Baessler-Archiv, Neue Folge, Band IV
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Abb. 4. Weihwasser enthaltende Zwillingskrüge. AFO
(Odu, Nigeria)
Immer wenn die Geburt am Tage einer besonderen Zeremonie stattfindet,
erhält das Kind den diesbezüglichen Übernamen, z. B. „Gebetsmann“
(Oboschi), „Trommelmann“ (Osanga), „Göttlicher Zeremonienmeister“
(Abu) usw. Sobald es sich um einen Mädchennamen handelt, fügt der Afo
das Wort „oko“ oder „okomi“ bei, d. h. Weibchen bzw. mein Weibchen.
Also gibt der Afo einem Mädchen, das am Tage des Trommelmann-
Besuchs geboren wurde, ganz einfach den Übernamen „oko-osanga“. Oft wird
das Kind „Schmied“, „Ratsherr“, „Jäger“, „Dorfschreier“, „Fremdling“ ge
rufen, wenn während der Geburt ein Mann des entsprechenden Berufs oder
sonst ein Gast beherbergt wurde.
Ist eine Frau zu Frühgeburten veranlagt und sind ihr bereits Kinder ge
storben, so nennt die Afomutter ein weiteres Kind, kaum hat es den ersten
Schrei getan, mit einem Tiernamen, um es auf diese Weise vor Verhexung zu
schützen und dem frühen Tod zu entreißen. Tiere werden vom bösen Zauber
nicht betroffen. Das erstgeborene Kind trägt meist den Namen eines Groß
vaters oder einer Großmutter. Doch ist dieser Name für die Eltern des
Kindes tabu, und sie rufen ihren Sohn oder ihre Tochter nur „kiya“, Ding.
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