Stammeskunst und Kunsthandwerk zwischen Kayes und Sofara 187
breitet man den Stoff auf dem Boden aus und drückt die Erde mit einer Art
Spatel hinein. Schließlich bedeckt man das ganze Tuch mit Erde und trocknet
es in der Sonne.
Oft werden einige Teile der Zeichnung noch mit ätzender Seife aus Schibutter
und Pottasche bedeckt, so daß sich diese Teile des Musters nach dem
Auswaschen von den schwarzen Zeichnungen und dem braunen Grund scharf
abheben. Es soll im Beledugu allerdings noch eine andere Technik für die
Herstellung dieser Textilien geben: man trägt an manchen Stellen des Gewebes
zu allererst die Seife auf und an diesen Stellen greifen dann die schwarze
und die braune Farbe nicht.
In dieser Technik werden Hüfttücher der Frauen „basila, fanni, kamdjida,
Welle”, Tuniken für Männer ,,bilekaman, diebada, faden, finimugudoroke, finyengele,
iradorole, tubabugui" und Tuniken speziell für Jáger ,niamerole"
(Abb. H. Haselberger 1965: 495) hergestellt, ebenso wie Tanzhüfttücher für
junge Männer, ,,yaba" genannt, mit breiten Stofffransen, Gesichtshüllen für
Maskentänzer des N'domo und Frauenbubus ,kandjida bassiga" sowie kulti-Sche
Stoffpuppen.
Die gelbe Farbe ist ein Mittel gegen bestimmte Hautkrankheiten; die braune
Farbe wird symbolisch rotem Kupfer und Blut gleichgesetzt. Die gezeichneten
Ornamente geben profane Motive wieder, haben aber auch eine esoterische
Bedeutungsschicht, die dem Mythus von Mande zugeordnet werden kann. Die-Se
profane Bedeutung kann z. B. sein ,,Blume, Antilopenfuf, Halsband, Kástchen,
altes Tor, Vogelspur', aber auch ein komplexer Begriff wie „er bezahlt
Seine Schulden nicht".
Stickerei
Zentren der Stickerei waren in der Region Kayes-Sofara die Stádte Djenne,
Kayes, Medineh, San, Saro und Segou. Sticker aus Djenne wurden noch vor
wenigen Jahren in weit entfernte Stádte wie Sikasso gerufen. Diese Sticker
Waren vornehmer Herkunft und wurden während der Arbeit vom Auftraggeber
ernährt. Als Bezahlung erhielten sie überdies — soweit wir wissen — soviel
Geld, wie die Seide gekostet hatte, die verarbeitet wurde. Wandernde Sticker
fand man noch vor wenigen Jahren in allen größeren Städten von Südwest-Mali.
Zum Sticken verwendete man pflanzliche Seiden vom ,,dudo, fafetone"
und ,tirbo" sowie Ananasseide aus den Wáldern weiter im Süden. Im Bezirk
Sikasso und in den angrenzenden Regionen wurde auch mit der Seide wilder
Seidenwürmer wie Bombyx Faidherbii, Anaphe Molonegi, Hyspoides Vuillete
etc. gestickt. Heute findet man europáische Baumwolle und europáische Seiden
in der Hand der letzten Sticker.
Die Tradition der Bambara-Niare von Bamako spricht von einem gestickten
Gewand, das der erste Mansa oder König aus der Familie trug und das
Mit kosmischen Zeichen aus Seide bedeckt war, wie V. Paques 1953 berichtete.
Auch Tieba, König des Kenedugu, und der Tukulörherrscher Ahmadu trugen
bestickte Gewänder und sicher ebenso viele andere Vornehme in Mali. Heute
Wird allerdings gewöhnlich schon mit der Maschine gestickt. Aber noch vor
Wenigen Jahren fand man in der Region Kayes-Sofara handgestickte Textilien
Wie Decken (die Bambara z. B. kennen acht Ritualdeckentypen ,,kamisi bri
fini fi, kosso wala" mit eingewebten und gestickten Ornamenten, welche ihre
Jesamte Mythologie, Kosmogonie und Sozialorganisation darstellen. Diese
Decken wurden von den groDen Initiierten der Bünde getragen oder bei Hoch-Zeitszeremonien
etc. benützt).