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Stammeskunst und Kunsthandwerk zwischen Kayes und Sofara 185
tun, benützt der Weber entweder Litzenstábe oder ófter noch eine Knoten-Schnur
arabischen Ursprungs. Auch diese bunten Muster stehen in Verbindung
mit dem Schópfungsmythus. Manchmal gehóren mehrere Streifen symbolisch
zusammen: so erzáhlen etwa vier verschiedene Bánder zusammen die Ge-Schichte
der Musso Koroni, einer zentralen Gestalt des Schópfungsmythus von
Mande. Bei den Bambara gibt es sogar eine eigene , Wissenschaft von den
Bändern“, die sich auf Farbe, Musterung und Anzahl der Streifen bezieht, wie
V. Paques zu berichten weiß.
Die Kleider haben eine enge Beziehung zur Person, welche sie trägt; die
Muster weisen auf das hin, was der Träger des Gewandes tut und auf die
Mythologie. Verschiedene Gegebenheiten des sozialen und religiösen Lebens
verpflichten dazu, ein Kleid mit einem ganz bestimmten Symbolismus zu tra-A
gen. Die Bambara stellen sogar für zeremonielle Zwecke einzelne altmodische,
nicht mehr im táglichen Leben getragene Kleidungsstücke her.
Verfertigt werden in Südwest-Mali:
Decken, die ,kamisi bri fini fi, kosso kala, kosso n'diedafi, kosso wala
saki" genannt werden. Am berühmtesten sind die blau-weiß-schwarzen Decken
vom Segou-Typus. Sie wurden und werden meist nicht in der Stadt selbst,
sondern in deren Hinterland, z. B. in Bamandjougou, Boro, Gomitogo, Sofara
etc. durch Somono-Weber angefertigt und über Segou — daher der Name
— weiter gehandelt.
Tuniken, die allerdings seltener als die Decken durch eingewebte Streifen
verziert sind, sowie Hüfttücher , baio, diemana sogui, kolokele, kolosage, utu",
\ etc., unter denen es reich dekorierte Exemplare gibt, werden gleichfalls ,,von
Segou" genannt.
Indigofärberei
Man färbt Gewebe europäischer und afrikanischer Provenienz. Die europäischen
Tuche, meist Leinendamaste, werden vor dem Färben manchmal zu
Streifen zerschnitten und wieder zusammengenáht, damit sie den einheimi-Schen
Stoffen áhnlich werden.
Die Indigofárberei wird in Westafrika bereits von Duarte Pacheco Pereira
erwáhnt. Der erste, der den Fárbevorgang beschrieb, war Mungo Park 1799.
Heute ist die Indigofárberei, von der z.B. die Khassonke glauben, daß sie
Mohammed brachte, in ganz Mali verbreitet; aber im einzelnen wechselt die
Färbetechnik von Region zu Region. Man verwendet zum Färben wildwachsenden
Indigo und kultivierte Pflanzen, die vor allem bei den nördlichen Bambaragruppen
und bei den Sarakolle gezogen werden. Hier gelangen die verschiedenen
Sorten von Indigofera zur Anwendung, aber auch der Pterocarpus luceus
und die ,,baraba"-Liane. Die Blátter des Indigoferastrauches werden zerstampft
Und zu Kegeln bzw. Laiben geformt in der Sonne getrocknet. Nach langer
Rastzeit wird der Indigo gewaschen und in alkalischen Aschen, Alaun und
Soda eingeweicht, wodurch ein Fermentierungsprozef einsetzt. Manchmal werden
der Farbmischung auch — z. B. in Kayes — Gewürze, Tomaten und Lorbeerblätter
zugesetzt. Diese Beimengungen ändern die Farbnuance. Dann wird
der Farbstoff geschlagen, bis er schäumt.
Br auníürben, Schlammzeichnen und Atzen
Textilien, die braun gefárbt und mit schwarzen Mustern bedeckt werden,
9rwáhnt bereits R. Caillie 1830. Man findet sie in der Region zwischen Kayes
Und Sofara bei den Bambara, den Khassonke, Malinke und Minianka, aber
Auch in Djenne. Verbreitungszentrum ist das Bambaraland. Gewóhnlich wer-