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Buchbesprechungen und Bibliographien
„Bauform als Zeichen und Symbol“ ist ohne Zweifel eine wichtige Leistung im Felde der japani
schen Yolksreligion, vor allem als ein Pionierwerk der bauethnologischen Betrachtung des Fackelfe
stes. Besonders hervorzuheben ist das reiche Bildmaterial mit vielen Zeichnungen (Vertikal- und Ho
rizontalschnitte) der Kultmale selbst sowie der Art und Weise ihrer Errichtung. Dies gibt vom enor
men Fleiß des Autors kund. Der besondere Wert des Buches liegt darin, daß der Autor nicht stichpro
benartig Material aus ganz Japan zusammengetragen hat, sondern in einem begrenzten Gebiet syste
matisch Feldforschung betrieben hat. Es ist auch durchaus zu begrüßen, daß das alte Problem des ja
panischen Feuerfestes von einem ganz neuen Gesichtspunkt eine Untersuchung erfahren hat, und es
enthält auch manche interessante Ansichten. Andererseits wäre es wünschenswert gewesen, wenn der
Autor die religionsgeschichtlichen Hintergründe und Zusammenhänge dieses Gebietes im Vergleich
zu anderen Gebieten Japans berücksichtigt hätte.
Dies Buch ist keine leichte Lektüre. Nicht-Japanologen werden Glossarium und Register vermis
sen, da manche japanische Termini oder Begriffe ohne Erläuterung im Text stehen oder aber mit ei
ner solchen an einer ganz entfernten Stelle: z.B. für das Wort ,,Go-shintai“ (86) muß man eine Erläu
terung auf S. 38 suchen, und es gibt keine Erläuterung für den Begriff „das kleine Neujahr“, was das
Fest am 15. Januar des Lunarkalenders bedeutet. Das Wort „Köminkan“, was ein Gesellschaftshaus
der Gemeinde bedeutet, ist falsch als „Agrarkooperativ“ (142 et passim) erläutert.
Taryo Obayashi
Ibrahim, Hayder: The Shaiqiya; the cultural and social change of a
Northern Sudanese riverain people. (Studien zur Kulturkunde 49). Wiesbaden:
Steiner 1979.
Dieses Buch ist die Druckfassung einer Frankfurter Dissertation, die der aus dem Sudan stam
mende Autor über seine eigene Ethnie verfaßt hat. Er wählte seinen Geburtsort, das Dorf Gureir, aus
und stellte ihn als beispielhaft für den gesamten Stamm hin. Die Berechtigung zu solcher Verallgemei
nerung ist zwar nicht nachgewiesen; es gibt aber andererseits auch auf den ersten Blick kaum Gründe,
diese Generalisierung abzulehnen. Die Shaiqiya (von anderen auch Shaikije geschrieben) leben an bei
den Nilufern südlich der Danagla(-Nubier) stromaufwärts bis fast zum 4. Katarakt. Ihre Existenz
grundlage ist der Anbau, vorwiegend Bewässerungsfeldbau, durch eine geringe Viehzucht ergänzt,
die nicht einmal halbnomadisch betrieben wird. Der Verfasser stellt am Anfang die Frage, ob es nicht
ein Risiko sei, sein eigenes Heimatdorf zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung zu
machen. Er hat es dann schließlich doch gewagt, und man darf ihm zugestehen, daß er kein schönfär-
berisches Bild einer vermeintlich heilen Welt am Nil mit lobenswert fester Verankerung in den Tradi
tionen gezeichnet hat. Natürlich hat er sich betont an ältere Informanten gehalten, die ihm das All
tagsleben seiner Ethnie in einer Epoche schildern konnten, in der für die Bewässerung noch nicht die
Dieselpumpe und für den Absatz oder Ankauf landwirtschaftlicher Produkte noch nicht die Genos
senschaft bestimmend waren.
Nach einem einleitenden Kapitel über geographische Gegebenheiten, einem historischen Rück
blick und einer Skizze der Gegenwartssituation der Shaiqiya, behandelt er die politische Organisa
tion, die wirtschaftlichen Aktivitäten, die Gesellschaftsordnung einschließlich der deutlich von
Brauchtum und Religion bestimmten Wendepunkte im Lebenslauf. Diese Kapitelfolge schließt er mit
einem Beitrag über die Kultur seiner Dorfbewohner ab, in der auch der Volksislam dargestellt wird.
Ein vom vorwiegend deskriptiven ersten Teil abgehobener zweiter Teil ist mit „Social Change“ über
schrieben. Er geht von allgemeinen Reflexionen zu den Theorien des Kulturwandels aus, um die Ver
hältnisse im Shaiqiya-Gebiet zu analysieren. Hier einbezogen sind die Eingriffe der britischen Verwal
tung, die Auswirkungen der Erziehung und der Abwanderung in die Städte.
In vielen Abschnitten wirken die Ausführungen beinahe distanziert, fast kritisch gegenüber land
läufigen Ansichten in der eigenen Ethnie. So, wenn er beispielsweise die Ethnogenese der Shaiqiya be
spricht. Er nennt alle bisherigen Ausführungen ‘guesswork for scholars’ und fordert die Einbezie
hung der Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen in letzter Zeit. Während nicht wenige Be
wohner des Niltals sich überbieten in hypothetischen Nachweisen ihrer puren arabischen Herkunft,