebirges steht die Sache jedoch 
dische jüngere Steinzeit aufstellte, vollzählig entwickelt jesser. Ich glaube da folgende räumliche und zeit- 
Im südlichen Gebiete haben wir dann verschiedene iche Gruppirung vornehmen zu können: 
lokale Ausbildungen der Bandkeramik: Die Pfahlbauten Nördlich der Alpen können heute im westlichen 
des Salzkammergutes und des Laibacher Moores, Werk- "heile der Monarchie mit Hilfe von Gräberfunden drei 
stättenfunde und Ansiedelungen auf festem Boden von —B3ronzezeitstufen unterschieden werden. Die vorhandenen 
den oberen Donaugegenden an bis Siebenbürgen und bis Depot- und KEinzelnfunde lassen sich willig in diese 
zu den ältesten Castellieren Istriens, Dalmatiens und Cintheilung einreihen. 
Bosniens und dem unübertroffenen Reichthume von Die älteste, an die neolithische Periode sich an- 
Butmir bei Sarajevo. ichliessende Schichte ist vertreten durch Flachgräber 
In diesem südlichen Gebiete sind die Spuren fröh- nit geknickt liegenden Skeleten, welche in Nieder- 
lichen Kulturfortschrittes am Ende der neolithischen Österreich, Mittel- und Nordböhmen und Mähren in 
Periode deutlich zu verfolgen. In den Pfahlbauten des zrosser Zahl beobachtet worden sind. Die Skelete 
Salzkammergutes zeigen vereinzelte kleine Kupfer- und ‚eigen uns einen dolichocephalen, aber kleinen, gra- 
Bronzegegenstände, sowie thönerne Gusslöffel u. dgl., len Menschenschlag. Durch die charakteristischen 
dass diese Wohnstätten nicht nur den Beginn der —Schleifen- oder Nobbenringe aus Draht, durch Flach- 
Metallzeit erlebt, sondern dass sich ihre Bewohner Deile und einfache Messer ist auch eine Parallelstellung 
auch selbstthätig der neuen Substanz zur Erzeugung nit den bayerischen und norddeutschen Schichten er- 
kleinerer Geräthe bemächtigt hatten. Es sind auch alte nöglicht. In Nordböhmen erscheinen als Leitbronzen 
Kupferbergwerke mit hauptsächlich neolithischem In- nittelgrosse Gewandnadeln mit umgekehrt kegelför- 
ventar nachgewiesen. Viele Funde auf dem flachen nigem Kopfe, auf dessen Endfläche ein Oehr sitzt. In 
Lande legen ebenfalls Zeugniss für diese Fortentwick- ler Donaugegend erscheint die ganz einfache Terra- 
lung ab und selbst in dem eben genannten Butmir narafibula. Die hieher gehörigen Thonwaaren haben 
welches noch kein Metallfundstück geliefert hat, zeig! ine ziemlich feine Mache, Zu den charakteristischen 
ein Theil der Thonwaaren Charaktere, welche ich au! formen gehören kleine, scharf profilirte Henkeltönfe 
nähere Beziehungen zu metallverarbeitenden Ländern on dunkelbrauner Farbe. . 
zurückführen zu müssen glaube. Als mittlere Bronzezeitschichte erscheinen mir 
Diese jüngste Stufe der neolithischen Periode hat _3randgräber, welche z. B. in Gemeinlebarn am rechten 
oekanntlich Herrn Dr. Much das Material zu seiner Donauufer sich unmittelbar an die vorige Stufe an- 
Kupferperiode geliefert. Seinen sorgfältigen Studien schliessen. In ihnen kommen mannigfaltige, zum Theil 
verdanken wir ein ausgezeichnetes Werk über die raphitirte Gefässe und die zweitheilige nordische Fi- 
Kupferzeit, aber ich kann auf dieses Buch wohl den ula mit blattförmigem Bügel und kleinen Endspiralen 
Satz „Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande“ or. Von den Grabhügeln ‘des südwestlichen Böhmens 
anwenden. Meine und meiner nächsten Fachkollegen —cheint eine Anzahl dieser Stufe anzugehören. 
Meinung geht dahin, dass der Kupferzeit nur die Eigen- Die dritte Stufe findet sich in Niederösterreich 
schaft einer Uebergangsstufe zukommt. Der Charakter ınd im südwestlichen Böhmen in Grabhügeln, deren 
und die Menge der bekannten Kupferfunde laden nicht —ronzen in vielen Stücken an die ungarischen Formen 
dazu ein, die ihnen von Dr. Much dem Zeitraume und 'rinnern. 
der kulturellen Bedeutung nach zugeschriebene grosse In den südlich der Alpen gelegenen Fundstellen 
Rolle anzuerkennen. Insbesondere scheint mir, dass ındin Ungarn weiss ich nur zwei Stufen dieser eigent- 
gewisse Kupferobjekte, wie die grossen Aexte mit Stiel- ichen Bronzezeit zu unterscheiden. Die ältere ist die 
loch, welche unter den ungarischen Kupferfunden eine Lerramarenstufe, welche ihre Vertretung sowohl in 
so grosse Rolle spielen, nicht dem älteren, auf echte en älteren Pfahlbaufunden von Peschiera, wie in den 
neolithische Muster zurückführbaren Formenkreise zu- ;erramaraähnlichen Ansiedelungshügeln der ungarischen 
zurechnen sind. Ebene hat. Die obere ist hauptsächlich durch Massen- 
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXIV. 1894. Sitzungsberichte
	        
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