Buchbesprechungen und Bibliographien
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stellt er (S.10) wohltuend nüchtern fest: „Therefore the origin of the Shaiqiya has its roots in the an-
cient history of the region and is a continuation of the ethnical development of the different peoples
who lived or passed through the region. The region was a stage of many races and groups, and it
would be a kind of naive simplification to confine their origin to a single ethnical group, for example
the Arabs.“ Er gibt auch Zustände uneingeschränkt zu, die viele Gewährsleute aus verständlichen
Gründen gern verschweigen, so, wenn er (S.lll) die früher verbreitete Homosexualität und Sodomie
eingesteht. In anderen Fragen, wie z.B. der weiblichen Beschneidung, deren ,,many negative conse-
quences“ (S.109) er nicht beschönigt, nimmt er einen durchaus fortschrittlichen Standpunkt ein.
Diesen vielen positiven Gesichtspunkten stehen einige wenige Schwachstellen gegenüber, in der
Mehrheit eigentlich Flüchtigkeiten, z.B. wenn auf Karte 2 der Strom im südlichen Nubien noch als
Weißer Nil bezeichnet wird. In dem im Ganzen sehr aufschlußreichen Kapitel über den Alltag im
Volksislam ist eine Fußnote (S.138) angehängt, die Fachleute gewiß erstaunen, den nicht so Versier
ten aber eine völlig unbewiesene Hypothese als gesicherte Erkenntnis übernehmen läßt. Da liest man,
daß das arabische Wort für Teufel ‘Shaytan’ und vier weitere häufige Ausdrücke im Koran christlich
äthiopischen Ursprungs seien. Als Quelle wird ein Werk, das in Kairo 1925 erschienen ist, angeführt,
welches leider im Literaturverzeichnis fehlt. Es kann sich wohl nur um ein Buch von jenem Suyuti
handeln, der von 1445-1505 in Ägypten gelebt hat, ein Vielschreiber, dessen fast erdrückende Pro
duktion selbst von dem nüchternen Brockelmann als ,,in der arabischen Literatur einzig dastehend“
kritisiert wird (Gesch. d. arab. Lit., 2.Bd., 2.Aufl., 1949:180/81). Schlägt man in der Enzyklopädie
des Islams nach, dessen Einzelbeiträge von bekannten Orientalisten namentlich gezeichnet sind, so
findet man nur in einem Falle den Begriff als äthiopisches Lehnwort vermerkt (Mushaf)- Wie in die
sem Falle vermutlich eine Druckfassung 500 Jahre nach der Niederschrift von einem Autor, den
kaum jemand für zuverlässig hält, nicht deutlich gemacht ist, so auch bei anderen Titeln im Literatur
verzeichnis: Cooley’s „Negroland of the Arabs“ erschien in erster Auflage 1841, nicht 1960; Lane’s
„Manners and customs of the modern Egyptians“ stammt von 1836, nicht von 1960. Lewis Henry
Morgan ist mit falschem Titel und falschem Jahr aufgeführt. Vergleiche mit ähnlichen Erscheinungen
in anderen Ländern Nordafrikas werden vorwiegend mit Marokko gezogen, meist gestützt auf We-
stermarck’s Arbeiten. Warum wurden so selten Parallelen in Nubien oder Ägypten aufgezeigt? Der
Böse Blick und vieles mehr ist dort ebenso verbreitet.
Diese geringfügigen Einwände schmälern nicht das Verdienst des Verf., eine Monographie vor
gelegt zu haben, die mit ihrer Tiefe der Einfühlung von stammesfremden Feldforschern schwerlich er
reicht werden dürfte. Der Rezensent hofft, daß Ibrahims sarkastischer Vorwurf (S.XIII) ,,most of the
Sudanese academicians regard writing on local topics as a sign of narrow-mindedness and academical
inability to tackle more sophisticated matters“ in dieser Generalisierung in der jüngeren Generation
schon jetzt nicht mehr gilt, und daß gute Beispiele, zu denen diese Veröffentlichung zu rechnen ist,
weitere regional eng begrenzte Untersuchungen anregen. Rolf Herzog
Glasser, Morton; Pelto, Gretel H.: The Medical Merry-Go-Round: A
Plea for Reasonable Medicine. Redgrave, Pleasantville/New York 1980
Readers familiar with the medical literature may have already noticed one of the key points made
in this book: our medicine is not as much of a science as we might like it to be. Often, studies that are
crucial in the development and evaluation of medical procedures are hurriedly done and are fraught
with methodological errors: small, non-randomized samples, a failure to account for extraneous var
iables, and, too frequently, the lack of suitable control groups. There is also a dearth of prospective
studies.
One result of this state of affairs, according to Morton Glasser and Gretel Pelto, is that both new
and established medical techniques are too seldom called to account and subjected to unbiased
scrutiny. This, coupled with the authoritative nature of medical systems in general and each doctor in
particular, result in a process (the “merry-go-round” of the title) whereby a patient may be “...chan