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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 100.1975

    
SEER, 
214 Thomas S. Barthel: 
Kalendersystem stammt aus einem nordchinesischen Inlandsbereich (Anyang) 
von etwa 36 Grad nórdlicher Breite, wo der kontinentale Winter scharf in 
den Jahreslauf einschneidet, während die altmexikanischen Zeichen südlich 
des Wendekreises zu lokalisieren sind, wo statt dessen der Wechsel von Trok- 
ken- und Regenzeit konstitutiv ist. Bei den mesoamerikanischen Empfänger- 
kulturen eines genuin ostasiatischen Kalendersystems, bei dem zwôlf Tierzei- 
chen auch die Monate im Jahr angeben konnten, bestand überhaupt kein Be- 
dürfnis zur Akzentuierung einer winterlichen Jahreszeit. 
Die ,Dreier-Lücke" kónnte also ihre Erklárung aus der nord-südlichen 
Verschiebung von Kalenderserien finden. Vielleicht fand die innerkalendari- 
| sche Akzentverschiebung und Aussparung bereits in China statt. Im chou- 
zeitlichen Reiche der Ch'u, das sich bis zum Mittellauf des Jangtsekiang und 
| bis zu 25 Grad nördlicher Breite erstreckte, wurde interessanterweise der 
Ausdruck , Drei Jahreszeiten" für Frühling, Sommer und Herbst benutzt, wáh- 
rend der Winter ausgelassen worden zu sein scheint (Tsung-yi 1972:114). Für 
den hypothetischen Amerikakontakt im ersten vorchristlichen Jahrtausend 
sind bekanntlich die óstlich und südóstlich von Ch'u gelegenen Küstenstaaten 
Wu und Yüeh verantwortlich gemacht worden. Auch dort, bei den Seefahrt 
treibenden Nachbarn des Ch'u-Reiches, war in der Mitte des ersten vorchristli- 
chen Jahrtausends das System der himmlischen und irdischen Zykluszeichen 
in Gebrauch (Eichhorn 1969 passim). Mit der han-zeitlichen Südexpansion und 
| dem Überschreiten des Wendekreises kämen dann subtropische Küsten „ohne 
| Winter" als Ausgangsgebiete fiir eine transpazifische Übermittlung des Kalen- 
ders in Betracht. 
| Aus chinesischer Perspektive müßten die Aquivalente zu den beiden wich- 
| tigsten Tieren (,,Drache", als Anführer der Wassertiere, symbolisiert das Yang- 
| Prinzip und die Ungeradzahligkeit; ,, Tiger", als Anführer der Landtiere, symbo- 
| lisiert das Yin-Prinzip und die Geradzahligkeit) auch im altmexikanischen Ka- 
| lender eine hervorragende Rolle gespielt haben. Abgesehen davon, da ,,(1) 
cipactli" und ,,(1) ocelotl'' ja die Regenten der ersten beiden Wochen im Ritual- 
kalender sind und daB man beiden Tierzeichen typische Tiergruppen als Nach- 
barn zugesellen kann — zum ,Kaiman" die Zeichen 15., 16., 4. und 5., also 
die eierlegenden Vógel und Reptilien, zum , Jaguar" die Zeichen 7., 8., 10. 
und 11., also die Sáugetiere — fállt folgende gematrische Beziehung auf, wel- 
che die UT- und GT-Pentaden in ein neues Licht rückt: 
il ,Anführer" 1.plus5.— 7. 11. — 15. (d. h. 12 + 26 = 38) 
il , Anführer" 14. plus 4. — 8. 10. — 16. (d. h. 12 + 26 = 38) 
| Jedes ,,Gefolge" eines postulierten „Anführers‘ besteht aus zwei Paaren, die 
| gematrisch eine Verbindung von den UT-Zeichen zu den GT-Zeichen herstel- 
len: 
i „Schlange“ — „Hirsch“ Affe” — Adler” 
,Eidechse" — „Kaninchen“ „Hund“ — „Geier“ 
Ist auch darin ein Richtungsmuster enthalten? Die entsprechenden chinesi- 
schen Positionen formieren sich zu vergleichbaren Intervallen in den vier Paa- 
ren: 
8. iB, 9 40, 
(29) — 4. 11 +. 1224 
Dieser Ansatz läBt sich vielleicht künftig weiter ausbauen. 
  
Asiatische Aquivalenzen der altmexikanischen Nichttierzeichen 
  
| 
| 
| Lassen sich auch in der N-Dekade asiatische Merkmale feststellen? Zu- T 
| náchst sei darauf aufmerksam gemacht, daf bei aufsteigender Lesung das letzte 
und zehnte nichttierische Zeichen für die Sonne steht. Eine solche numerisch- 
 
	        
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