Stammeskunst und Kunsthandwerk zwischen Kayes und Sofara 181
de Ganay, S.
1947/49 Symbolisme de quelques scarifications chez les Bambara, in: Compte Rendue
de l'Institut d'Anthropologie.
Henry, J.
1910 L'ame d'un peuple Africain, Paris.
Sissoko, D. E
o.J. Tatouage dans le Khasso, Cahier W. Ponty XIX-So 615, Manuskript im IFAN,
Dakar.
Kunsthandwerk in Leder
Die einheimischen Lederarbeiter, u. a. ,,garanke, djeli, walabbe, abarbe,
Sekke'" genannt, sind gekastet und gehóren in der sozialen Hierarchie zu den
am wenigsten geachteten Menschengruppen. In Bafoulabe und andernorts führen
sie in der Jugend ein Wanderleben. Sie sind oft auch Sánger. In Kayes waren
sie früher Haussklaven, in San sind sie nach Y. Santara so veráchtlich, daf
jedermann, der Lederarbeiter wird, seine bürgerlichen Rechte verliert. Die
Mohammedaner erzáhlen, dab Mohammed sie zu ihrem Handwerk verdammt
habe. In Sikasso gelten sie als Unglücksbringer. Im Distrikt Sikasso gibt es
neben den ,,djeli -Lederarbeitern auch die hóher geachteten Diula, die sich in
diesem Handwerk betátigen, und in Djenne stellen sogar die Arma, die marokkanisches
Blut in den Adern haben, schóne Lederarbeiten her, ohne dadurch ihre
hohe gesellschaftliche Stellung zu verlieren. Im Bezirk Sofara findet man Peul,
die das Leder bearbeiten. Bei den Sarakolle kónnen ausnahmsweise sogar
Frauen Lederpantoffel herstellen. Verarbeitet wird für feinere Erzeugnisse fast
ausschlieBlich Schaf- und Ziegenleder. Ochsenleder ist für die Dekorierung
nicht geeignet. Das Leder wird mit Pflanzensáften zusammengeklebt oder mit
Mehl von Früchten des Brotbaumes. Genáht wird es mit Ochsensehnen. Manchmal
wird es heute auf Karton aufgezogen.
Zu den Werkzeugen des Lederarbeiters gehóren Nadeln, Ahlen, Messer,
ein Arbeitsbrett, Hôlzer zum Polieren des Leders, Falze, Zangen, Hämmer, Gra-Vierinstrumente,
Bürsten und Bohrer.
Die Technik der Lederbearbeitung in Stidwest-Mali zeigt groBe Ubereinstimmung
mit der Art der Lederverarbeitung in Marokko. Das weist darauf
hin, daB dieses Handwerk vielleicht im 16. und 17. Jahrhundert mit den Marokkanern
in die Landschaft am Nigerknie kam.
Das Leder wird oft mit Wolle und Seide bestickt, mit Stoffstiicken, die
man durch Wachs gezogen hat, unterlegt und reliefiert, graviert, mit eingepunzten
Zieraten versehen, ausgeschnitten bzw. unterlegt oder mit Appliken
bedeckt. Es wird mit afrikanischen und europäischen Farben eingefärbt.
Die rote Farbe gewinnt man gewöhnlich aus dem sterilen Sorghum var.
Colorans; bei den Pomporo verwendet man zum Rotfärben zerstampften Eisen-Stein.
Gelb gewinnt man u.a. aus einem Absud der Blätter des Angeissus
leiocarpus oder aus den Blüten des ,fayar" -Baumes. Auch aus den Wurzeln
des ,Sey' -Strauches gewinnt man einen roten, zum Fárben geeigneten Stoff.
Das Orangerot ist in Djenne eine zerdrückte Wurzel, die aus Bobo-Dioulasso
in Haute Volta eingeführt wird, und andernorts die ,,diabe"-Pflanze, die dem
Henne ähnlich ist. Schwarze Farbe ergibt bei den Khassonke in Honig und
Hirsebier gelegtes Eisenoxyd mit Zitronensaft, bei den Pomporo Eisenschlakke
mit Bier. Als schwarzen Farbstoff verwendet man auch die Tinte, die der
islamische Geistliche anmischt, oder Schoten der Parkia biglobosa, in Wasser
gekocht. Oft setzt man der Farbe Alaun zu, damit sie haltbarer wird. Die