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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 87.1962

  
  
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76 Andrejs Johansons: Der Kesselhaken im Volksglauben der Letten 
stárkt, daB man in mehreren Fállen das Übergehen norwegischer Hausidole in 
den Hausrat beobachten kann?^). Ebenso kam es in Norwegen vor, daB die 
Braut auf den uns interessierenden Balken Káse legte, den der Bráutigam 
mittels seines Schwertes entzweispaltete. Darauf hieb er in den Balken, dann 
zerhackte er mit dem Schwert ein ihm gebrachtes Seitenstück eines Rindes in 
kleine Bissen, welche von der Braut unter den Anwesenden verteilt wurden ?*). 
Hatte nun der norwegische gjelgje ,Balken über der Feuerstelle' ehemals 
wirklich den Charakter eines Idols — und die Argumente für diese Wahrschein- 
lichkeit sind schwerwiegend — so war der Kesselhaken daselbst sozusagen 
unmittelbar an einen Hausgott gebunden. Obwohl ein áhnliches Verháltnis 
bei den Letten nicht festzustellen ist, deuten die Beobachtungen über das nor- 
wegische Material denselben Weg an, den wir in dieser Untersuchung ziel- 
bewußt gewandert sind. Die Glaubensvorstellungen, die am Hausrat haften, 
sind nicht lediglich als ein unkomplizierter , Gerátefetischismus" zu betrachten. 
Die Auseinandersetzungen über den Kesselhaken haben uns veranschaulicht, 
daß hinter einem alltäglichen Gerät ein übernatürliches Wesen mit verschie- 
denartiger Kraftwirkung zum Vorschein kommen kann. 
9) Vgl. Berge, a. a. O., S. 35 ff., wie auch L. Weiser, Germanische Hausgeister und Kobolde, Nieder- 
deutsche Zeitschrift f. Volkskunde, IV, Bremen 1926, S. 6. 
$5 Vgl. Berge, a. a. O., S. 106 f. 
  
 
	        
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