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Full Text : Zeitschrift für Ethnologie, 99.1974

 

 

  

Stammeskunst und Kunsthandwerk zwischen Kayes und Sofara 183

ist ein Absud von „dundu'-Halmen in einem Bad von Tamarindenfrüchten,
aber in der Region Djenne, im Fermagha und im Macina dürfte diese Farbe
auch aus einem zerriebenen Stein, der ,,say'" genannt wird, gewonnen werden.
Er kommt aus der Homborriregion und wird in Aschenwasser aufgeschlámmt.
Schwarz gewinnt man aus den Bláttern verschiedener Pflanzen oder aus einer
Mischung von Indigo mit Holzkohle bzw. Schlamm und Rinde oder Bláttern
des Angeissus leiocarpus. Gelbe Farbe gewinnt man aus einer Mischung von
,Sorren" und Tamarindenfrüchten in Aschenwasser oder aus einer Iriswurzel.
Braun ist meist ein Tamrindenabsud mit einem Zusatz des pflanzlichen Produktes
 ,,dundi' . Alle Kleider und Stoffe aus Wolle mit den braun-gelb-schwarzen
Zieraten werden , kas(s)a" genannt. Da gibt es z. B. sehr grofe Wolldecken,
die bei Hochzeitsfeiern der Peul Betten und Wànde schmücken und die auch
wie Moskitonetze gebraucht werden. Sie bieten guten Schutz gegen Kälte.
Ein ,,kas(s)a" kann aber auch ein ponchoartiges Gewand mit oder ohne Armel
sein, wie es von den Mánnern und manchmal sogar von den Frauen der Peul
getragen wird. Es kann auch ein Frauenhüfttuch sein. Im Territorium der islamischen
 Dina wurden im frühen 19. Jahrhundert die MaDe dieser Decken und
Gewänder durch den Peulführer Sheiku Hammadu vereinheitlicht.

Literatur:

Ba, A. H., undDaget, J.
1953 L'empire Peul du Macina, Bamako.

Boser-Sarivaxévanis, A.
1972 Les tissus de l'Afrique Occidentale, Basel.

Textiles Kunsthandwerk in Baumwolle und Seide

Weberei

Mehrere Legenden geben an, daß die Weberei in Mali autochthon ist,
was aber nach der Form des Webstuhles, eines horizontalen Männertrittweb-Stuhles,
 nicht der Fall sein kann. So erzählen die Bambara, daB die Weberei
in Hakilidugu, dem Dorf der Intelligenz, durch zwei Bambarabrüder erfunden
Wurde, die einen Vogel und eine Spinne beobachteten. Doch schon Al Omari
berichtet, daß im 14. Jahrhundert in Mali Baumwolle gebaut wurde und daß
die Einheimischen schöne Textilien herstellten. Auch Leo Africanus beschreibt
im frühen 16. Jahrhundert die großen Baumwollbestände in Mali. R. Mauny,
Wohl der beste Kenner dieser Frage, nimmt an, daß die Weberei im 11. Jahrhundert
 das Senegaltal erreichte und sich von dort weiterverbreitete.

Bei den Bambara und Khassonke waren die Weber, die entweder einzeln
oder in Gruppen arbeiteten, früher meist Haussklaven; heute sind sie frei und
Werden Somono genannt. Manchmal betátigen sich Marka als Weber für die
Bambara und die Bwa. Bei den nórdlichen Senufo trifft man überall Diula
als Weber an. Die Weber verwenden einen horizontalen Webstuhl mit zwei
Pedalen, die zwei durch eine Schnur verbundene Scháfte bewegen. Die Schnur
gleitet über eine früher oft schón beschnitzte Rolle. Gewóhnlich werden die
Ornamentfáden mit den Fingern über die Kettfáden gezogen. Nur selten gibt
es Litzenstábe zur Herstellung von Ziermustern. Erzeugt werden nur schmale
Stoffstreifen, die man nachtráglich zusammennáht. Diese Stoffstreifen wickelt
man auf dem Brustbaum auf. Die Kettfáden, die manchmal mehr als 20 m
lang sind, gleiten auf dem Boden und werden vom Weber bei Bedarf an sich

 

  
            
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