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aber ankam, war ihm der Tod schon zuvorgekommen;
alles war zum Begraͤbniß vorbereitet: nur sollte die Leiche,
wie es oft bey vornehmen Leuten geschieht, von dem Doc⸗
tor erst geoͤffnet werden, um zu sehen, was dem Ver—⸗
storbenen eigentlich gefehlt habe. Indessen fingen zwey
Geistliche, welche in der Kammer, wo die Leiche siand,
wachten, um die gewoͤhnlichen Gebete dabey zu verrichten,
einen lauten Wortwechsel mit einander an. Da ging
der Doctor hinein und redete ihnen zu, daß sie ruhig
seyn moͤchten. Bey dieser Gelegenheit sahe er auch nach
dem Verstorbenen, und fand, daß er kein recht todten—
maͤßiges Ansehen hatte. Sogleich ließ er ihn in ein war⸗
mes Bett legen, und setzte ihm Schroͤpfkoͤpfe auf die
Brust, zwischen die Schultern und auf die Dickbeine,
und schroͤpfte diese Theile. Den ganzen Leib ließ er mit
gewaͤrmten und mit Wachholderbeeren durchraͤucherten
Tuͤchern reiben, und beym Reiben den Bauch sanft nach
der Brust zu druͤcken. Da es noch nicht helfen wollte,
legte er Senfpflaster hinter die Ohren. An die Fuͤße
ließ er gewaͤrmte Ziegelsteine legen; und die Fußsohlen
mit Buͤrsten reiben. Nach und nach gab der Edelmann
wirklich wieder Zeichen des Lebens von sich. Nun hielt
man ihm heißes Brod unter die Nase, und goß ihm
etliche Loͤffel warmen spanischen Wein ein. Da fing er
an zu schlucken und that die Augen auf, die man, so
wie die Schlaͤfe, mit Wein angestrichen hatte, Er er—
zaͤhlte nun alles, was zwischen den beiden Priestern vor⸗
gefallen war, welches er in der Ohnmacht gehoͤrt hatte,
ob er gleich weder reden, noch ein Glied regen konnte.
Der Doctor stellte auch seine Gesundheit wieder her, so
daß er noch ganzer zehn Jahre lebte.
Eben so, wie der Doctor Bruhier, muß man es
allezeit machen, wenn eine kranke Person zwar leblos
daliegt, aber doch kein todtenmaͤßiges Ansehen hat. Oder
man wasche auch das Gesicht, die Schlaͤfe, die Bust
un