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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 100.1975

  
  
   
Zur Frage der altmexikanischen Tageszeichen 
inhaltliche Verschránkung aber ist eminent chinesisch: „Zehn Sonnen‘ bilde- 
ten eine Zeitgröße (Tsung-yi, 1972:114 „Ten Suns, sometimes indicates the 
Ten Stems, i. e. the names of the days") und ein mythologisches Thema (Ab- 
schieben von neun überzáhligen Sonnen aus einer Gesamtzahl von Zehn durch 
den Himmlischen Bogenschützen). Erprobt man eine Sonderung zwischen den 
ersten neun N-Zeichen (von 2. , Wind" bis 19. ,Regen") und dem zehnten 
solaren N-Zeichen, dann bedeutet das gematrisch eine Kontrastierung von ,,99" 
vs. ,20". Die Neunergruppe der nichtsolaren N-Zeichen eignet sich für ver- 
schiedene Gruppierungsexperimente, die hier nicht näher vorgeführt werden 
sollen; erwähnt sei nur die Assoziationsmöglichkeit ihre Endpunkte , Wind" 
und ,,Regen' mit einer chinesischen Vorstellung (Granet 1963:283, nach Huai- 
nan-tzu, ,, Wind und Regen durchwehen den Kosmos"). 
Zwar ist der chinesische Zyklus der zehn Stámme in seiner inhaltlichen 
Erfüllung nicht mit der altmexikanischen N-Dekade zu vergleichen, doch weist 
er eine strukturelle Gemeinsamkeit auf. Wie Granet gezeigt hat, ,,fabt man 
die Zahlen des Zehnerzyklus zu fünf Binomen zusammen, wobei vier Paare 
je eines der Enden eines Achsenkreuzes und das fünfte dessen Mittelpunkt 
bezeichnet‘ (Granet 1963:113, Hervorhebung von mir). Ein analoges Modell 
der fünf N-Binome habe ich eingangs erwogen; eine altmexikanische Gruppie- 
rung von der Art 
12. Gras 
13. Rohr 
6. Tod 19. Regen 17. (Erde) 
9. Wasser 20. (Sonne) 18. Feuerstein 
2. Wind 
3. (Nacht) 
wäre im chinesischen Ordnungsdenken prinzipiell nachvollziehbar, wenn auch 
in manchen Einzelheiten ungewóhnlich (,Erdhaftes" gehórte in das Zentrum, 
dem ,Hólzernen" — altmexikanisch ,Pflanzliches" — müDte ,,Metall" gegen- 
überstehen). 
Das führt uns zu der Frage nach Entsprechungen von Elementen-Gruppen. 
Schon Graebner hatte bei der Diskussion der chinesischen zehn Stámme und 
der fünf verdoppelten Elemente einen ähnlichen Gedankenzusammenhang für 
die N-Dekade erwogen (Graebner 1920:26, offenbar angeregt durch Aufsatze 
von F. Bork). Eurasien liefert mannigfaltige Beispiele für Elementen-Pentaden, 
wobei vor allem die fünf chinesischen Elemente Holz-Feuer-Erde-Metall-Was- 
ser in eine Fülle symbolischer Entsprechungsgruppen eingebaut erscheinen 
(Needham 1962 II:262-263). 
Analysiert man die N-Dekade, so 1aBt sich dort tatsächlich eine Teilfolge 
auf eine ,,chinesische" Elementengruppierung zurückschlüsseln 
13. Rohr vgl. „Holz“ 
17. (Erde) vgl. ,Erde" 
18. Feuerstein vgl. , Metall" 
19. Regen vgl. ,Wasser" 
20. (Sonne) vgl. ,Feuer" 
„Feuerstein‘ als Aquivalenz für ,, Metall" wáre zwanglos aus der vormetallzeit- 
lichen Situation im frühen Mesoamerika zu erklàren. Verstehen wir diese 
»konsekutive N-Pentade", mit ihren fünf ,, chinesischen" Elementen, als in sich 
geschlossenes Subsystem, dann ist dort eine teilweise Übereinstimmung mit 
den sogen. Wandlungsphasen der Elemente (Granet 1963:124 betr. Wasser- 
Feuer-Holz) und mit dem Richtungszyklus gegeben. Bei einer , chinesischen" 
  
  
	        
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